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28. Sep 2026

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Business

Geschäftsreisen sind Investitionen, kein Kostenfaktor – Im Interview mit Jens Schließmann, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR)

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse, Briana Tozour/unsplash

Unternehmen achten stärker auf ihre Kosten, und trotzdem wird wieder mehr gereist. Für Jens Schließmann ist das kein Widerspruch. Der Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) erklärt, wann sich persönliche Präsenz lohnt, warum bei Geschäftsreisen nicht nur die Kosten zählen und wie sich das Travel Management verändert.

Herr Schließmann, Unternehmen müssen heute genauer entscheiden, wofür sie ihre Ressourcen einsetzen. Was hat sich verändert? Die weltwirtschaftliche Situation ist angespannt. Unternehmen müssen mit handelspolitischen Spannungen und geopolitischen Unsicherheiten umgehen. Gleichzeitig kommen technologische Veränderungen hinzu und der Kostendruck steigt. Das führt dazu, dass stärker geprüft wird, wie Mittel eingesetzt werden.

Das gilt auch für Geschäftsreisen. Unternehmensleitungen fragen verstärkt nach, ob persönliche Präsenz wirklich notwendig ist: Wirkt sich ein Treffen positiv auf die Kundenbeziehung aus oder bringt es ein Projekt besser voran? Oder reicht ein digitales Meeting aus? Unternehmen schauen genauer darauf, dass sich die Ausgaben für Reisen rechnen und entscheiden bewusster, wann sie ihre Mitarbeitenden auf Reisen schicken.

Warum gewinnt persönliche Präsenz gerade in einer immer digitaleren Arbeitswelt an Bedeutung? Digital und persönlich sind für mich keine Gegensätze. Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt viele Vorteile mit sich. Für eine kurze Abstimmung muss heute niemand mehr ins Flugzeug oder in den Zug steigen. Gleichzeitig merken wir, wo digitale Formate an ihre Grenzen kommen. Innovationen entstehen selten allein am Schreibtisch. Neue Perspektiven, die wir auch auf Reisen gewinnen, sind dafür wichtig. Und auch für den Aufbau von Vertrauen ist das persönliche Gespräch unersetzlich. Der ehemalige Bundesverkehrsminister Wissing hat es auf einer unserer Veranstaltungen auf den Punkt gebracht: Persönliche Treffen bei Geschäftsreisen seien ‚die Währung für Erfolg‘. Das bestätigt auch die VDR-Geschäftsreiseanalyse. 2025 wurden in Deutschland 116,1 Millionen Geschäftsreisen unternommen, 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sie sagen, Unternehmen sollten Geschäftsreisen stärker als Investitionen betrachten. Was bedeutet das konkret? Wenn man nur auf die Kosten einer Geschäftsreise schaut, sieht man nur einen Teil. Ein Unternehmen investiert aber nicht in ein Bahnticket, einen Flug oder eine Hotelübernachtung. Es investiert in das, was mit der Reise erreicht werden soll: eine Kundenbeziehung, ein Projekt oder die Erschließung eines neuen Marktes.

Natürlich spielen Kosten weiterhin eine wichtige Rolle. Doch grundsätzlich sollten Geschäftsreisen gezielt dort eingesetzt werden, wo persönliche Präsenz einen Mehrwert schafft. Deshalb sehe ich sie als Investition und nicht als reinen Kostenfaktor. Dass mehr Reisen nicht automatisch höhere Ausgaben bedeuten, zeigt unsere Geschäftsreiseanalyse: Obwohl 2025 deutlich mehr gereist wurde, sanken die durchschnittlichen Kosten pro Geschäftsreise um 4,8 Prozent.

Ein Unternehmen investiert aber nicht in ein Bahnticket, einen Flug oder eine Hotelübernachtung. Es investiert in das, was mit der Reise erreicht werden soll: eine Kundenbeziehung, ein Projekt oder die Erschließung eines neuen Marktes.

Welche Rolle spielt professionelles Travel Management dabei? Eine größere, als viele vermuten. Denn ob eine Geschäftsreise ihren Zweck erfüllt, hängt auch davon ab, wie gut sie organisiert und gesteuert wird. Travel Management bedeutet heute mehr als Reiserichtlinie, Buchung und Abrechnung. Es geht um Prozesse und Daten, aber genauso um die Sicherheit der Reisenden und die Fürsorgepflicht des Unternehmens.

Und genau da verändert sich die Rolle des Travel Managements. Man muss verstehen, was an anderer Stelle im Unternehmen passiert: Was braucht Finance? Welche Themen beschäftigen HR? Welche Anforderungen kommen aus der IT oder der Nachhaltigkeitsabteilung? Viele dieser Fragen laufen im Travel Management zusammen. Aus einer überwiegend operativen Funktion wird somit zunehmend eine strategische Steuerungsfunktion für geschäftliche Mobilität.

Wie wird sich die Unternehmensmobilität in den kommenden Jahren verändern? Wir werden künftig noch stärker mit Daten arbeiten und mehr Prozesse automatisieren. Künstliche Intelligenz kann Routinearbeit abnehmen und helfen, Informationen besser auszuwerten. Strategische Entscheidungen und die Frage, wann eine Reise sinnvoll ist, bleiben aber bei uns. Gleichzeitig kommen neue Anforderungen hinzu. Unternehmen müssen regulatorische Vorgaben beachten, für Sicherheit und Wohlbefinden ihrer Reisenden sorgen und ihre Mobilität mit ihren Nachhaltigkeitszielen zusammenbringen. Auch neue Arbeitsformen verändern, wann und wie Beschäftigte reisen.

Für das Travel Management bedeutet das, den Blick zu erweitern. Die klassische Geschäftsreise bleibt wichtig. Gleichzeitig müssen wir stärker darauf schauen, wie die verschiedenen Formen betrieblicher Mobilität zusammenspielen. Entscheidend ist deshalb nicht, ob insgesamt mehr oder weniger gereist wird. Entscheidend ist, wann eine Reise sinnvoll ist und welchen Mehrwert sie schafft.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob insgesamt mehr oder weniger gereist wird. Entscheidend ist, wann eine Reise sinnvoll ist und welchen Mehrwert sie schafft.