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29. Jan 2026

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Gesundheit

Nährstoffbomben aus Nah und Fern

Journalist: Silja Ahlemeyer

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Foto: Monika Grabkowska/unsplash

Chiasamen, Açaí-Beeren oder Avocados sind beliebte „Superfoods“. Dabei liefern ihre heimischen Pendants vergleichbare Nährstoffe. Diese können aber oft nicht mit dem Image der Exoten mithalten.

Ballaststoffhaltige Chiasamen aus Mittelamerika, energiereiche Avocados aus Afrika, zellschützende Açaí-Beeren aus dem Amazonasgebiet: Sogenannte Superfoods sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Bezeichnung steht für Lebensmittel, die eine hohe Dichte an Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen oder auch Proteinen aufweisen. Doch der Begriff ist nicht rechtlich definiert, sondern stammt ursprünglich aus der Feder findiger Lebensmittelvermarkter. Dass die exotischen Nährstoffbomben zu einem gesunden Lebensstil beitragen können, ist nicht falsch. Doch gute Ernährung gelingt auch mit heimischen Produkten.

Die ballaststoffreichen Chiasamen beispielsweise, die aus Mittelamerika nach Deutschland importiert werden, sind die Stars in der modernen Superfood-Küche. Der Markt für Chiasamen in Deutschland hatte laut dem Marktforschungsunternehmen Grand View Research 2023 den größten Umsatzanteil in Europa. Die regionalen Pendants, Leinsamen, scheinen weniger attraktiv zu sein. Branchenreports schätzen den Wert des deutschen Leinsamenmarkts auf etwa 51 Mio. USD im Jahr 2024. Obwohl beide Samen ähnliche Nährstoffe liefern, entscheidet oft nicht die ernährungsphysiologische Zusammensetzung, sondern die Erzählung dahinter über die Beliebtheit der Produkte bei den Verbrauchern. Was exotisch ist, verspricht mehr – zumindest gefühlt.

Dass die exotischen Nährstoffbomben zu einem gesunden Lebensstil beitragen können, ist nicht falsch. Doch gute Ernährung gelingt auch mit heimischen Produkten.

Auch die asiatischen Goji-Beeren erzählen von fernöstlicher Heilkunst und jahrtausendealter Weisheit. Die ähnlich nährstoffreichen, heimischen Schwarzen Johannisbeeren dagegen sind Teil vieler Kindheitserinnerungen, im Garten gepflückt und oft zu Marmelade eingekocht. Gerade diese Vertrautheit scheint ihren Reiz zu schmälern. Was alltäglich ist, wird seltener als besonders wahrgenommen. Ähnlich verhält es sich mit der Avocado, die reich an gesunden, ungesättigten Fettsäuren ist. Nach Angaben der World Avocado Organisation (WAO) steigerte Deutschland seinen Konsum von 110.000 Tonnen im Jahr 2023 auf 120.000 Tonnen im Jahr 2024. Die Frucht steht für Weltoffenheit und globale Esskultur. Die heimische Walnuss bleibt im Schatten dieses Images, obwohl sie mit ihren Inhaltsstoffen vergleichbar und ebenfalls sehr reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist.

Doch nicht alles Exotisch-Gesunde fällt automatisch unter den Begriff Superfoods. Quallen etwa, ein möglicherweise neu aufkommender Ernährungstrend, sind ein Grenzfall. „Es gibt weltweit etwa 30 Quallenarten, die für den Verzehr geeignet sind“, informiert Manon Struck-Pacyna vom Lebensmittelverband Deutschland. Die Lebewesen aus dem Meer bestehen zu rund 95 Prozent aus Wasser, 100 Gramm enthalten je nach Art durchschnittlich vier Gramm Kohlenhydrate und vier Gramm Eiweiß bei nur zehn Kilokalorien. „Quallen als Superfood zu bezeichnen, ist allerdings insofern schwierig, als dass sie ein Novel Food sind und noch keine Zulassung in Europa haben“, so Struck-Pacyna.

Factbox:

Novel Foods sind rechtlich definiert in der Verordnung über neuartige Lebensmittel. Es handelt sich dabei um Lebensmittel, die vor 1997 noch nicht in Europa verzehrt wurden und bestimmten Kategorien zugeordnet werden können, etwa solche mit neuer oder gezielt veränderter Molekularstruktur, aus Zell- oder Gewebekulturen, oder Lebensmittel, die durch ein neuartiges, nicht übliches Verfahren hergestellt wurden.

24. Sep 2026

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Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.