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30. Sep 2021

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Gesellschaft

„Öko-Strom ist das neue Öl“ – Prof. Dr. Claudia Kemfert

Journalist: Chan Sidki-Lundius

Interview mit Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), über die Energiewende, die Digitalisierung und die Zukunft von Wasserstoff.     

Die Energiewende ist in aller Munde. Sie haben einen Blick auf die damit verbundenen Kosten. Womit ist Ihrer Meinung nach zu rechnen?

Seriöse Kosten-Nutzen-Studien zur Energiewende zeigen, dass der Netto-nutzen der Energiewende weit größer ist als die Nettokosten. Investitionen in Zukunftsmärkte lohnen sich volkswirtschaftlich, es werden Wertschöpfungen und Arbeitsplätze geschaffen. Hin zur vollständigen Energiesystemwende basierend auf erneuerbaren Energien sind zwei Dinge wichtig: der konsequente und schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien und das Energiesparen, efficiency first. Oder umgekehrt: Die Energieverschwendung muss unbedingt vermieden werden. Der kostbare und knappe Ökostrom muss sofort und überall genutzt werden und darf nicht verschwendet werden, indem man beispielsweise den energieintensiv hergestellten Wasserstoff in SUVs oder Heizungen von ungedämmten Häusern verschwendet. Der Ökostrom sollte in der Elektromobilität genutzt werden, Häuser müssen energetisch saniert werden. Nicht Wasserstoff, sondern Strom ist das neue Öl, genauer: Öko-Strom. 

Bietet die Energiewende auch die Möglichkeit, die Wirtschaft anzukurbeln?

Absolut! Die Anschubfinanzierung der Energiewende hat ja schon einen enormen Nutzen gebracht: So wurden die Stromgestehungskosten der erneuerbaren Energien durch Innovationen, steigende Nachfrage und Wettbewerb deutlich gesenkt. Je schneller der Ausbau erneuerbarer Energien vorangeht, desto größer wird der Nettonutzen der Energiewende. Denn so können wir nicht nur negative externe Kosten durch Atom und Kohle drastisch reduzieren, sondern auch Jobs in der Solar- und Windbranche zurück-gewinnen. Zudem werden auch die Branchen der Mobilität durch Elektromobilität und Digitalisierung wirtschaftliche Chancen haben, der Bausektor profitiert durch die energetische Gebäudesanierung. Die Energiewende ist nicht nur die beste Klima- und Altlasten-Schulden-bremse, sondern vor allem der Turbo für ein neues Wirtschaftswunder. Unsere Studien zeigen, dass dadurch bis zu 800.000 neue Jobs entstehen können.

Wie steht es um die erneuerbaren Energien als treibende Kraft der Energiewende?

Sie könnten viel besser zum Einsatz kommen, wenn man sie denn ließe. Leider werden sie noch immer viel zu sehr ausgebremst. Sie können und sollten die treibende Kraft sein. Dafür müssten sie viel schneller ausgebaut und die Markthemmnisse abgebaut werden. Das Energiesystem wird sich grundlegend ändern, es wird kleinteiliger, dezentraler, flexibler, intelligenter und partizipativer. Dafür braucht man einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien, intelligente Netze, Speicher und Digitalisierung für ein dynamisches Energie- und Lastmanagement. Auch im Mobilitätssektor gibt es große wirtschaftliche Chancen für Mobilitätsdienstleistungen, Elektromobilität, die Fahrradbranche oder klimaschonende Antriebstechnologien im Schiff- und Flugverkehr. Die Industrie hat durch die Dekarbonisierung ebenfalls enorme wirtschaftliche Chancen. 

Wie schätzen Sie die Zukunft von Wasserstoff ein?

Wasserstoff wird eine Rolle im zu-künftigen Energiesystem spielen, da er als Langfristspeicher im Rahmen einer auf erneuerbare Energien basiertes Energiesystem diesen kann. Wir warnen nur vor zu viel Euphorie und möglichen negativen Wirkungen auf Umwelt und Klima. Nur grüner Wasserstoff ist emissionsfrei. Allerdings benötigt man dafür sehr viel Ökostrom. Daher sollte er nur da zum Einsatz kommen, wo es keine elektrische Alternative gibt, etwa in der Industrie, im Schiffs- oder Flug-verkehr. Grünen Wasserstoff sollten wir prioritär in Deutschland produzieren, auch dies schafft wertvolle Innovationen, Wertschöpfungen und Arbeitsplätze. Die notwenigen Importe sollten keine Umweltrisiken oder steigende Emissionen in anderen Ländern verursachen. Daher muss man ein einheitliches Zertifizierungssystem verbindlich festlegen, um negative Wirkungen auf Energiesystem, Umwelt und Klima zu vermeiden.

Zum Thema Digitalisierung: Wo geht der Weg hin? 

Die Digitalisierung ist zentral zur für die Energie- und Verkehrswende: Bei der Energiewende benötigen wir ein intelligentes und flexibles Energie- und Lastmanagement, Smart Meter und Smart Grids, um virtuelle Kraftwerke, die wie konventionelle Kraftwerke die einzelnen erneuerbaren Energien als Teamplayer optimal zusammenführen und so für Versorgungssicherheit, Zuverlässigkeit und Systemstabilisierung sorgen. In der Verkehrswende werden Mobilitätsdienstleistungen immer wichtiger, die durch die Digitalisierung und KI Mobilität für alle zu jeder Zeit möglich, attraktiv und erschwinglich machen.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!