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22. Jul 2026

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Business

Automarken schaffen oft über Jahrzehnte eine starke Identifikation und Begehrlichkeit – Im Interview mit Sarah Lamboj, CEO von smart Austria

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Sarah Lamboj, CEO von smart Austria, schätzt die Stärke europäischer Autobauer, die es über Jahrzehnte geschafft haben, ihr Markenprofil mit hohem Wiedererkennungswert zu schärfen, und eine hohe Kundentreue aufzubauen. Auch der neue smart Concept #2 wird die smart-Community erneut begeistern. Vielleicht trägt er sogar dazu bei, die Reichweitenangst bei E-Mobilität weiter zu reduzieren.

Frau Lamboj, Sie haben nach Ihrem Studium beim damaligen Start-up mytaxi angefangen. Was hat Sie gerade an diesem Start-up bzw. an der Mobilität so gereizt? Der Einstieg in die Mobilitätsbranche war für mich tatsächlich eher ein Zufall. Doch dann hat mich schnell die Dynamik des Sektors gefesselt: Mobilität ist extrem vielfältig, sie entwickelt sich ständig weiter – und betrifft jeden Menschen! Ich hatte das besondere Glück, die steile Entwicklung des Unternehmens vom reinen Taxi-Anbieter zum internationalen Mobilitätsanbieter mitzuerleben. In einem Start-up gestaltet man Strukturen aktiv mit und erlebt Wachstum unmittelbar, mit zunehmender Unternehmensgröße jedoch müssen Strukturen professionalisiert werden. Gleichzeitig sollten Mitarbeitende weiterhin Gehör finden und ihre Erfahrungen einbringen können.

Seit August 2021 sind Sie CEO von smart Austria. Der smart war ja einst ein Synonym für einen kleinen Cityflitzer. Ist dieses Image geblieben oder was soll die Marke heute emotional verkörpern? Wenn man auf die mittlerweile über 25-jährige Geschichte von smart blickt, sieht man, was die Marke bereits aufgebaut und erreicht hat. Viele verbinden smart bis heute mit dem Cityflitzer! Als ich 2021 dazukam, befand sich die Marke gerade an einem wichtigen Wendepunkt: smart hat sich als erster Autohersteller konsequent für die vollelektrische Ausrichtung entschieden – ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Die DNA von smart bleibt unverändert. Wir haben lediglich das Portfolio erweitert, um unsere Kundinnen und Kunden entlang ihrer gesamten Mobilitätsreise zu begleiten – von Singles bis zu jungen Familien.

Der brandneue smart Concept #2 sieht ja nicht nur sehr fresh aus, er wird ja auch eine elektrische Reichweite von knapp 300 Kilometern haben und sich schnell aufladen lassen. Was glauben Sie, wie wird die Community den annehmen? Vor kurzem durfte ich den smart Concept #2 das erste Mal sehen – und ich bin fest davon überzeugt, dass er sehr, sehr gut angenommen werden wird. Unser neuer urban ausgerichteter Zweisitzer verbindet Alltagstauglichkeit, frisches Design, Komfort und vollelektrische Mobilität. Dabei haben wir genau hingehört, was sich die Community wünscht, und hoffen, mit diesem Modell die besondere Faszination des ursprünglichen smart aufzugreifen und in die Zukunft zu transportieren. Kaum ein Fahrzeug ist in Europa mit so vielen Emotionen verbunden.

Sie haben ihn gerade das erste Mal gesehen. Sind Sie ihn auch das erste Mal gefahren? Wir durften ihn noch nicht fahren. Fahren wird später kommen. Das wird noch mal ein ganz eigenes Abenteuer werden!

Wer Technologie und Geschwindigkeit auf der einen Seite und Identität und Begehrlichkeit auf der anderen Seite vereint, wird langfristig erfolgreich sein.

Ist die Reichweite überhaupt noch ein Kaufargument? Oder spielen funktionierende Ladepunkte inzwischen die wichtigere Rolle? Für mich liegt die Wahrheit in der Mitte. Die Reichweite bleibt ein wichtiges Kriterium, mit einem gut ausgebauten Ladenetz und Schnellladeoptionen verliert die reine Kilometerzahl jedoch an Bedeutung. Mit zunehmender Erfahrung mit Elektromobilität relativiert sich die Reichweitenangst. Gerade in Österreich ist die Ladeinfrastruktur bereits sehr gut ausgebaut und wird kontinuierlich erweitert. Wenn ein Fahrzeug wie unser smart #5 in unter 18 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden kann, ist es während der Dauer einer Kaffeepause oft schon wieder einsatzbereit, sodass auch längere Strecken immer normaler werden.

Was unterscheidet den österreichischen Markt von anderen europäischen Märkten? Wir sehen Synergien als auch Unterschiede. Ein wichtiger Faktor ist dabei die sogenannte „Readiness“ für Elektromobilität – also wie bereit ein Markt dafür ist, siehe Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig wird im DACH-Raum mit seinem alpinen Charakter als Besonderheit oftmals Allrad gewünscht. Deshalb ist unsere BRABUS Variante in Österreich die beliebteste, das beliebteste Modell ist der smart #5. In anderen Märkten mit engeren Straßen stehen eher kompakte Modelle wie der smart #1 oder smart #3 im Fokus. Auch die Marktstruktur unterscheidet sich: Einige Märkte sind stärker B2B-getrieben, andere haben bereits einen höheren Anteil an Privatkunden.

Wie können europäische Hersteller beim Thema Digitalisierung und Mobilität überhaupt mit den chinesischen Marken mithalten? Es geht vielmehr darum, die jeweiligen Stärken klug zu kombinieren. Chinesische Hersteller sind aktuell schneller in Entwicklung und Digitalisierung, während europäische Marken traditionell stark in Design, Markenführung und emotionaler Bindung sind. Wer Technologie und Geschwindigkeit auf der einen Seite und Identität und Begehrlichkeit auf der anderen Seite vereint, wird langfristig erfolgreich sein.

Welches Mobilitätsproblem möchten Sie gerne in Ihrer Karriere lösen? Der Bereich, in dem ich persönlich den größten Beitrag leisten kann, ist die nachhaltige Mobilität. Gerade die Automobilbranche spielt eine wichtige Rolle bei den Klimazielen, und Elektromobilität ist aus meiner Sicht ein zentraler Hebel. Elektromobilität bedeutet heute Nachhaltigkeit mit Fahrspaß, Komfort und Performance. Dafür würde ich gerne noch mehr Menschen begeistern!

Gerade die Automobilbranche spielt eine wichtige Rolle bei den Klimazielen, und Elektromobilität ist aus meiner Sicht ein zentraler Hebel.