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28. Mai 2021

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Gesellschaft

Immer mehr Deutsche setzen auf Aktien

Journalist: Armin Fuhrer

Die Pandemie hat das Interesse an-steigen lassen. Apps und Influencer wirken positiv auf  den Trend, erklärt Dr. Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut.

Dr. Gerrit Fey, Leiter des Fachbereichs  Kapitalmärkte am Deutschen Aktieninstitut; Foto: Presse

Wie entwickelt sich das Verhältnis der Deutschen zu Aktien?

Die Bevölkerung entdeckt ihre Liebe zu Aktien, Aktienfonds und ETFs neu. Allein im vergangenen Jahr sind 2,7 Millionen Aktiensparerinnen und Aktiensparer quer über alle Altersklassen dazugekommen. 12,4 Millionen Menschen haben jetzt ein Aktieninvestment. Damit beschleunigt sich ein Trend aus der jüngeren Vergangenheit. Mit einigen Aufs und Abs steigt die Zahl der Aktiensparerinnen und -sparer seit zehn Jahren. Ich bin deshalb auch optimistisch, dass viele davon dabeibleiben und Aktien, Aktienfonds und ETFs wegen ihrer langfristigen Renditevorteile bewusst ins Depot genommen haben.

Wie sieht es bei den Jüngeren aus?

Allein bei den unter 40-Jährigen zählen wir eine Million neue Aktiensparerinnen und -sparer. Das ist ein Plus von fast 50 Prozent. Smarte Apps scheinen dabei jungen Anlegerinnen und Anlegern den Einstieg in den Aktienmarkt erleichtert zu haben. Der Fondssparplan ist mit wenigen Klicks eingerichtet, Aktien sind mit ein paar Fingerbewegungen gekauft. Die Aktienanlage hat über das Smartphone die Hosentasche erreicht. Zusammen mit einer Vielzahl von Influencern und Internetforen, die das Thema Geldanlage einfach und verständlich aufbereiten, spricht dies offenbar die junge Generation an. 

Welche Rolle spielt die Pandemie?

Die Pandemie und der Lockdown haben den Aktionärs-Boom begünstigt. Den Kursrückgang nach dem Corona-Ausbruch Anfang 2020 haben viele als Chance genutzt, um in den Aktienmarkt einzusteigen. Wegen geplatzter Urlaube, geschlossener Restaurants und weniger Einkaufsbummel stand den Menschen außerdem mehr Zeit und Geld zur Verfügung. Dies haben sie auch genutzt, um sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen und Geld in Aktien, Fonds oder ETFs anzulegen.

Worauf führen sie das gestiegene Interesse zurück?

Neben dem Effekt von Corona und dem einfacheren App-Zugang wächst offenbar auch die Erkenntnis, dass sich das Aktiensparen gerade für den langfristigen Vermögensaufbau sehr gut eignet. In der Vergangenheit konnte man mit einer langfristigen und breit gestreuten Aktienanlage aus Aktien des Deutschen Aktienindex DAX Erträge von 6 bis 9 Prozent im Jahr erwirtschaften. Mit dem Sparbuch ist dies schon lange nicht mehr möglich.

Welche Tipps können Sie Einsteigern geben?

Zunächst einmal sollten sich Anlegerinnen und Anleger nicht von Geschichten blenden lassen, wie man mit Aktien schnell viel Geld macht. Am besten fährt, wer auf die bewährten Grundregeln der Aktienanlage vertraut: Langfristiges, kontinuierliches und breit gestreutes Sparen führt bei beherrschbaren Risiken zu hohen Erträgen. Das kann man zum Beispiel mit einem Sparplan auf Aktienfonds oder ETFs schon mit 25 Euro im Monat leicht realisieren. Anleger sollten außerdem nicht nur in Aktien sparen: Wer zudem über liquide Mittel aus anderen Anlageformen verfügt, kann auch ein mögliches Börsen-tief gelassen aussitzen.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.