24. Sep 2026
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Lifestyle
Journalist: Chan Sidki-Lundius
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Foto: StMoritz
Laura Philipp gehört zu den besten Triathletinnen der Welt. Sie bereitet sich gerade auf den Ironman am 10. Oktober in Hawaii vor. Unsere Autorin Chan Sidki-Lundius hat mit ihr gesprochen.
Laura, du bist seit 2015 Profisportlerin und gehörst mit 39 zu den älteren Triathletinnen. Wie schaffst du es, immer noch vorn mitzumischen? Bei mir steht das Thema Selbstfürsorge ganz oben. Denn nur Athletinnen, die gesund sind, können eine lange Karriere haben. Ich zum Beispiel war mit 38 die bisher schnellste Frau bei einem Ironman! Das hat enorme mentale Potenziale freigesetzt. Solange ich spüre, dass da noch was geht, werde ich also weitermachen. Mich wegen einer Zahl zu limitieren, kommt nicht in Frage. Und schließlich spornt mich der Konkurrenzkampf mit den Jüngeren zusätzlich an. Da merke ich immer häufiger, dass ich meine körperliche und mentale Stärke vor allem auf der ganzen Distanz voll ausspielen kann.
Wie trainierst du? Meine Trainingspläne sind nicht fix, wir überdenken sie immer wieder neu. Natürlich spielen da auch die Alterungsprozesse im Körper und die damit verbundenen veränderten Regenerationszeiten eine Rolle. Im Juli war ich zweieinhalb Wochen im Höhentrainingslager in der Schweiz. Da habe ich mich nur ums Trainieren, Essen und Schlafen gekümmert, was viel gebracht hat. Und ich habe ein paar Kilos draufgelegt. Auch das hat mir gutgetan. Unter dem Strich merke ich, dass meine Grundlagenausdauer immer besser wird. Deshalb konzentriere ich mich derzeit auf kurze intensive Belastungen, was teilweise verdammt hart ist. Außerdem wird Krafttraining mit zunehmendem Alter immer wichtiger, um dem Verlust an Muskelmasse entgegenzuwirken. Ich mache zweimal pro Woche Krafttraining, um meinen Körper gesund zu halten.
Solange ich spüre, dass da noch was geht, werde ich also weitermachen. Mich wegen einer Zahl zu limitieren, kommt nicht in Frage.
Du gehörst zu den Spitzensportlerinnen, die zyklusbasiert trainieren. Was bedeutet das? Ich tracke meinen Zyklus und messe meine Temperatur akribisch, um mein Training daran anzupassen. Das führt dazu, dass ich meinen Körper weniger stresse. Ich weiß mittlerweile genau, dass ich in der ersten Zyklushälfte stärker belastbar bin, schneller regeneriere und einfacher Muskulatur aufbaue. Da kann ich richtig Gas geben. In der zweiten Zyklushälfte gehe ich vorsichtiger mit meinem Körper um. Schlaf und Regeneration sind da schwieriger, Krafttraining bedeutet viel Muskelkater und es passieren häufiger Unfälle. Insofern ist es praktisch, wenn Rennen in die erste Zyklushälfte fallen.
Was denkst du über das Thema Ernährung? Ich ernähre mich seit vielen Jahren vegetarisch. Dank der vielen Ersatzprodukte ist es heute leicht, dafür zu sorgen, dass es dem Körper an nichts fehlt. Um sicherzugehen, lasse ich regelmäßig ein Blutbild erstellen. Ansonsten ist es wichtig, dem Körper Proteine, Kohlenhydrate (Ballaststoffe) und gesunde Fette in ausreichender Menge zuzuführen. Frauen rate ich, von Low Carb Abstand zu nehmen. Dadurch werden zu viele Stresshormone ausgeschüttet.
Deine Erfahrungen gibst du im Rahmen von KickAss weiter. Was steckt dahinter? Bei KickAss erhalten Athleten aller Levels Unterstützung, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Wir haben individuelle Coaching- und Trainingsangebote im Programm. Ein Highlight sind unsere Education-Seminare. Gemeinsam in der Gruppe erarbeiten sich die Teilnehmenden mit den Coaches eine gute Technik für effektiveres Laufen, Schwimmen, Radfahren oder ihre Athletik. Die Seminare bestehen aus theoretischem Input und praktischen Phasen. Sie finden in der Region um Heidelberg, aber auch bundesweit statt. Außerdem bieten wir Services wie Leistungsdiagnostik und Bike-Fittings an.
Veränderungen überraschen den Körper und sind immer auch ein wichtiger neuer Reiz fürs Nervensystem.
Wie lautet deine Empfehlung für ambitionierte Ausdauersportler? Sie sollten versuchen, sich immer wieder mal auf etwas Neues einzulassen und monotone Trainingsrituale aufzubrechen. Viele lassen im Training eine gewisse Anpassungsfähigkeit vermissen. Konkret ist es zum Beispiel eine gute Idee, nicht immer die gleichen Runden zu laufen. Oder mal Padel zu spielen oder Skilanglauf auszuprobieren. Veränderungen überraschen den Körper und sind immer auch ein wichtiger neuer Reiz fürs Nervensystem. Wichtig ist auch eine gute Verpflegung während des Wettkampfs und beim Training. Körperinterne Speicher sind nach etwa einer Stunde leer. Mit Gels und kohlenhydratreichen Getränken, teilweise auch mit Riegeln, lässt sich mehr rausholen. Ich selbst nehme unter Belastung 100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde zu mir.
Und was rätst du Einsteigern? Sie sollten nicht zu schnell zu viel wollen und sich nicht überfordern. Gerade zum Anfang des Trainings macht ein Wechsel aus Laufen und Gehen viel Sinn, damit der Puls auch mal eine Chance hat, wieder runterzukommen. Das ist auch wichtig, um eine Grundlagenausdauer zu entwickeln. Zur Kontrolle empfehle ich die Anschaffung einer guten Pulsuhr.
Laura Philipp lebt mit ihrem Ehemann und Trainer Philipp Seipp in Neckargemünd bei Heidelberg. Sie ernährt sich vegetarisch. Das Kraulschwimmen hat sie erst mit 24 Jahren erlernt. Ihre bislang größten Erfolge: Ironman-Weltmeisterin (2024), Ironman-Europameisterin (2025), Siegerin der Challenge Roth (2025)