Diesen Artikel teilen:

23. Dez 2025

|

Gesellschaft

Der Hund muss zur Familie passen – Im Interview mit Hundeprofi Martin Rütter

Journalist: Silja Ahlemeyer

|

Foto: Alex Stiebritz

Hunde unterm Weihnachtsbaum? Hundetrainer Martin Rütter erklärt, warum das keine gute Idee ist und wie Tierheime echte Chancen bieten.

Martin Rütter, was richtet es mit einem Tier an, wenn ein Welpe als Geschenk unter dem Baum landet?

Ein Tier zu Weihnachten zu verschenken, ist das Schlimmste und Blödeste, was man dem Tier antun kann. Ein Hund beispielsweise wäre damit doch völlig überfordert: Das ganze Haus ist voll von Verwandten, da steht ein Tannenbaum, bei dem er aber nicht an die Kugeln darf, überall liegt Schokolade rum. Am besten holt man sich einen Hund, wenn gerade Alltag herrscht und alles ist wie sonst auch.

Was wäre ein verantwortungsvoller Weg, Kindern den Wunsch nach einem Hund zu erfüllen, ohne gleich ein Lebewesen zu verschenken?

Grundsätzlich sollte man sich nie ein Tier kaufen, nur weil ein Kind das will. Ich finde, dass es sehr wichtig ist, noch lange bevor man einen Hund in sein Leben holt, eine Art Checkliste zu erstellen und sich zu fragen: Welcher Hund passt überhaupt zu mir und meinen Lebensumständen? Zu einem aktiven Menschen passt oft ein aktiver Hund besser als ein ruhiger. Und was auch noch ganz wichtig ist: Für einen Hund muss man Zeit haben. Und damit meine ich nicht nur die Zeit für die Pflege wie beispielsweise Kämmen oder Krallen schneiden. Ein Hund ist kein Spielzeug, das man bei Bedarf rauskramt und dann wieder wochenlang verstauben lässt. Er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, über die man sich gut informieren muss.

Im Projekt „Adoptieren statt Produzieren“ plädieren Sie dafür, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen. Warum tun sich so viele Menschen schwer damit?

Das Problem ist, dass viele Menschen Vorurteile bezüglich Hunden aus dem Tierheim haben. Oft haben die Leute Angst, einen Tierheim-Hund zu nehmen, weil sie denken, der hat auf jeden Fall eine Schraube locker. Das ist natürlich Quatsch. Dass sich ein Hund im Tierheim auch mal bellend oder aufgeregt zeigen kann, ist ja ganz klar. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hunde, die eine zweite Chance bekommen, sehr dankbar sind. Genauso glauben viele Menschen, dass man mit einem Welpen vom Züchter automatisch vor allen Problemen dieser Welt gefeit ist. Das ist Unsinn. Deswegen rate ich jedem, der über die Anschaffung eines Hundes nachdenkt, zu einem Gang ins Tierheim.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hunde, die eine zweite Chance bekommen, sehr dankbar sind.

Wie kann ich vorab einschätzen, ob ein Tierschutz-Hund in meine Familie passt?

Wie bereits gesagt, sollte man sich immer überlegen: Welcher Hund passt zu mir und meiner Familie? In jedem Tierheim arbeiten Menschen, die einem bei der Auswahl helfen. Die Mitarbeitenden kennen ihre Schützlinge gut und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Wer sich aber schon vorher informieren will, kann das in jeder qualifizierten Hundeschule machen. Hundeschulen begleiten einem auch bei der Auswahl eines Tieres.

Was entgegnen Sie Menschen, die sagen: „Ich will aber einen Welpen – und zwar in einer bestimmten Rasse und Farbe“?

Natürlich spielt das Aussehen für viele Menschen eine Rolle. Aber viel wichtiger ist, dass der Hund zu einem passt.

Wenn man nun einen „schwierigen“ Hund aus dem Tierheim aufgenommen hat – wie geht es weiter? Wie macht man diesen fit für den Alltag?

