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29. Jan 2026

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Gesellschaft

Warum wir über Mentale Gesundheit sprechen müssen – Ein Beitrag von Gerald Schömbs, Co-Initiator & stellvertretender Vorstandsvorsitzender Freunde fürs Leben e. V.

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Foto: Benno Kraehahn

„Wer über Suizid spricht, tut es nicht.“, „Wenn ich jemanden darauf anspreche, bringe ich ihn erst auf die Idee.“, „Im Winter ist das Suizidrisiko am höchsten.“

Diese Sätze hören wir oft – und sie sind alle falsch. 80 Prozent aller Suizide werden angekündigt. Ein offenes Gespräch hilft Betroffenen, es schadet ihnen nicht. Und die meisten Suizide passieren nicht im Winter, sondern im späten Frühling, wenn das helle Außen mit der eigenen Dunkelheit schmerzhaft kollidiert. Diese Mythen sind gefährlich. Ihr Gegenteil rettet Leben.

Die Fakten sind eindeutig: Über 10.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland durch Suizid – mehr als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, AIDS und Gewalttaten zusammen. Suizid ist die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 10 und 25 Jahren. 2024 stieg die Zahl in der Altersgruppe unter 30 Jahren erneut um neun Prozent. Rund 9,5 Millionen Menschen leben mit Depressionen, die Zahl junger Betroffener wuchs in fünf Jahren um fast 30 Prozent. Diese Zahlen beschreiben keine Randerscheinung – sie beschreiben eine Realität, die wir verändern können.

Gleichzeitig wandelt sich die Art, wie wir über mentale Gesundheit sprechen. Begriffe wie Depression oder Angststörung sind allgegenwärtig; in sozialen Medien wird offen über Belastungen gesprochen. Und doch bleibt das Schweigen im entscheidenden Moment bestehen. In Schule, Studium, Ausbildung, Beruf herrscht oft die Erwartung, „zu funktionieren.“ Wer kämpft, fürchtet Stigmatisierung. Angehörige ahnen, dass etwas nicht stimmt – und wissen nicht, wie man das Gespräch beginnt. Depression ist eine Krankheit, kein persönliches Versagen. Aber solange wir sie tabuisieren, verhindern wir, dass Menschen rechtzeitig Hilfe suchen.

2024 stieg die Zahl in der Altersgruppe unter 30 Jahren erneut um neun Prozent. Rund 9,5 Millionen Menschen leben mit Depressionen, die Zahl junger Betroffener wuchs in fünf Jahren um fast 30 Prozent. Diese Zahlen beschreiben keine Randerscheinung – sie beschreiben eine Realität, die wir verändern können.

Hinzu kommt ein neues Spannungsfeld: Während psychische Themen sichtbarer werden, verschwimmen die Grenzen zwischen alltäglichen Stimmungsschwankungen und behandlungsbedürftigen Erkrankungen. Auch Kl trägt dazu bei – sie bietet Orientierung und Wissen, aber sie verstärkt zugleich die Flut an Informationen, Selbsttests und Diagnosen aus dem Netz. Was fehlt, sind klare Einordnungen und niedrigschwellige Angebote, die jungen Menschen helfen, Belastungen realistisch einzuschätzen und im Ernstfall professionelle Hilfe zu finden.

Genau hier setzt Aufklärung an. Sie muss dorthin, wo junge Menschen sind: Social Media, Podcasts, Bildungsorte. Die Kampagne „Darüber reden“ von Freunde fürs Leben e. V. zeigt, wie das gelingen kann. Sie schafft Gesprächsanlässe, die nah an der Lebenswelt sind, räumt mit Mythen auf und vermittelt Wissen so, dass es ankommt. Denn ein Gespräch kann ein Wendepunkt sein – für Betroffene, die sich zum ersten Mal mitteilen, und für Angehörige, die verstehen, wie sie helfen können.

Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der psychische Krisen nicht versteckt werden, sondern besprechbar sind. In der Betroffene schneller Unterstützung finden. In der junge Menschen lernen, ihre mentale Gesundheit ernst zu nehmen – und die der anderen auch. Dieses Magazin will Wissen teilen, Tabus brechen und Mut machen. Vor allem ist es eine Einladung: Fangen wir an, darüber zu reden.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.