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30. Dez 2019

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Gesellschaft

Neuigkeiten aus der Branche: Aus- und Weiterbildung

Journalist: Kirsten Schwieger

Abwechslungsreicher Studienabschluss

Wie sind die Karrierechancen von UE-Absolventen?

Sehr gut. Da die Professoren hier wirklich Praxiseindrücke eins zu eins vermitteln können, verlassen Absolventen die Hochschule mit sofort anwendbarem praktischem Wissen. Ich arbeite heute bei SAP in London als Head of New Business Development. 

Was haben Sie aus dem Studium konkret mitgenommen?

Neben wirtschaftlichen Grundkenntnissen lernt man, wie die Kommunikations- und Medienbranche funktioniert und vor allem, wie man Medien und Unternehmen durch den digitalen Wandel begleiten kann.

Woran denken Sie am liebsten zurück?

Man wird wie eine kleine Familie. Und die Professoren gehören dazu, das ist das Schöne.

Was hat Sie in der Zeit am meisten geprägt?

Mein Auslandssemester in Südafrika, welches in späteren Bewerbungsgesprächen auch immer wieder der Aufhänger war. Neben dem Studium hatten wir dort auch die Möglichkeit in unterschiedlichen Ressorts und Vereinen zu arbeiten. Ich war beispielsweise im Surfclub und hatte zudem auch die Chance in einem Township Schulkinder zu unterrichten.

Ihr Rat an UE-Studienanfänger?

Sich wirklich zu überlegen, wohin die Reise gehen soll. Insbesondere, ob man eher auf eine Experten- oder Generalistenschiene möchte.

Möglichkeiten der Studienfinanzierung 

Foto: unsplash

Meist „fließt“ das Geld fürs Studium aus mehreren Quellen. So sind Eltern gesetzlich verpflichtet, während eines Erst-Studiums Unterhalt zu zahlen. Bis zum 25. Lebensjahr besteht auch Anspruch auf Kindergeld für Studenten. Können Eltern den Unterhalt nicht, oder nur zu Teilen, leisten, kann BAföG beantragt werden. Im Unterschied zu Studienkrediten muss diese zinslose, staatliche Förderung nur zur Hälfte zurückgezahlt werden. Auch Bildungsfonds ermöglichen ein Studium auf Pump. Besser sind natürlich Stipendien, welche nicht nur Überflieger, sondern unterschiedlichste soziale Gruppen fördern. Studenten ohne BAföG-Anspruch können Wohngeld beantragen, wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen. Und: Gut zwei Drittel der Studenten arbeitet neben dem Studium. 

Direkteinstieg oder Traineeprogramm? 

Foto: mostphotos

In vielen Branchen ist es üblich, Hochschulabsolventen ein 12- bis 24-monatiges Traineeprogramm durchlaufen zu lassen. Vor allem in den Bereichen Controlling, Vertrieb und Marketing sowie in Personalabteilungen sind die von einem Mentor begleiteten Einarbeitungsprogramme weit verbreitet. Dabei bieten klassische Traineeprogramme Einblicke in alle zentralen Abteilungen eines Unternehmens – meist in Kombination mit (externen) Seminaren. Da ein Traineeship in der Regel den Weg ins höhere Management ebnet, sind die Auswahlverfahren relativ anspruchsvoll. Dafür sind die Übernahmechancen ziemlich gut. Der Verdienst ist abhängig von der Unternehmensgröße und der Fachrichtung und liegt nicht wesentlich unter dem Einstiegsgehalt vergleichbarer Direkteinsteiger. Top-Zahler ist die Finanzbranche.

Der Konkurrenz davonfahren    


Prof. Dr.-Ing. Eric Sax, Program Director Mobility Systems Engineering & Management  an der HECTOR School, Foto: Presse

Wie lange ist die Haltbarkeit von Fachwissen im Zuge der digitalen Transformation?

Mit einer sauberen akademischen Ausbildung besteht die Haltbarkeit von klassischem Ingenieur-Basiswissen ein Berufsleben lang. Um Technologien anzupassen und der wachsenden Integration von einzelnen Komponenten gerecht zu werden, ist es aber erforderlich, sich stets weiterzubilden und aktuelle Verfahren, Prozesstechnik und Tools zu erlernen. 

Was ist der USP des von Ihnen entwickelten Studienganges?

Aus der Notwendigkeit, Technologien in neue Anwendungen zu bringen, ergibt sich ein großer Handlungsbedarf. Es ist wichtig, dass die Methoden, Tools und Prozesse des System Engineerings beherrscht und weiterentwickelt werden. Dies, sowie die Organisation und das Zusammenspiel aller Komponenten komplexer Systeme funktionsorientiert zu konzipieren, lernen die Teilnehmenden auch im Hinblick auf die Digitalisierung im Masterprogramm „Mobility Systems Engineering & Management“. Wir vermitteln ein systemisches, integratives Denken auf Basis von kollaborativen Prozessen wie es sich in dieser Form noch nicht häufig genug in der Lehre findet.

Auf welche Weise sind die Absolventen damit für Automotive 4.0 gerüstet?

Abgesehen von den fachlichen und methodischen Kompetenzen sind auch Management-Skills für eine Karriere in der Automotive-Branche von großer Bedeutung. Im Sinne von Führung, aber auch, um in der Lage zu sein, die unglaubliche Arbeitsteilung zu spielen. Management-Know-how ist in allen Programmen der HECTOR School integriert – und unerlässlich für hochqualifizierte Jobs in der Industrie als auch bei Existenzgründungen.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.