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29. Jan 2026

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Gesundheit

Gesundheit beginnt mit einer Pause

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Andrej Lišakov

Erholung ist kein Luxus. Sie ist Wartung für Körper und Kopf. Wer sie auslässt, merkt das oft erst, wenn nichts mehr geht.

Regeneration ist in Deutschland längst ein messbares Thema. Die Techniker Krankenkasse meldete für 2024 im Schnitt 19,1 Krankheitstage je versicherter Erwerbsperson und einen Krankenstand von 5,23 Prozent. Das sind keine abstrakten Kennziffern. Dahinter stehen Menschen, die sich durch Tage schieben, obwohl der Akku längst rot blinkt.

Der Körper kennt im Grunde zwei Programme: Alarm und Aufbau. Stress schaltet auf Alarm. Puls und Blutdruck steigen, die Atmung wird flacher, Muskeln spannen an. Für kurze Sprints ist das genial. Für Wochen mit Meetings, Mails und Dauerlärm ist es teuer. In Ruhe kippt das System zurück. Die Muskelspannung lässt nach, die Atmung wird ruhiger, Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Dann investiert der Körper wieder: in Reparatur, Immunarbeit, in innere Ordnung. Genau deshalb fühlen sich zehn ruhige Minuten manchmal so an, als hätte jemand das Licht wieder richtig eingestellt.

Krankenkassen und Arbeitsmediziner sehen, wie oft diese Rückkehr ausfällt. Pausen werden geschoben, gestrichen, durch „nur noch schnell“ ersetzt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat das gezählt: Bei 31 Prozent der abhängig Beschäftigten fallen Ruhepausen häufig aus, in Gesundheitsberufen erlebt das fast jede zweite Person, 49 Prozent. Der Kalender ist voll, der Kopf erst recht. Wer dann abends kurz angebunden wirkt, ist nicht unbedingt unfreundlich. Häufig ist er schlicht leer.

Besonders deutlich wird es bei psychischen Erkrankungen. Sie sind nicht immer die häufigsten Diagnosen, aber sie sind oft die längsten. Das Wissenschaftliche Institut der AOK berichtet für 2024 eine durchschnittliche Falldauer von 28,5 Tagen je Fall bei psychischen Erkrankungen. Vier Wochen sind ein ganzes kleines Leben: Termine platzen, Projekte warten, Familien improvisieren. Und für Betroffene ist es oft ein Schock, wie schnell „ich zieh das durch“ in „ich kann nicht“ kippt.

Bei 31 Prozent der abhängig Beschäftigten fallen Ruhepausen häufig aus, in Gesundheitsberufen erlebt das fast jede zweite Person, 49 Prozent.

Schlaf ist die konsequenteste Form der Regeneration. Er ist ein biologischer Pflichttermin, kein nettes Extra. In der Nacht sortiert das Gehirn Eindrücke, stabilisiert Erinnerungen und dämpft Stressreaktionen. Der Körper reguliert Entzündungen, repariert Gewebe und schaltet in einen Modus, den man tagsüber nicht nachholen kann. Das Statistische Bundesamt ermittelte für 2022 eine durchschnittliche Schlafdauer von 8 Stunden und 37 Minuten pro Tag. Das klingt beruhigend. Gleichzeitig zeigte eine RKI-Auswertung auf Basis der Studie 2008 bis 2011, dass rund ein Drittel der Erwachsenen potenziell klinisch relevante Ein- oder Durchschlafstörungen berichtete. Man kann also lange im Bett liegen und trotzdem nicht auftanken. Länge ersetzt keine Tiefe. Wer abends nicht runterkommt, schläft oft am Körper vorbei.

Was hilft, ohne das Leben neu zu erfinden? Erstens: Bewegung, aber ohne Sport-Pathos. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche. Das ist weniger „Training“ als Grundpflege. Ein zügiger Spaziergang zählt, Radfahren ebenso. Wer regelmäßig moderat aktiv ist, schläft häufig tiefer und fühlt sich tagsüber stabiler. Zweitens: Pausen, die wirklich Pausen sind. Fünf Minuten ohne Bildschirm sind keine Schwäche, sondern ein Reset. Wer dabei bewusst langsam atmet, merkt oft erst dann, wie viel Spannung sich tagsüber ansammelt.

Drittens: Umgebung. Unser Nervensystem ist empfindlich für Luft, Licht und Geräusche. Besonders gut beruhigt es sich dort, wo der Wind kühl ist und die Luft einen Hauch Salz trägt. An Küsten spricht man von einem klimatischen Trainingsreiz: Der Körper wird sanft gefordert, ohne überfordert zu werden. Viele Rehabilitationskliniken nutzen diese Mischung aus Klima, Bewegung und Ruhe, weil sie im Alltag der Medizin funktioniert. Der Effekt ist oft so schlicht, dass man ihn unterschätzt: Man atmet tiefer, der Brustkorb wird weiter, der Kopf bekommt Platz.

Erholung ist am Ende eine Entscheidung gegen die Illusion, dass Menschen Maschinen sind. Sie brauchen Pausen. Wer sie einplant, wird nicht fauler, sondern verlässlicher.

Praktisch heißt das: Draußen wird der Kopf leiser, weil nicht jeder Reiz etwas von uns will. Am Meer kommt noch etwas hinzu. Der Wind trägt fein zerstäubte Salze, die sich in den oberen Atemwegen absetzen können. Viele berichten, dass sie freier atmen und besser schlafen. Das ist nicht Magie, sondern Milieu: Luftfeuchte, Temperatur, Wind und Salz wirken zusammen und helfen dem Körper, von Alarm auf Aufbau zu schalten. Und ohne großen Plan.

Viertens: soziale Entlastung. Erholung passiert nicht nur allein im Liegestuhl. Sie passiert auch, wenn man nicht performen muss. Ein Abendessen ohne Handy auf dem Tisch. Ein Gespräch, das nicht nach drei Minuten in eine To-do-Liste kippt. Zehn Minuten Stille nebeneinander, ohne dass es peinlich wird. Das klingt banal, ist aber für viele das Schwerste: nichts erklären, nichts optimieren, einfach da sein. Und ja, manchmal gehört auch Langeweile dazu. Sie ist der Wartesaal, in dem neue Ideen wieder auftauchen.

Erholung ist am Ende eine Entscheidung gegen die Illusion, dass Menschen Maschinen sind. Sie brauchen Pausen. Wer sie einplant, wird nicht fauler, sondern verlässlicher. Und manchmal ist das Gesündeste, was man tun kann, schlicht: heute früher Schluss, morgen besser weiter. Die Pause ist nicht das Ende des Tages. Sie ist sein Reparaturfenster – am besten mit Blick aufs Meer.

24. Sep 2026

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Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.