Diesen Artikel teilen:

29. Jan 2026

|

Gesundheit

Ästhetisch-Plastische Chirurgie – natürliche Nachhaltigkeit – Ein Beitrag von Dr. med. Michaela Montanari, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie & Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Bochum

|

Foto: Presse

Schönheit wird heute anders definiert als noch vor wenigen Jahren. Statt Perfektion rücken Gesundheit, Natürlichkeit und Authentizität in den Mittelpunkt. Viele Patienten wünschen sich ein frisches, vitales Aussehen – im Einklang mit ihrem Lebensstil und ihrem Körper. „Longevity“, also gesund altern und damit auch gesund aussehen, hat sich zu einem zentralen Anliegen entwickelt. Der Fokus liegt auf nachhaltigen Ergebnissen, die das eigene Wohlbefinden stärken und die persönliche Identität respektieren sowie auch funktionelle Bereiche unseres Körpers optimieren bzw. wiederherstellen.

Die moderne Ästhetisch-Plastische Chirurgie begleitet diesen Wandel. Sie bietet evidenzbasierte Konzepte, die auf langfristige Qualität setzen. Harmonische Veränderungen, eine verbesserte Hautgesundheit und die Wiederherstellung natürlich gewachsener Konturen stehen heute weit vor kurzfristigen Effekten. Hierbei kommen nicht nur innovative Technologien zum Einsatz, sondern auch der Bereich der Biostimulation findet immer mehr Anklang. Der Wunsch nach altersgerechter Attraktivität, ohne seinen eigenen Typ dabei zu verlassen, steht mehr denn je im Mittelpunkt. Auch ein Grund, warum gerade chirurgische Maßnahmen, wie Facelifts, eine Renaissance erleben.

Dennoch gibt es auch immer eine Kehrseite der Medaille: Im Wachstumsmarkt der Ästhetischen Medizin drängen sich den Patienten immer mehr Anbieter ohne abgeschlossene Facharztausbildung auf. Kreative Eigenbezeichnungen wie „Beauty Doc“ oder „Schönheitschirurg“ suggerieren Kompetenz, ohne dass eine formal geregelte Qualifikation vorliegt. Für Patienten ist es schwer zu unterscheiden, wer qualifiziert ist und wer nicht – mitunter mit gravierenden Konsequenzen: Komplikationen, unzureichende Ergebnisse und Korrektureingriffe, die dann erfahrene Fachärzte übernehmen müssen.

Die DGÄPC-Statistik 2025 zeigt deutlich: Besonders jüngere Patienten sind unsicher. Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen kann den Unterschied zwischen einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und einem nicht regulierten Anbieter nicht sicher einschätzen. Aufklärung bleibt daher ein essenzieller Bestandteil unserer Arbeit als Fachgesellschaft.

Kurzlebiger, stark bearbeiteter Content erschafft unrealistische Schönheitsideale. Filter, KI-Bearbeitung und sichtbare Überbehandlungen sind vielerorts normalisiert. Die psychologische Wirkung auf junge Menschen ist erheblich – der Wunsch nach Veränderung wird in diesem Umfeld verstärkt wie nie zuvor.

Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Einflussfaktor, der stetig an Dynamik gewinnt: soziale Medien. Kurzlebiger, stark bearbeiteter Content erschafft unrealistische Schönheitsideale. Filter, KI-Bearbeitung und sichtbare Überbehandlungen sind vielerorts normalisiert. Die psychologische Wirkung auf junge Menschen ist erheblich – der Wunsch nach Veränderung wird in diesem Umfeld verstärkt wie nie zuvor. Es braucht aus unserer Sicht daher einen klaren Schutzrahmen für vulnerable Zielgruppen. Transparenz über digitale Bildbearbeitung und angewandte Techniken sollte verpflichtend sein, um Vergleiche mit künstlich-optimierten Vorbildern zu vermeiden. Ziel ist es, den Blick für attraktive Natürlichkeit zu stärken und ein gesundes Selbstwertgefühl zu ermöglichen – mit oder ohne individuelle Besonderheiten.

Die DGÄPC setzt sich zudem aktiv für eine qualitätsorientierte Weiterentwicklung unseres Fachgebietes ein. Dazu gehört unter anderem auch die Forderung nach einem verbindlichen Facharztvorbehalt in der ästhetischen Behandlung, wie es ihn z. B. in Frankreich und Österreich bereits gibt. Nur so lassen sich Patientensicherheit, fachliche Standards und verantwortungsvolle Ergebnisse nachhaltig garantieren. Denn Ästhetisch-Plastische Chirurgie bedeutet Verantwortung – für Gesundheit, für Natürlichkeit und für die Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken.

11. Jun 2026

|

Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.