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28. Jan 2026

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Gesellschaft

Neustart mit Erfahrung – mit Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach

Journalist: Frank Tetzel

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Foto: Getty Images/unsplash, Presse

Karrierecoach Bernd Slaghuis zeigt, warum ein Berufswechsel jenseits der fünfzig mit Klarheit, Neugier und Blick auf das Erreichte beginnt.

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Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach

Wer über fünfzig ist und über einen Stellenwechsel nachdenkt, begegnet immer noch demselben Reflex. Die einen warnen vor der KI, die ältere Bewerber automatisiert aussortiert, andere verweisen auf jüngere Konkurrenten, die angeblich besser, günstiger und anpassungsfähiger seien. Viele Beschäftigte in der Lebensmitte halten ihre Unzufriedenheit im Beruf lange Zeit aus, bevor sie ihre erste Bewerbung verfassen.

Bernd Slaghuis, Karrierecoach in Köln, zeichnet ein anderes Bild. In seiner Beratung sitzen häufig Menschen, die über Jahrzehnte in einem und demselben Unternehmen gearbeitet haben und nun vor der Frage stehen, ob es das gewesen ist. Seine erste Beobachtung lautet, dass deren berufliche Biografie deutlich reichhaltiger ist, als sie selbst annehmen.

Slaghuis beginnt daher selten mit dem Hinweis auf fehlende Weiterbildungen. Für ihn steht zunächst eine gründliche Rückschau auf den Berufsweg an. Welche Aufgaben waren prägend? Welche Krisen hat man überstanden? Welche Projekte hat man wesentlich mitgetragen? Welche Chefs und Strategiewechsel sind gekommen und gegangen? Aus dieser Betrachtung ergibt sich ein Muster von Fähigkeiten, das vielen erst im Gespräch bewusst wird.

Weiterbildung kann sinnvoll sein, etwa um digitale Lücken zu schließen oder fachliche Themen zu vertiefen.

Souveränität ist gefragt Was für den Betroffenen nach bloßer Routine aussieht, bildet in Wahrheit den Kern seines Profils. Souveräner Umgang mit Konflikten, Erfahrung in der Führung, Gespür für kritische Situationen im Projektablauf, Verlässlichkeit im Kundenkontakt. Slaghuis rät dazu, diese Punkte nicht als Selbstverständlichkeit zu verbuchen, sondern sie klar zu benennen und in der Bewerbung sichtbar zu machen. Damit ist ein Irrtum angesprochen, den der Coach immer wieder beobachtet. Viele glauben, ein ernstzunehmender Neuanfang setze zwingend zusätzliche Zertifikate voraus. Weiterbildung kann sinnvoll sein, etwa um digitale Lücken zu schließen oder fachliche Themen zu vertiefen. Sie ersetzt jedoch keine klare Haltung zur eigenen beruflichen Geschichte. Häufig liegt die eigentliche Lösung bereits im vorhandenen Lebenslauf und im über die Jahre erworbenen Erfahrungswissen.

Die Frage der Verantwortung Bewerbern jenseits der fünfzig rät Slaghuis vor allem zweierlei. Erstens, ehrlich: eigene Klarheit darüber schaffen, wie die nächsten Berufsjahre aussehen sollen. Dazu gehören Vorstellungen von Arbeitszeit, Verantwortung, Führungskultur und persönlicher Entwicklung. Zweitens, eine Form der Selbstdarstellung, die das eigene Alter nicht kaschiert, sondern sachlich erklärt, welche Vorteile mit der langen Erfahrung verbunden sind.

Daraus ergeben sich Chancen, die häufig unterschätzt werden. Ältere Beschäftigte können Aufgaben übernehmen, bei denen Übersicht und gelassene Urteilsfähigkeit wichtiger sind als maximale Geschwindigkeit. Beratung, Schnittstellenfunktionen, der Aufbau und die Pflege tragfähiger Kundenbeziehungen sowie die Rolle als Sparringspartner für Führungskräfte oder als Mentor für jüngere Kollegen sind Bereiche, in denen ein langer Berufsweg zur Stärke wird.

Mut zur Veränderung bedeutet vor diesem Hintergrund nicht, alles Bisherige hinter sich zu lassen. Er bedeutet vielmehr, den eigenen Weg zu ordnen, ihn in eine nachvollziehbare Geschichte zu bringen und gezielt nach Arbeitgebern zu suchen, die diese Form von Erfahrung wertschätzen. Wer den Blick für die eigenen Werte und Stärken sowie den bunten Blumenstrauß an Erfahrung schärft, verschafft sich eine andere Ausgangsposition als jede spontane Fortbildung je könnte.

Mut zur Veränderung bedeutet vor diesem Hintergrund nicht, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

FACTBOX:

Neuausrichtung über fünfzig beginnt mit einer ehrlichen Bilanz des Berufslebens. Weiterbildung kann hilfreich sein, ersetzt aber keine klare Erzählung des eigenen Weges. Chancen entstehen in Rollen mit Verantwortung, Überblick, Kundenkontakt und Mentorenfunktion.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.

29. Dez 2025

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Gesellschaft

Vorsorge ab 50 – Sicherheit für Körper und Konto – Ein Beitrag von Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverbands Initiative 50Plus Europa

Mit dem Älterwerden verändert sich nicht nur der Blick auf das Leben, sondern auch die Verantwortung für die eigene Zukunft. Menschen ab 50 stehen oft mitten im Leben – beruflich erfahren, familiär gefestigt, mit einem klareren Verständnis für das, was wirklich zählt. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Vorsorge zu treffen: für die Gesundheit und für die Finanzen. **Gesundheit: Früher erkennen, besser leben** Ab 50 steigt das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Wer rechtzeitig handelt, kann Lebensqualität erhalten und Folgeerkrankungen vermeiden. Auch Impfungen, Zahnvorsorge und Krebsscreenings sind wichtige Bausteine. Prävention bedeutet nicht nur Kontrolle, sondern auch aktives Gestalten: Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit sind entscheidende Faktoren für ein vitales Altern. >Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. **Finanzen: Klarheit schafft Freiheit** Finanzielle Vorsorge ist ebenso zentral. Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer frühzeitig private Altersvorsorge betreibt – sei es durch Immobilien, Versicherungen oder Fonds – schafft sich Spielraum für die Zukunft. Auch das Thema Pflege sollte nicht verdrängt werden: Eine Pflegezusatzversicherung oder ein klarer Vorsorgeplan kann im Ernstfall Entlastung bringen. Wichtig ist, regelmäßig zu prüfen: Sind alle Unterlagen aktuell? Gibt es eine Patientenverfügung oder ein Testament? Wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Angehörige. **Warum jetzt?** Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Sie schafft Sicherheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, das Leben auch im Alter aktiv zu gestalten. ## Fazit Vorsorge ab 50 ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie bedeutet, das Leben bewusst in die Hand zu nehmen – für mehr Gesundheit, finanzielle Stabilität und innere Ruhe. Wer heute vorsorgt, lebt morgen entspannter.