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29. Jan 2026

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Gesundheit

Erste Hilfe für die Seele – mit Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Psychiater & Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Towfiqu Barbhuiya/unsplash, Katrin Lorenz

Prof. Ulrich Hegerl ist Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention in Deutschland. Der Psychiater weiß, warum Wartezeiten gefährlich sind und welche Hilfe wirklich wirkt.

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Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Psychiater & Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Wie beurteilen Sie die Versorgungslage? Inakzeptabel ist, dass Menschen mit schweren Depressionen oder Suizidgedanken oft wochenlang auf einen Facharzttermin warten müssen. Dabei ist Depression keine verstärkte Traurigkeit, sondern eine eigenständige, oft lebensbedrohliche, körperliche Erkrankung: Betroffene verlieren im Schnitt rund zehn Lebensjahre. Sie ist schwerer als Diabetes oder viele andere Erkrankungen.

Woran erkennen Betroffene und Angehörige eine Depression? Typisch ist das „Gefühl der Gefühllosigkeit“: Die Betroffenen können keine Gefühle mehr wahrnehmen, auch keine negativen wie Trauer. Sie sind innerlich wie versteinert. Weiter sprechen verstärkte Schuldgefühle für eine depressive Erkrankung, auch Tagesschwankungen mit besonders tiefer Depression am Morgen (Morgentief), oder frühere, ähnlich verlaufene Episoden. Häufig sind auch Angehörige erkrankt; die Veranlagung spielt eine große Rolle. Das alles unterscheidet Depression von einer nachvollziehbaren Reaktion auf die Bitternisse des Lebens.

Haben wir zu wenig Psychotherapie? Wenn wir die Versorgungsengpässe für depressiv Erkrankte verringern wollen, dann bräuchten wir vor allem mehr Psychiater. Dieser kann 800 oder mehr psychisch Erkrankte im Jahr behandeln, ein Psychologischer Psychotherapeut mit Einzelbehandlungen vielleicht 50. Deutschland hat im internationalen Vergleich übrigens viele Psychologische Psychotherapeuten. Die Kunst ist, diese Psychotherapieangebote so zu steuern, dass die Behandlungen noch gezielter denen zugutekommen, die sie am dringendsten benötigen.

Betroffene verlieren im Schnitt rund zehn Lebensjahre. Sie ist schwerer als Diabetes oder viele andere Erkrankungen.

Wie wählen Ärzte zwischen Psychotherapie und Antidepressiva? Bei leichten Depressionen empfehlen Leitlinien zunächst unterstützendes Abwarten oder das Angebot digitaler psychotherapie-artiger Programme. Wir bieten das kostenfreie iFightDepression-Tool an. Der Zugang erfolgt über Ärzte oder Psychotherapeuten, die die Nutzer begleiten. Bessert sich bei leichten Depressionen der Zustand in zwei bis drei Wochen nicht oder liegt eine schwerere Depression vor, dann soll eine Behandlung mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie begonnen werden. In Metaanalysen zeigen Antidepressiva übrigens eine etwas bessere antidepressive Wirksamkeit als Psychotherapie.

Viele Menschen haben Angst vor Antidepressiva. Häufig ist die Sorge da vor Abhängigkeit – oder, dass die Persönlichkeit verändert wird. Beides ist unbegründet. Ein wichtiger Grund für die zunächst ablehnende Haltung ist auch, dass Depressionen nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Reaktion auf schwierige Lebensumstände aufgefasst werden. Bei diesem falschen Krankheitsverständnis erscheinen Antidepressiva nicht zielführend. Auch, wenn etwas Geduld nötig ist, für die meisten Betroffenen findet man ein Antidepressivum, das wirkt und verträglich ist. Antidepressiva bringen nicht nur depressive Krankheitsphasen zum Abklingen, sondern reduzieren auch das Rückfallrisiko um etwa 70 Prozent. Wer Antidepressiva grundsätzlich ablehnt, verzichtet auf eine der beiden zentralen, evidenzbasierten Behandlungssäulen.

Welche Rolle spielen digitale Programme und KI in der Therapie? Digitale Programme können eine wertvolle Ergänzung sein, wenn sie in eine leitliniengerechte Behandlung eingebettet sind. Es gibt Digitale Gesundheitsanwendungen, die von Ärzten oder Psychologischen Psychotherapeuten wie Medikamente verschrieben werden können. Solche Angebote können beim Hausarzt die Pharmakotherapie ergänzen oder Wartezeiten überbrücken. Sorgen bereitet die wachsende Nutzung von ChatGPT, Grok und anderer KI-Programme als Psycho-Coach. Die Vor- und Nachteile dieser rasanten Entwicklung ist ein Forschungsschwerpunkt unseres Forschungszentrums.

Digitale Programme können eine wertvolle Ergänzung sein, wenn sie in eine leitliniengerechte Behandlung eingebettet sind.

24. Sep 2026

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Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.