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22. Jul 2026

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Gesellschaft

Kund:innenbedarf vs. Technologieversprechen – Ein Beitrag von Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener Linien (CEO), Geschäftsführerin für Betrieb & Vertrieb der Wiener Linien

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Foto: Presse

Die Digitalisierung und Automatisierung prägen den Mobilitätszukunftsdiskurs. Dabei liegt mehr Chance in zielgenauen Dienstleistungen für Kund:innen.

Mobilitätsstrategien der öffentlichen Hand, aber auch Visionsdarstellungen der Mobilität der Zukunft von Technologieanbietern skizzieren, wie wir Menschen 2040 und darüber hinaus unterwegs sein werden. Innovative Lösungen durch neue Technologien gießen die Versprechen der Automatisierung und Digitalisierung in stromlinienförmige futuristische Fahrzeuge. Analog zu Automobilwerbungen sind diese Fahrzeuge oftmals auf freier Straße bzw. Strecke unterwegs dargestellt. Autonom, elektrisch und damit zumindest lokal emissionsfrei.

Die Realität wird anders aussehen. Vielfältiger im Zusammenspiel zwischen öffentlichem Verkehr (ÖV) und aktiver Mobilität, fluider zwischen privatem Auto und Sharing-Dienstleistern. Und doch wird der ÖV weiterhin das Rückgrat der (alltäglichen) Mobilität von Menschen in Städten bleiben.

Es gilt in Zentraleuropa weiterhin: große Städte wachsen und die Dichte nimmt zu, mit ihr der Druck auf den öffentlichen Raum. Gerade Unternehmen des öffentlichen Verkehrs sehen darin keine Überforderung, sondern einen klaren Auftrag: Mobilität neu zu denken, in der Auslegung der eigenen Rolle, und am wichtigsten im Zusammenspiel des gesamten Mobilitätssystems. Zukunftsfähige Städte gelingen nur, wenn wir gleichzeitig investieren und erhalten – durch Ausbauprojekte, wo es wirklich Lücken gibt, aber mindestens ebenso wichtig durch Ausbau der Qualität und Verlässlichkeit des bestehenden Netzes. Der öffentliche Verkehr hielt Städte in Europa die letzten 150 Jahre am Laufen, dies muss umso mehr für die dekarbonisierte Zukunft der Fall sein.

Die Zukunft der Mobilität ist mehr als Technologie. Sie ist eine Frage von Raum, Verantwortung und Zusammenarbeit mit den Menschen.

Kund:innen-seitig wird Mobilität immer vielfältiger. Neue Services ergänzen den Angebots-Mix: Sharing-Angebote, On-Demand-Verkehre und digitale Plattformen, über die Zugang und Information neue Qualitäten erreichen. Der öffentliche Verkehr bleibt dabei grundversorgend, eingebettet in ein möglichst nahtloses System: ÖV, Parken und aktive Formen wie Rad- und Fußverkehr greifen ineinander, statt nebeneinander zu bestehen und unabhängig voneinander geplant zu werden. Dabei gilt es Orientierung an Zielen zu nehmen – von der Verkehrswende zur Mobilitätswende – und damit einen Paradigmenwechsel zu verfolgen, der seit langem in aller Munde, in Realität jedoch weiterhin hart zu erarbeiten ist. Dafür wird Fläche zurückgewonnen, der Pkw tritt in den Hintergrund, Lebensqualität in den Vordergrund.

Das Ziel für den/die Bürger:in ist seit langem klar: ein Leben ohne privaten Pkw muss möglich, bequem und erschwinglich sein. Automatisierung eröffnet dafür neue Chancen, u. a. etwa im Betrieb und in der Feinverteilung – doch sie ist kein Allheilmittel, sondern ein Baustein des Mobilitätssystems, der klug platziert werden muss, um Fehler der Vergangenheit nicht mit einem neuen Anstrich einzubetonieren.

Zur Zukunft der Mobilität gehört jedoch ebenso Verkehrsvermeidung, auch durch Digitalisierung unseres Alltags. Weniger Wege, klüger organisiert, digital unterstützt – das ist ein notwendiger Teil der Lösung. Die Zukunft der Mobilität ist mehr als Technologie. Sie ist eine Frage von Raum, Verantwortung und Zusammenarbeit mit den Menschen. In diesem Sinne wünsche ich eine anregende Lektüre.