29. Sep 2026
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Gesellschaft
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Gerald von Foris, Bernd Dittrich/unsplash
Der Astrophysiker und Naturphilosoph Prof. Dr. Harald Lesch lehrt an der LMU München sowie an der Hochschule für Philosophie München. Mit seinen wissenschaftlichen ZDF-Sendungen „Terra X Harald Lesch“ und „Lesch & Co“ auf YouTube erreicht er ein Millionenpublikum. Hier erklärt er, wie das Trio Infernale unserer Energieversorgung aussehen wird – und warum wir KI auch wegen ihres Wasserverbrauchs massiv regulieren müssen.

Prof. Dr. Harald Lesch, Astrophysiker und Naturphilosoph, Professor an der LMU München und Hochschule für Philosophie München
Herr Professor Dr. Lesch, erzeugte Energie gibt der Welt viel Energie. Doch wie könnten wir sie möglichst umweltfreundlich erzeugen? Ganz einfach: Mit erneuerbaren Energien, die möglichst wenig Wärme abgeben. Denn die Wärme ist unser großes Problem. Photovoltaik und Windkraft sind die entscheidenden Game Changer – zusammen mit Batteriespeichern. Das wird das „Trio Infernale“ unserer zukünftigen Energieversorgung werden.
Lithium ist derzeit der wichtigste Batterierohstoff, doch Forschende entwickeln bereits Natriumbatterien und weitere Speichertechnologien. Künftig könnten Batterien aus ganz anderen Materialien bestehen und dennoch leistungsfähig sein. Erneuerbare Energien brauchen effiziente Speicher. So lässt sich der Strommarkt stabil regulieren – wie Kalifornien zeigt, wo bereits rund ein Drittel des Strombedarfs von Batteriespeichern gedeckt ist.
Atomenergie ist sauber, leise, geruchslos, und liefert ständig verfügbare Energie. Wie beurteilen Sie die Idee vom Bau neuer Mini-Atomkraftwerke? Völliger Mist. Ich stelle mir dann immer vor, der Herr des Hauses sagt er zu seiner Frau: „Du Schatz, ich geh mal kurz den Atommüll runterbringen.“ Man hat damals große Anlagen gebaut, um zu vermeiden, dass jeder irgend so einen kleinen Reaktor in seinem Garten hat. Die Gefahr der Verteilung von radioaktivem Müll ist viel zu groß! Wer keine wirklich gute Idee hat, wo der radioaktive Abfall landen soll, sollte definitiv keine neuen Kernkraftwerke fordern.
Außerdem sind Kernkraftwerke nichts anderes als Wasserkocher und viel zu ineffizient. Sie produzieren zudem Unmengen an Hitze und brauchen deshalb Kühltürme und Wasser – und Wasser ist eine sehr, sehr wertvolle Ressource, die wir nicht für die Kühlung von Kernkraftwerken verwenden sollten. Photovoltaik und Windkraft sind viel effizienter.
Tech-Giganten brauchen jetzt Grenzen!
Was haben Sie denn gegen die Idee, den Müll ins Weltall zu schießen? Weil nicht jede Rakete wirklich startet, sondern bereits am Start explodiert. Und eine einzige, mit hochradioaktivem Abfall explodierte Rakete reicht aus, um dieses Konzept ein für alle Mal in den Orkus zu schicken. Schon heute blicken wir auf eine kommende, dramatische Klimaveränderung, mit dramatischen Konflikten auf großen Teilen dieses Planeten. Die Sicherheitssituation für oberirdische Lager von hochradioaktiven Abfällen wird ziemlich problematisch. Jeder kann im Netz herausfinden, wo die Castorbehälter in Deutschland stehen. Ich verstehe nicht, weshalb Menschen glauben, oberirdische Zwischenlager seien sicherer als ein Endlager in 300 Metern Tiefe.
Wie würden Sie die Energieversorgung unserer Zukunft planen, um möglichst nachhaltig und möglichst gut versorgt zu sein? Energiewende in Bürgerhände! Das heißt, alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland können sich Anteile verschaffen, und damit Geld verdienen. Um die großen Energietransformationen zu akzeptieren, müssen Europäer etwas davon haben. Das haben sie, wenn unser Energiesystem sicher und unabhängig von irgendwelchen Verrückten funktioniert. Zudem sollte jedes Dach mit PV versehen werden, vor allem jedes Dach der öffentlichen Hand. Auch eine vernünftige Verteilung der Kosten für Wärmepumpen sollte es geben, denn damit kann man im Winter heizen und im Sommer kühlen. Umweltschutz sollte in unsere Verfassung geschrieben werden, denn wir sind mitten im Klimawandel.
Nur drei Prozent des weltweit verfügbaren Wassers sind Trinkwasser. In einigen Jahren oder Jahrzehnten wird es zu Verteilungskämpfen kommen – nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Menschen und Rechenzentren mit ihrem extrem hohen Verbrauch. Sollten wir den Umgang mit Trinkwasser neu regeln? Ja! Ich glaube, so ein Moratorium ist dringend notwendig. Staaten sollten KI regulieren und den Bau von Rechenzentren verbieten, wenn unsere Grundlagenversorgung gefährdet ist. Tech-Giganten brauchen jetzt Grenzen! Jede KI-Anfrage ist mit großem Energie- und Wasserverbrauch verbunden. Ich halte KI für ein Instrument, das innerhalb der Denkstrenge der Wissenschaften wunderbar anzuwenden ist, doch im Alltag sollten wir sie nur minimal nutzen.
Photovoltaik und Windkraft sind die entscheidenden Game Changer – zusammen mit Batteriespeichern.
Die Gletscher schmelzen – eine existenzielle Gefahr für die Alpen. Ohne Wasser aus den Gletschern gibt es weder blühende Almen noch Tourismus, beides Lebensgrundlage vieler Millionen Menschen. Könnte man diesen Prozess irgendwie stoppen? Nein. Wenn es wärmer wird, schmilzt das Eis. Immer.
Auf wie viel Prozent der Energie, die Sie selber täglich verbrauchen, könnten Sie problemlos verzichten? Auf 30 Prozent. Herausfordernd sind Extremwetterereignisse, weil die Energieversorgung enorm davon betroffen ist. Mit einer Wärmepumpe kann man etwa 25 bis 30 Prozent Energie sparen. Auch die Kreislaufwirtschaft deutlich zu stärken und städtebauliche Maßnahmen für mehr Kühlung sind wichtig.
Was gibt Ihnen noch Hoffnung? Ich freue mich, dass wir in Deutschland auf einem Photovoltaik-Weg sind, der genau den Klimazielen entspricht. Was mir die allergrößte Freude macht, sind die Ausbauzahlen der erneuerbaren Energien überall auf der Welt. Die Welt ist auf Strom – auch Deutschland wird das irgendwann bemerken!