16. Sep 2026
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Journalist: Thomas Soltau
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Foto: Privat
Flexible Erwerbsbiografien werden wichtiger. Zeitwertkonten können Beschäftigten Freiräume schaffen und Unternehmen bei der Personalbindung helfen.

Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International
Flexibilität ist für viele Beschäftigte zu einem wichtigen Kriterium bei der Gestaltung ihres Berufslebens geworden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes konnten 2024 knapp 50 Prozent der Erwerbstätigen ihre Arbeitszeiten zumindest teilweise flexibel gestalten. Doch während Gleitzeit und Arbeitszeitkonten längst etabliert sind, geht es zunehmend auch um längere Freiräume: ein Sabbatical, Zeit für Weiterbildung oder einen gleitenden Übergang in den Ruhestand. Zeitwertkonten können solche Phasen finanzieren, indem Beschäftigte Entgelt oder Arbeitszeit ansparen und später für eine bezahlte Freistellung einsetzen. Für Arbeitgeber kann daraus zugleich ein Instrument für Mitarbeiterbindung und langfristige Personalplanung werden. Trotzdem sind Zeitwertkonten bislang kein Standard: Nur 29,6 Prozent der befragten Organisationen mit mehr als 300 Beschäftigten bieten sie an.
Fidelity International hat gemeinsam mit der Universität Hamburg untersucht, woran das liegt und welches Potenzial noch besteht. Die Investmentgesellschaft verwaltet Vermögen, bietet Lösungen für die betriebliche Altersversorgung und Zeitwertkonten an. Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International, ordnet die Studienergebnisse ein und zeigt, wie Unternehmen Zeitwertkonten praktikabel umsetzen können.
Knapp 30 Prozent der größeren Organisationen bieten Zeitwertkonten an. Warum ist die Verbreitung noch so gering? Ein wesentlicher Grund ist die Komplexität. Unternehmen müssen Insolvenzschutz, Bilanzierung, Administration und Sozialversicherungsbeiträge organisieren. Hinzu kommt die Werterhaltgarantie. Das Potenzial bleibt sehr groß.
Im Mittelstand fehlen häufig die Spezialisten, die große Unternehmen dafür einsetzen können. Wie lässt sich diese Hürde senken? Indem Einführung und Verwaltung möglichst einfach und standardisiert gestaltet werden. Wir begleiten Unternehmen bei der Ausgestaltung: Wer kann teilnehmen, wofür soll das Konto genutzt werden und wie wird das Guthaben angelegt? Mit Musterzusagen und standardisierten Folgeprozessen lässt sich der interne Aufwand deutlich reduzieren. Mittelständler sollen dafür keine zusätzlichen Spezialisten einstellen müssen.
Lange galt das Zeitwertkonto vor allem als Instrument für den Vorruhestand. Das verändert sich. Der Vorruhestand ist mit knapp 37 Prozent weiterhin der häufigste Nutzungszweck, danach folgen bereits Sabbaticals. Jüngere Beschäftigte wollen eher zeitweise aussteigen oder Freiräume für Weiterbildung schaffen. Für ältere Mitarbeiter ist dagegen der gleitende Übergang in den Ruhestand interessant. Zeitwertkonten können so sehr unterschiedliche Lebensphasen abbilden.
Welche Bedeutung bekommt diese Flexibilität im Wettbewerb um Fachkräfte? Zeit wird zunehmend zu einem wichtigen Benefit. Unternehmen können Beschäftigten mehr Flexibilität ermöglichen und sie damit stärker binden. Gleichzeitig lässt sich der Übergang in den Ruhestand so gestalten, dass erfahrene Mitarbeiter ihre Arbeitszeit schrittweise reduzieren. Dadurch bleibt Wissen länger im Unternehmen und kann an jüngere Kollegen weitergegeben werden.
Bei der Anlage der Wertguthaben dominieren Versicherungslösungen. Was spricht für investmentbasierte Modelle? Die gesetzliche Werterhaltungsgarantie führt dazu, dass viele Unternehmen sehr konservativ anlegen und damit auf Renditechancen verzichten. Fidelity verwaltet inzwischen deutlich mehr als eine Milliarde Euro an Wertguthaben in Fonds. Dabei geht es nicht um maximale Rendite, sondern um ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Ertrag. Über längere Ansparzeiträume kann der Kapitalmarkt das Wertguthaben erhöhen – und zusätzliche Freistellungszeit ermöglichen.
Ein Zeitwertkonto entfaltet seinen Nutzen erst, wenn die Beschäftigten verstehen, welche Möglichkeiten es ihnen bietet.
Was bietet Fidelity Unternehmen, die ein Zeitwertkonto einführen oder ein bestehendes Modell besser nutzen wollen? Wir begleiten sie von der Konzeption bis zur Umsetzung und können Insolvenzschutz, Kontenadministration und Kapitalanlage aus einer Hand übernehmen. Ebenso wichtig ist die Mitarbeiterkommunikation. Unsere Studie zeigt, dass fehlende Informationen eine wesentliche Hürde sind. Deshalb setzen wir auf Veranstaltungen, individuelle Betreuung, Webinare und Erklärvideos. Ein Zeitwertkonto entfaltet seinen Nutzen erst, wenn die Beschäftigten verstehen, welche Möglichkeiten es ihnen bietet.