24. Sep 2026
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Business
Journalist: Thomas Soltau
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Foto: Vitaly Gariev/unsplash
Onlinehandel war schon immer bequem. Mit KI soll er nun auch noch wissen, was wir suchen – manchmal sogar, bevor wir selbst ganz sicher sind.
Wer online Schuhe kaufen will, braucht mitunter erstaunlich viel Ausdauer. Größe wählen, Bewertungen lesen, Preise vergleichen, zurück zur Suche. Oder doch ein anderes Paar? Künstliche Intelligenz verspricht, aus diesem digitalen Hindernislauf einen kurzen Spaziergang zu machen. Der Shop der Zukunft zeigt nicht mehr nur Regale. Er berät. Das betrifft einen riesigen Markt. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben 2025 bereits 85 Prozent der Internetnutzer zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland online eingekauft. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt von 78 Prozent. KI trifft also nicht auf eine kleine technikbegeisterte Kundschaft, sondern auf einen längst etablierten Einkaufsalltag.
Ihre Rolle verändert sich gerade erheblich. Empfehlungsalgorithmen kennen Onlinekunden schon lange. Generative KI kann dagegen Fragen verstehen, Produkte erklären und bei der Auswahl helfen. Die nächste Stufe sind digitale Einkaufsagenten: Sie suchen nach vorgegebenen Kriterien, vergleichen Angebote und schlagen passende Produkte vor. Aus „Zeig mir schwarze Sneaker“ könnte werden: „Finde mir bequeme schwarze Sneaker unter 120 Euro, die bis Freitag da sind.“ Die Suchleiste bekommt gewissermaßen einen Job. Auch hinter den Kulissen verändert KI den Handel. Sie kann Nachfrage prognostizieren, Sortimente steuern, Produktbeschreibungen erstellen oder Kundenanfragen bearbeiten. Dass Händler darin mehr als Spielerei sehen, zeigt eine Bitkom-Erhebung: 61 Prozent betrachten KI als Wettbewerbsvorteil.
Aus Beratung darf keine unsichtbare Manipulation werden. Der beste KI-Verkäufer wäre wohl einer, der auch einmal sagt: Das brauchen Sie eigentlich nicht.
Besonders spannend wird die Beziehung zum Kunden. Je besser Systeme Vorlieben verstehen, desto individueller können Shops reagieren. Das kann die Suche verkürzen und Fehlkäufe vermeiden. Es kann aber auch nerven. Wer einmal nach einer Gartenliege gesucht hat, möchte schließlich nicht den ganzen Sommer von Gartenmöbelwerbung verfolgt werden. Damit rückt Vertrauen ins Zentrum. Personalisierung braucht Daten. Kunden sollten wissen, warum ihnen etwas empfohlen wird und was mit ihren Informationen geschieht. Aus Beratung darf keine unsichtbare Manipulation werden. Der beste KI-Verkäufer wäre wohl einer, der auch einmal sagt: Das brauchen Sie eigentlich nicht.
Für Händler liegt genau darin die Chance. KI kann Einkaufen einfacher machen und Prozesse verbessern. Sie ersetzt aber weder ein gutes Sortiment noch faire Preise oder verlässlichen Service. Schlechter Handel wird durch einen Algorithmus schließlich nicht besser. Er wird höchstens schneller schlecht. Der E-Commerce steht damit vor einer neuen Phase. Bislang mussten Menschen lernen, wie man in digitalen Shops sucht. Künftig lernen Shops zunehmend, wie Menschen suchen. Entscheidend wird sein, ob sich das wie guter Service anfühlt – oder wie ein Verkäufer, der einem durch den ganzen Laden hinterherläuft.