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7. Jul 2026

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Wirtschaft

Alternativen zur Wärmepumpe sind stark begrenzt – mit Dr.-Ing. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Cornelia Quaschning, Valeria Nikitina/unsplash

Dr.-Ing. Volker Quaschning ist Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin. Er sieht den Klimawandel als größte Bedrohung für die Menschheit und warnt vor Populisten, die ihn verharmlosen oder leugnen – und unter anderem auch gegen Wärmepumpen sind.

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Dr.-Ing. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin

Herr Dr. Quaschning, Nachhaltigkeit verliert gerade an Bedeutung – trotz der aktuellen Krisen. Verstehen Sie, warum? Evolutionär bedingt können wir wohl nur mit einer Krise fertigwerden: der Säbelzahntiger vor mir ist wichtiger als der Tsunami am Horizont. Wir reagieren auf kurzfristige Krisen, langfristige verlieren wir aus dem Blick – doch die richtig großen Krisen kommen erst noch auf uns zugerollt.

Reizthema Heizthema: Wie viel Prozent der Gebäude in Deutschland werden derzeit voll oder zumindest teilweise mit Wärmepumpe beheizt? Wir sind derzeit bei rund sechs Prozent – in Norwegen sind es über 60 Prozent. Damit gehören wir in Europa zu den Schlusslichtern.

Was sind die Argumente gegen den Einbau von Wärmepumpen? Wir sind ein bisschen in der Populismusfalle. Es gibt immer einige, die versprechen, die Welt werde sich nicht verändern und die Krisen gingen von allein vorbei und dann ist alles wieder wie 1980. Aber das wird nicht passieren. In Dänemark dürfen bereits seit 2013 keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden. Dort wurden klare Entscheidungen getroffen und konsequent umgesetzt.

Würden Sie sagen, klimaneutrales Heizen ist ausschlaggebender als niedriger Stromverbrauch? Natürlich. Ein niedriger Stromverbrauch hilft uns nicht, wenn der Rest weiterhin mit Öl und Gas läuft. In der Energiewende wird der Stromverbrauch steigen. Deshalb muss dieser zusätzliche Strom aus erneuerbaren Energien kommen.

Es gibt immer einige, die versprechen, die Welt werde sich nicht verändern und die Krisen gingen von allein vorbei und dann ist alles wieder wie 1980. Aber das wird nicht passieren.

Wie umweltfreundlich sind alternativ Pellets oder Solarthermie? Die Alternativen zur Wärmepumpe sind stark begrenzt. Holzheizungen wie Pellets haben nur ein begrenztes Potenzial; die in Deutschland nachwachsende Holzmenge reicht nicht für alle Gebäude. Importe, beispielsweise aus Kanada, wären problematisch. Solarthermie, Fernwärme oder Wasserstoff sind entweder teuer oder nur eingeschränkt skalierbar, wobei Wasserstoff dabei die mit Abstand teuerste Lösung ist.

Deshalb wird es im Wesentlichen auf die Wärmepumpe hinauslaufen, weil sie alle Häuser versorgen kann und im Vergleich zu den klimaneutralen Alternativen noch am günstigsten ist. Technisch ist der Einsatz von Wärmepumpen auch in Altbauten problemlos möglich und vielfach erfolgreich umgesetzt.

Kurzfristig wirken Wärmepumpen teurer in der Installation, langfristig sparen sie jedoch Kosten. Trotzdem sehen viele erst nur den Anschaffungspreis anstatt den Lebenszyklus zu betrachten.

Wie beurteilen Sie das neue Gebäudemodernisierungsgesetz unserer Wirtschaftsministerin Reiche? Das ist eine Katastrophe. Das alte Gesetz war gar nicht schlecht, man hätte Details nacharbeiten können. Stattdessen entstand nach langer Diskussion ein Kuddelmuddel, das dem Klimaschutz wenig hilft. Gasheizungen bleiben möglich, werden aber unattraktiv – mit dem Risiko sehr hoher, späterer Kosten. Diese ständige Hin und Her stärkt Populisten.

Was haben Sie am Schluss noch für einen Tipp für Immobilienbesitzer in Richtung Wärme? Klimaschutz wird spätestens durch Gerichtsurteile oder neue Hitzewellen von über 40 Grad wieder auf die Tagesordnung kommen. Das Problem verschwindet nicht von selbst. Deshalb bleiben Klima- und Hitzeschutz in Städten wichtig – besonders für eine alternde Gesellschaft. Wärmepumpen bieten dabei den Vorteil, künftig auch kühlen zu können. Gleichzeitig muss die Politik aus Blockade und Populismus herausfinden, denn derzeit wirkt alles wie Realsatire.

Kurzfristig wirken Wärmepumpen teurer in der Installation, langfristig sparen sie jedoch Kosten.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.