24. Sep 2026
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Business
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Presse
Peter Sarlin ist Professor of Practice an der Aalto University in Finnland, KI-Forscher, Seriengründer und Unternehmer. Er verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischer Umsetzungskraft und verfolgt eine klare Vision: Finnland und Europa zu einem weltweit führenden Ökosystem für Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Sein Ziel ist es, die nächste Generation europäischer KI-Unternehmen hervorzubringen, die technologisch führend sind und globale Märkte prägen.
Peter, deine Stiftung Foundation PS ist eine gemeinnützige Initiative, die darauf abzielt, das KI-Forschungsökosystem und die Wettbewerbsfähigkeit Finnlands und Europas zu stärken, indem sie Wissenschaft, Industrie und Politik zusammenbringt. Aber die Politik bewegt sich in Wahlzyklen, KI-Unternehmen denken in Quartalen und Forschung dauert oft Jahrzehnte. Wie kann Europa eine langfristige KI-Strategie entwickeln, wenn sich diese Welten in so unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen? Das ist eine sehr gute Frage. Ich interessiere mich für Europas Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Sicherheit – denn ohne Sicherheit spielt beides letztlich keine Rolle. Doch wie können wir sehr wertvolle Technologieunternehmen aufbauen? Während der letzten 50 Jahren kamen Unternehmen mit einem Wert von über einer Billion Dollar ausschließlich aus den USA. Europa muss deshalb Wissenschaft, Wirtschaft und weitere Akteure zusammenbringen – ähnlich wie vor vielen Jahrzehnten das Silicon Valley. KI wird dabei aus meiner Sicht der Nordstern bleiben, auch wenn sich die technologischen Wellen – Quanten-Computing oder Fusion – verändern. Dieser Gedanke war auch der Treiber der Aktivitäten meiner Stiftung. Das erste ELLIS Institute entstand in Tübingen, das zweite in Finnland, wo ich 13 Professuren gestiftet habe. Das Institut verbindet die finnischen Universitäten und ist in weniger als zwei Jahren auf mehr als 50 Professuren gewachsen. Dafür haben wir Top-Forscher von Harvard, Cambridge, Oxford, der ETH Zürich sowie führenden kanadischen und chinesischen Universitäten gewonnen, zudem jeweils mit Finanzierung für ihre Forschungsgruppen.
Ausschlaggebend ist, international führende Forschende nach Europa zu holen und ihnen die nötigen Ressourcen zu geben, und gleichzeitig Start-ups, KI-Unternehmen und ambitionierte Moonshots zu fördern. Nur mit einem starken Ökosystem können wir die besten Talente langfristig halten, sonst wandern sie irgendwann ab.
Finnland zeigt, wie das funktionieren kann: Die Verbindung von Universitäten, Spitzenforschung und leistungsfähiger Recheninfrastruktur wie LUMI und die AI Factory, die um ihn aufgebaut wurde, schafft für Forschende international äußerst attraktive Bedingungen. Forschung, Universität, Wissenschaft und Bildung haben mir sehr viel gegeben, deshalb möchte ich etwas zurückgeben.
Warum investierst du über die Stiftung so stark in langfristige Grundlagenforschung? Und wie bestimmst du, welche Forschungsrichtungen langfristig relevant bleiben werden? Ich glaube, dass ich beim Aufbau exzellenter KI-Forschung helfen kann, aber nicht über die Forschungsrichtung entscheiden sollte. Das liegt bei den Universitäten und Forschenden. KI entwickelt sich in Wellen, und wir wissen heute nicht, was in fünf bis zehn Jahren relevant sein wird. Meine Rolle sehe ich vielmehr darin, die Stiftung so zu strukturieren, dass auch begrenzte Spenden Wirkung erzielen. Das ELLIS Institute hat das Ganze möglich gemacht, weil es als co-assoziiertes Institut mit allen finnischen Unis zusammenarbeitet. Die etablierte Marke hat gezeigt, dass sie immer besser darin wird, Top Talente anzuwerben und zu behalten. Gleichzeitig hat sie sehr anspruchsvolle Qualitätsstandards gesetzt.
KI entwickelt sich in Wellen, und wir wissen heute nicht, was in fünf bis zehn Jahren relevant sein wird.
Du führst nicht nur die Stiftung, sondern baust mit QuTwo auch ein KI-Labor für das Quantenzeitalter auf. Was glaubst du, könnte die Kombination aus KI und Quanten-Computing ermöglichen, was KI allein niemals erreichen könnte? Anfang dieses Jahres haben wir QuTwo gegründet, ein KI-Unternehmen mit Fokus auf das Quantenzeitalter. Mit QuTwo blicken wir fünf bis zehn Jahre nach vorne und möchten damit das führende europäische KI-Unternehmen für das nächste Paradigma erschaffen. Für mich ist die Rechenleistung der Maßstab: Wie GPUs die heutige KI-Welle ermöglicht haben, könnten QPUs die nächste ermöglichen. Der Wandel findet bereits statt, er verläuft von klassischen über Quantum-Inspired- und hybriden Ansätzen hin zu vollständigem Quantum. Drei Anwendungsbereiche stehen dabei besonders im Fokus: erstens KI-Workloads, die spürbare Effizienzsteigerungen ohne Einbußen bei der Genauigkeit ermöglichen, zweitens Optimierung, vor allem in Logistik, Lieferketten, Routenplanung und Finanzen, und drittens Simulation, besonders in der Wirkstoffentwicklung von Life-Science-Unternehmen. In allen drei Bereichen entstehen bereits heute konkrete Mehrwerte durch Quantum-Inspired- und hybride Ansätze.
Stimmt es, dass du für QuTwo ausschließlich private Investoren an Bord geholt hast? Ursprünglich hatte ich mich dazu verpflichtet, die ersten Schritte des Unternehmens selbst zu finanzieren. Und ja – trotz des enormen Interesses seitens der Venture-Capital-Fonds haben wir ausschließlich Einzelpersonen an Bord geholt, also Business Angels, darunter Yuri Milner, Tom Stafford und John Lindfors von DST Global, Skype-Gründer Niklas Zennström sowie Dieter Schwarz. Darüber hinaus beteiligte sich eine breite Riege hochkarätiger Investoren und führender Unternehmer an der Finanzierungsrunde.
Wann erwartest du, dass Quanten-Computing einen Durchbruch erreicht? Ich gehe davon aus, dass es noch fünf bis zehn Jahre dauern wird, bis wir den vollständigen Quantenvorsprung erreichen – also in eine Ära mit Millionen von Qubits vorstoßen. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, herauszufinden, wie wir auf Tausende, Zehntausende, Hunderttausende und letztendlich Millionen von Qubits skalieren können.
Peter Sarlin: Vom Professor und Forscher zum Company Builder rund um KI 2011 gründete Peter Sarlin direkt nach seinem Studium PostScriptum als Founder’s Office mit dem Fokus, KI-Unternehmen aufzubauen und in sie zu investieren. Daraus gingen später Silo AI, NestAI, Foundation PS und QuTwo hervor. Silo AI, Europas größtes privates KI-Labor, wurde 2024 für 665 Millionen US-Dollar an AMD verkauft. Im vergangenen Jahr nahm NestAI 100 Millionen Euro auf, und in diesem Frühjahr sammelte QuTwo 25 Millionen Euro bei einer Bewertung von 325 Millionen Euro ein. Über PostScriptum investiert Peter Sarlin zudem in europäische KI- und Deep-Tech-Start-ups wie Lovable, ICEYE, IQM und Prior Labs.