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29. Jan 2026

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Gesundheit

Lang lebe die Selbstwirksamkeit – mit Michael Altewischer, Vorsitzender Deutsche Longevity Gesellschaft e. V. (DLGeV)

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Getty Images/unsplash, Presse

Longevity-Experte Michael Altewischer über Biomarker, Autophagie und Kryotherapie. Und warum Spieleabende auch als Relaxation durchgehen.

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Michael Altewischer, Vorsitzender Deutsche Longevity Gesellschaft e. V. (DLGeV)

Was sagt das Biologisches Alter aus und verraten Sie Ihres? Das biologische Alter beschreibt, wie belastbar und funktional der Körper im Vergleich zu statistischen Altersnormen ist. Es ist kein fest definierter Wert, sondern ein Modell, das auf verschiedenen medizinischen, funktionellen und molekularen Messgrößen basiert. Dazu zählen die Themen Kraft, Ausdauer und, ganz wichtig, soziale Kontakte. Je nach Lebensstil und äußeren Einflüssen kann es sich vom chronologischen Alter deutlich unterscheiden. Mein derzeitiges biologisches Alter ist 57, obwohl ich schon 64 mal Geburtstag hatte.

Welche Rolle spielen Biomarker bei der Ermittlung des biologischen Alters? Für die Ermittlung des biologischen Alters werden verschiedene sogenannte Biomarker, analysiert. Dazu zählen, unter anderem, Blutdruck, Herz-Kreislauf-Fitness, Cholesterin, Leberwerte sowie Nieren- und Lungenfunktion. Aber auch Entzündungsmarker, epigenetische Muster und die Länge der Telomere gehören dazu. Telomere sind die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen und verhindern den Verlust wichtiger genetischer Informationen bei Zellteilungen. Wichtig ist: Erst die Gesamtschau mehrerer Marker, nicht ein einzelner Wert, ergibt eine sinnvolle Einschätzung über das biologische Alter eines Menschen.

Kann Kryotherapie helfen, das biologische Alter zu senken? Kälteanwendungen gehören zu den sogenannten hormetischen Reizen, also moderaten Stressfaktoren, die Anpassungsprozesse im Körper auslösen können. In der Sportmedizin ist gut belegt, dass Ganzkörperkälte die Regeneration unterstützen und Entzündungsprozesse positiv beeinflussen kann, insbesondere bei Leistungssportlern. Für den allgemeinen Zusammenhang mit biologischem Altern gilt jedoch: Kryotherapie ist kein belegtes Instrument zur direkten „Verjüngung“. Kann aber, verantwortungsvoll und individuell eingesetzt, regenerative Prozesse unterstützen.

Erst die Gesamtschau mehrerer Marker, nicht ein einzelner Wert, ergibt eine sinnvolle Einschätzung über das biologische Alter eines Menschen.

Worauf muss Otto Normalverbraucher dabei achten? Grundsätzlich gilt: Kälte ist kein Wellness-Spielzeug. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder bestimmten Vorerkrankungen sollten vorab ärztlich Rücksprache halten. Seriöse Anbieter erfassen zumindest Basisparameter wie Gewicht, Körperzusammensetzung und gesundheitliche Vorgeschichte. Kurze, kontrollierte Anwendungen sind sinnvoller als extreme Reize. Mehr ist hier nicht automatisch besser.

Welche Stellschrauben sind für eine lange Healthspan besonders relevant? Es gibt diverse Stellschrauben, die nicht erst durch die Longevity-Bewegung „erfunden“ wurden: Ernährung, Bewegung, Relaxation, Schlaf und psychisches Wohlbefinden. Der Vorteil: Für nahezu jede Lebenssituation gibt es passende Ansätze. Alle Maßnahmen können nur nachhaltig wirksam sein, wenn sie ohne großen Frust in den Alltag integriert werden. Ein zentrales Prinzip ist die Hormesis: Moderate Belastungen wie Bewegung, zeitlich begrenztes Essen, Sauna oder Kälte können Anpassungsmechanismen stärken. Voraussetzung, sie sind gut dosiert und individuell verträglich.

Welche Wirkung hat Fasten denn, außer Gewichtsreduktion? Zeitweise reduzierte Nährstoffverfügbarkeit, ebenso wie Bewegung oder andere moderate Stressreize, kann einen zellulären Recyclingprozess aktivieren, die sogenannte Autophagie. Dieser Mechanismus unterstützt die Zellregeneration und gilt als wichtiger Prozess für gesundes Altern. Fasten ist kein Allheilmittel, kann aber, richtig angewendet und ärztlich begleitet, Teil eines gesundheitsfördernden Lebensstils sein. Ausreichender, erholsamer Schlaf ist ebenfalls wichtig für Regenerationsprozesse, einschließlich der Autophagie.

Chronischer Stress beschleunigt Alterungsprozesse, unter anderem über Entzündungsmechanismen. Entspannung ist daher kein Luxus, sondern eine biologische Notwendigkeit.

Wie wichtig ist Relaxation in diesem Zusammenhang? Chronischer Stress beschleunigt Alterungsprozesse, unter anderem über Entzündungsmechanismen. Entspannung ist daher kein Luxus, sondern eine biologische Notwendigkeit. Dabei geht es nicht um starre Methoden. Meditation, Yoga, Achtsamkeit und gezielte Pausen reduzieren Stress und unterstützen die Autophagie. Relaxation ist wichtig, muss aber auch Spaß machen und praktikabel sein. Wer mit Progressiver Muskelentspannung überhaupt nichts anfangen kann, für den sind auch entspannte Radtouren, Spieleabende mit Freunden oder Spielen mit Kindern und Enkel prima. Entscheidend ist, dass Erholung emotional wirksam und regelmäßig ist.

Was haben die wenigsten Longevity-Anhänger auf dem Schirm? Die Mundgesundheit. Chronische Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis gelten als relevanter Risikofaktor für systemische Entzündungen und stehen in Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson. Eine konsequente Zahnhygiene und regelmäßige, über die reine professionelle Zahnreinigung hinausgehende Parodontalbehandlung sind daher wichtige Bausteine präventiver Gesundheit.

Fakten:

Genetische Faktoren beeinflussen die Gesundheit nur um 20 Prozent, der Rest wird durch Umwelteinflüsse und Lebensstil beeinflusst. Die Epigenetik beschreibt, wie diese die Aktivität unserer Gene regulieren, ohne die DNA selbst zu verändern. Sie bestimmt sozusagen, welche Gene ein- oder ausgeschaltet werden.

24. Sep 2026

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Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.