Das lässt sich pauschal nicht sagen und hängt stark von der Situation ab. Bereits während des Auswahlverfahrens hat man die Möglichkeit, sich mit den Mitarbeitenden des Tierheims auszutauschen. Die kennen die Hunde am besten und können deshalb Tipps geben. Generell kann man aber sagen, dass Geduld immer eine wichtige Rolle spielt. Natürlich kann es nicht schaden, sich von vornherein Hilfe zu holen. Am besten wendet man sich an eine seriöse Hundeschule aus der Umgebung.

Viele Tiere kommen aus dem Auslandstierschutz. Kritiker sagen, das verschärfe nur die Lage hierzulande. Wie sehen Sie das?

Wichtig ist, dass Auslandstierschutz nicht bedeutet, dort Hunde einzusammeln und nach Deutschland zu bringen. Für die Tiere, die nach Deutschland mitgenommen werden, gibt es auf jeden Fall schon Pflegestellen. Die Tierschützer wissen also schon vorher, dass der Hund nicht ins Tierheim kommt. Das ist aber nur ein Teil des Auslandstierschutzes. Durch politische Arbeit sowie Aufklärungs- und Kastrationskampagnen versuchen Tierschutzvereine die Situation vor Ort zu verbessern.

Natürlich kann es nicht schaden, sich von vornherein Hilfe zu holen. Am besten wendet man sich an eine seriöse Hundeschule aus der Umgebung.

Interessanter Fakt:

Martin Rütter stammt aus Duisburg. Obwohl er schon als Kind von Hunden fasziniert war, durfte er selbst keinen halten – seine Eltern wollten kein Tier im Haus. Erst seine Tante brachte ihn mit Hunden in Kontakt und weckte so seine Leidenschaft für die Vierbeiner.

ADOPTIEREN STATT PRODUZIEREN e. V.

Ein gemeinnütziger Tierschutzverein von und mit Hundeprofi Martin Rütter. - Ziel: Aufklärungsarbeit im nationalen und internationalen Tierschutz - Gegründet 2025 von Martin Rütter - Spendenkonto: Deutsche Bank, IBAN: DE70 7207 0024 0062 1664 00 - PayPal: [email protected] - Web: https://adoptieren-statt-produzieren.org - Insta: www.instagram.com/adoptieren.statt.produzieren/

29. Dez 2025

|

Gesellschaft

Vorsorge ab 50 – Sicherheit für Körper und Konto – Ein Beitrag von Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverbands Initiative 50Plus Europa

Mit dem Älterwerden verändert sich nicht nur der Blick auf das Leben, sondern auch die Verantwortung für die eigene Zukunft. Menschen ab 50 stehen oft mitten im Leben – beruflich erfahren, familiär gefestigt, mit einem klareren Verständnis für das, was wirklich zählt. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Vorsorge zu treffen: für die Gesundheit und für die Finanzen. **Gesundheit: Früher erkennen, besser leben** Ab 50 steigt das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Wer rechtzeitig handelt, kann Lebensqualität erhalten und Folgeerkrankungen vermeiden. Auch Impfungen, Zahnvorsorge und Krebsscreenings sind wichtige Bausteine. Prävention bedeutet nicht nur Kontrolle, sondern auch aktives Gestalten: Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit sind entscheidende Faktoren für ein vitales Altern. >Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. **Finanzen: Klarheit schafft Freiheit** Finanzielle Vorsorge ist ebenso zentral. Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer frühzeitig private Altersvorsorge betreibt – sei es durch Immobilien, Versicherungen oder Fonds – schafft sich Spielraum für die Zukunft. Auch das Thema Pflege sollte nicht verdrängt werden: Eine Pflegezusatzversicherung oder ein klarer Vorsorgeplan kann im Ernstfall Entlastung bringen. Wichtig ist, regelmäßig zu prüfen: Sind alle Unterlagen aktuell? Gibt es eine Patientenverfügung oder ein Testament? Wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Angehörige. **Warum jetzt?** Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Sie schafft Sicherheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, das Leben auch im Alter aktiv zu gestalten. ## Fazit Vorsorge ab 50 ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie bedeutet, das Leben bewusst in die Hand zu nehmen – für mehr Gesundheit, finanzielle Stabilität und innere Ruhe. Wer heute vorsorgt, lebt morgen entspannter.

23. Dez 2025

|

Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes