11. Jun 2026
|
Gesellschaft
Journalist: Hauke Brost
|
Foto: Presse, Getty Images/unsplash
Unsere Kinder haben ein Problem: Sie bewegen sich zu wenig. Laut Robert-Koch-Institut gibt es aktuell bei uns zwei Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und 17, die als übergewichtig gelten. Fast sechs Prozent von ihnen gelten sogar als adipös (stark übergewichtig). Dass Kinder schon früh möglichst viel Bewegung haben sollten, ist allen Eltern klar – aber wie kann man sie motivieren, ohne ständig Druck ausüben zu müssen?

Rolf Schwabe, Gründer Kletterwald-Hamburg
Natürlich ist die Mitgliedschaft in einem der 86.000 deutschen Sportvereine für viele Familien die erste Wahl, und tatsächlich: Ungefähr zehn Millionen Vereinsmitglieder sind Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene unter 27, und gerade bei unseren Jüngsten (bis 14) werden besonders hohe Zuwachsraten verzeichnet. Aber Vereinssport hat auch Nachteile: Viele Eltern stöhnen, dass die Fahrten zu auswärtigen Spielen nicht nur die Wochenend-Planung erschweren, sondern auch richtig ins Geld gehen (Spritkosten usw.). Hinzu kommen die Mitgliedsbeiträge im Verein, und allein die Mitgliedschaft – auch diese Erfahrung machen viele Eltern – bedeutet noch lange nicht, dass das Kind auch gern, regelmäßig und freiwillig hingeht.
Eine Alternative, sagen Sportpsychologen, sind Abenteuer- und Erlebnisparks. Sie sind auf Kinder spezialisiert und animieren zur spielerischen, freiwilligen Bewegung, ohne dass Druck hinter den Aktivitäten steckt. Meistens sind es riesige Spielplätze mit Klettermöglichkeiten, oft auch mit Wasserrutschen, Labyrinthen, Strohburgen und Hüpfburgen. Viele wurden extra mit dem Ziel entwickelt, die motorische Entwicklung von Kindern zu fördern; das Ergebnis sind bis zu 14 Hektar große Gelände, auf denen die Kinder ganz von selbst an einem einzigen Besuchstag viele Kilometer laufen, hangeln und spielen und abends entsprechend ausgepowert sind. Nebeneffekt: Auch Kleinkinder, die noch nicht mitklettern können, langweilen sich in solchen Abenteuerparks nicht und finden Möglichkeiten zum Krabbeln oder Spielen.
Auch Kleinkinder, die noch nicht mitklettern können, langweilen sich in solchen Abenteuerparks nicht und finden Möglichkeiten zum Krabbeln oder Spielen.
Rolf Schwabe ist einer der Gründer vom „Kletterwald-Hamburg“ und betreibt außerdem noch einen Indoor-Spielpark sowie im Winter eine Eis-Arena. Er sieht den fehlenden Leistungsdruck in Abenteuerparks als besonders wichtiges Argument: „In so einem Park hat jedes Kind seine ganz eigenen Erfolgserlebnisse“, sagt er, „es muss sich nicht ständig mit anderen vergleichen – wie es im Mannschaftssport nun einmal so ist.“ Kinder, die sich von einem seiner acht Kletterparcours überfordert fühlen, machen ihn einfach noch mal, sagt er – „oder sie wählen für sich einen leichteren, den sie gut bewältigen können.“ Abenteuerparks seien deshalb „eine echte Alternative“ zum Vereinssport: „Einfach, weil es keinen Druck und keine Vergleiche mit den Leistungen anderer gibt.“
Der Erfolg gibt ihm recht: Auf seinen drei Freizeitanlagen zählt er jährlich rund 250.000 Besucher. Tendenz steigend.