Diesen Artikel teilen:

13. Jun 2019

|

Gesellschaft

Performance und Risiko sind nicht alles

Journalist: Chan Sidki-Lundius

Werner Hedrich hat etwas gegen niedrige Zinsen. Für den Geschäftsführer von Morningstar sind Investmentfonds im Vergleich zu den meisten anderen Anlageprodukten günstiger, transparenter und attraktiver.

Der Fondsmarkt in Deutschland gleicht in vielerlei Hinsicht einem Dschungel: Er ist extrem wettbewerbsintensiv. Zudem sind Fondslenker weltweit auf einer gnadenlosen Renditejagd und wollen, dass Anleger nur bei ihnen dabei sind. Der Fondsmarkt gleicht aber auch hinsichtlich seiner Größe einem Dschungel: In Deutschland sind aktuell knapp 29.000 Publikumsfonds zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Anleger längst den Überblick verloren haben. Oder Einsteiger, die angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase und der Flaute auf ihren Sparkonten neue Wege gehen wollen, völlig überfordert sind. „Tatsächlich ist es so, dass die Deutschen sich im Gegensatz zu Amerikanern, Engländern oder Australiern sehr schwer damit tun, sich mit Kapitalanlagen und dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen. Und ein Großteil der Anleger ist auch nicht willens, Schwankungen hinzunehmen, sondern schaut nur auf die kurzfristige Performance und Risiko der Anlagen“, sagt Werner Hedrich. Insgesamt betrachtet seien Fonds im Vergleich zu Versicherungen oder anderen Anlageprodukten wie etwa Zertifikaten nicht nur lukrativer, sondern auch deutlich günstiger und transparenter. Wer vor zehn Jahren in einen Investmentfonds investierte, der den DAX abbildet, habe jedes Jahr im Schnitt eine Rendite von durchschnittlich neun Prozent erzielt. „Fonds und Aktien, aber auch globale Anleihen machen daher heute mehr Sinn denn je“, konstatiert Hedrich, „allerdings muss man sich sehr genau überlegen, wie langfristig man in welche Produkte investieren möchte.“

Wie erfahren ist der Fondsmanager, dem sie ihr Geld anvertrauen werden? Wie solide ist sein Investmentprozess? Wie gut ist die Infrastruktur des Hauses, in dem er arbeitet? Wie hoch sind die Fondskosten? Wie konsistent war die Performance seiner Fonds oder Mandate in der Vergangenheit? „Das sind die Fragen, die Anleger, die als erste durchs Ziel laufen wollen, an die Fondsmanager richten müssen, die sie in die engere Auswahl nehmen“, erläutert Hedrich. Im Übrigen lohne es sich immer, mit seinem Finanzdienstleister zu handeln, da lasse sich normalerweise einiges an Gebühren sparen. „Oder man vertraut sich gleich einem frei tätigen Finanzberater an.“ 

2. Jul 2026

|

Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.