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1. Okt 2026

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Lifestyle

Abseits der bekannten Routen – mit Max Haase

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Max Haase

Travel Influencer Max Haase über seine Bucketlist, Gänsehautmomente in Venezuela und Peru, Wasser in dreißig Blautönen und das Vermeiden von Overtourism.

Was bedeutet Reisen für dich? Alltag. Das klingt unromantisch, ist aber der ehrlichste Satz dazu. Ich reise nicht zwischen zwei Jobs, das Reisen ist der Job und gleichzeitig das Privatleben. Dazu gehören Einkaufen, Wäsche waschen und schlechtes Internet. Wer das ausblendet, verwechselt Reisen mit Urlaub. Und trotzdem bleibt genau das Gefühl, für das ich es mache: morgens die Tür aufmachen und nicht wissen, was der Tag bringt.

In wie vielen Ländern warst du schon, und welche stehen noch ganz oben auf deiner Bucketlist? Inzwischen 82. Drei Dinge stehen ganz oben. Einmal die USA mit dem Camper, von Küste zu Küste, weil das Land für diese Art zu Reisen gemacht ist. Dann eine Expeditionskreuzfahrt in die Antarktis. Und ein Ziel ohne Ort: mehr mit Familie und Freunden reisen. Die Reisen, an die ich mich am längsten erinnere, sind die, bei denen jemand dabei war, den ich sonst nur am Telefon habe.

Besondere Gänsehaut-Momente? Venezuela. Erst der Flug nach Canaima im Kleinflugzeug, dann mehrere Stunden mit dem Boot den Carrao hinauf durch den Dschungel, geführt von Pemón, die dort zuhause sind. Und dann steht man unter dem Salto Ángel: 979 Meter hoch, 807 Meter davon freier Fall, Wasser, das sich auf dem Weg nach unten in Nebel auflöst. Danach Los Roques, 350 Inseln und Sandbänke, Wasser in dreißig Blautönen und kaum ein Mensch. Eine der intensivsten Reisen, die ich je gemacht habe. Der zweite war Peru: fünf Tage auf dem Salkantay-Trek, 74 Kilometer, über einen Pass auf 4.630 Metern. Die meisten kommen mit dem Zug nach Machu Picchu. Wer läuft, sieht es zuerst von Llactapata aus, klein und weit weg, einen Tag bevor er davor steht. Dieser erste Blick bleibt.

Und deine größten Herausforderungen? Die Romantik hört beim Papierkram auf. Visa, Einfuhrregeln, Versicherungen, das kostet mehr Zeit als jede Anreise. Dazu die Sicherheitslage in Ländern wie Venezuela, wo du ohne verlässliche lokale Kontakte schlicht nicht weit kommst. Und Arbeiten unterwegs heißt: erst Strom, Internet und Ruhe organisieren, dann anfangen. Die schönen Bilder entstehen meistens hinter einem ziemlich unspektakulären Arbeitstag.

Wie lernt man die Kultur und Menschen eines Landes wirklich kennen? Über Leute, die einen Grund haben, mit dir zu reden. Als Tourist bist du Tagesgeschäft. Sobald du etwas willst, was sie können, dreht sich das. In Canaima haben uns Pemón geführt, deren Familien seit Generationen dort leben, und plötzlich ging es nicht mehr um den Wasserfall, sondern um ihr Land. Dasselbe passiert an der Kite-Station oder am Bootsliegeplatz. Eine gemeinsame Sache bringt dich weiter als jeder Smalltalk.

Venezuela: Eine der intensivsten Reisen, die ich je gemacht habe.

Wie gehst du mit Overtourism um, und wie nachhaltig sind deine Fernreisen? Ehrlich: Fliegen ist der wunde Punkt, den rechne ich mir nicht schön. Steuern kann ich die Frequenz. Ich fliege selten und bleibe dann Wochen bis Monate, statt fünfmal im Jahr für sieben Tage. Beim Overtourism heißt meine Antwort ausweichen statt anstellen: Los Roques statt der bekannten Karibikinseln, Nordbrasilien statt Rio, und wo es geht Nebensaison. Verzicht ist das nicht. Die leeren Orte sind ohnehin die besseren, und genau deshalb zeige ich sie auch. Auf max-haase.com schreibe ich über Reisen abseits der bekannten Routen.

Fakten:

Seit 2013 reist der Content Creator mit über 4,2 Millionen Followern dauerhaft mit Drohne, Kamera und einer Leidenschaft für authentisches Storytelling. Von den Alpen bis nach Neuseeland, von Saudi-Arabien bis in die Karibik: Max Haase zeigt Orte aus Perspektiven, die andere nicht erreichen.