24. Sep 2026
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Business
Journalist: Thomas Soltau
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Foto: Mohamed Nohassi/unsplash+
Bisher konnte KI vor allem antworten. Agentic AI soll nun selbstständig Aufgaben erledigen. Das eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten – und wirft ganz nebenbei neue Fragen auf.
Die KI bekommt einen Auftrag. Und dann? Im Idealfall erst einmal keinen weiteren. Sie zerlegt die Aufgabe in einzelne Schritte, sucht Informationen, entscheidet über den nächsten Schritt und nutzt dafür Software oder andere digitale Werkzeuge. Am Ende steht nicht bloß eine hübsch formulierte Antwort, sondern ein Ergebnis. Willkommen bei Agentic AI. Der Unterschied zur bisher bekannten generativen KI ist erheblich. Ein Chatbot reagiert im Wesentlichen auf einen Prompt. KI-Agenten sollen dagegen Ziele verfolgen und innerhalb gesetzter Grenzen eigenständig handeln. Mehrere spezialisierte Agenten können dabei sogar zusammenarbeiten. Forscher der Universität Kassel grenzen Agentic AI von klassischen autonomen Agenten und Multi-Agenten-Systemen ab.
Aus Antworten werden zunehmend Aktionen.
Warum das Thema gerade jetzt Fahrt aufnimmt, zeigt der Stanford AI Index 2026. Auf OSWorld, einem Benchmark für reale Computeraufgaben, verbesserten sich KI-Agenten innerhalb eines Jahres von rund 12 auf 66,3 Prozent Erfolgsquote. Noch scheitern sie damit ungefähr bei jedem dritten Versuch. Die Richtung lässt sich trotzdem erkennen: Aus Antworten werden zunehmend Aktionen. Für Unternehmen könnte genau darin der nächste Produktivitätsschub liegen. Ein Agent kann beispielsweise Informationen aus verschiedenen Systemen zusammentragen, Termine koordinieren, Dokumente vorbereiten oder standardisierte Prozessschritte anstoßen. Statt für jeden Handgriff einen neuen Prompt zu benötigen, arbeitet das System eine Aufgabe weitgehend selbstständig ab. Aus dem digitalen Gesprächspartner wird damit eher ein digitaler Kollege. Einer allerdings, dem man vorerst besser noch auf die Finger schaut.
Denn Autonomie hat selbstverständlich ihren Preis. Wer darf entscheiden, welche Systeme ein Agent nutzt? Welche Daten darf er sehen? Wer trägt die Verantwortung, wenn er einen falschen Schritt macht? Dass diese Fragen keineswegs akademisch sind, zeigt ebenfalls die Universität Stanford: 2025 wurden weltweit 362 dokumentierte KI-Vorfälle registriert, nach 233 im Vorjahr. Agentic AI dürfte deshalb weniger die Kunst sein, Maschinen einfach machen zu lassen, als genau festzulegen, was sie machen dürfen. Der technische Sprung ist dennoch beachtlich. KI beantwortet nicht mehr nur die Frage „Was soll ich tun?“. Sie beginnt, es tatsächlich zu tun. Und manchmal ist genau das der Moment, in dem aus einem Werkzeug ein ziemlich interessanter Mitarbeiter wird.
Agentic AI dürfte deshalb weniger die Kunst sein, Maschinen einfach machen zu lassen, als genau festzulegen, was sie machen dürfen.