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17. Jul 2026

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Wirtschaft

Die Zukunft des Fliegens heißt KI – Im Interview mit Grazia Vittadini, Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer (CTO) bei der Lufthansa Group

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Grazia Vittadini ist Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer (CTO) bei der Lufthansa Group, wo sie die Bereiche Technik, IT und Innovation leitet. Wie nachhaltige Transformation und weiteres Wachstum im Luftverkehr zusammengehen können, erläutert sie im Interview.

Frau Vittadini, welche Technologien werden die Luftfahrtindustrie in den nächsten zehn Jahren am stärksten verändern? Die Luftfahrt der nächsten zehn Jahre wird weniger durch ein einzelnes revolutionäres Flugzeug verändert als durch die konsequente Verbesserung des gesamten Systems. Die meisten Flugzeuge, die 2035 die Leistungsfähigkeit der Airlines prägen werden, sind keine hypothetischen Zukunftsprogramme. Sie fliegen bereits heute oder stehen in den Auftragsbüchern der Hersteller. Natürlich gibt es faszinierende Konzepte wie Nurflügler oder völlig neue Antriebsarchitekturen. Aber zwischen Konzept, Zulassung, Industrialisierung und Flottenwirkung liegen in der Luftfahrt viele Jahre. Entscheidend wird deshalb die Lebenszyklusleistung: Wie effizient ist ein Flugzeug im Betrieb? Wie zuverlässig sind Triebwerke? Wie schnell sind Ersatzteile verfügbar? Wie gut lassen sich Wartung, Dokumentation und technische Prozesse digital unterstützen? Für Airlines liegt die größte Chance daher in der Digitalisierung: digitale Zwillinge, vernetzte technische Dokumentation, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Diese Technologien entscheiden zunehmend darüber, wie zuverlässig, effizient und skalierbar ein Airline-System funktioniert.

Wo sehen Sie denn das größte Potenzial für den Einsatz von KI? KI wird in der Luftfahrt nicht an einer einzigen Stelle den Unterschied machen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie unterstützt die Entwicklung von Flugzeugen und Triebwerken, verbessert die Planung von Flotten, hilft in der Wartung, optimiert Bodenprozesse und verändert auch die Interaktion mit Kunden. Besonders großes Potenzial sehe ich dort, wo Komplexität hoch und Entscheidungen zeitkritisch sind. Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung. Wenn Systeme Verschleißmuster erkennen, bevor ein Bauteil ausfällt, verbessert das die Zuverlässigkeit, Kosten und operative Stabilität. Ähnlich gilt das für Routenplanung, Beladung, Turnaround-Prozesse oder Störungsmanagement. Die Herausforderung ist, KI sinnvoll in ein hochreguliertes, sicherheitskritisches und operativ komplexes Gesamtsystem zu integrieren. In der Luftfahrt gilt: Technologie muss nicht nur intelligent sein. Sie muss robust, erklärbar, sicher und operativ beherrschbar sein.

Für Airlines liegt die größte Chance daher in der Digitalisierung: digitale Zwillinge, vernetzte technische Dokumentation, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Diese Technologien entscheiden zunehmend darüber, wie zuverlässig, effizient und skalierbar ein Airline-System funktioniert.

Laut Marktprognosen wird bis 2043 ein Bedarf von über 42.000 neuen Flugzeugen erwartet. Das bedeutet auch neue Strecken und den Bau neuer Flughäfen. Wie lässt sich das in irgendeiner Form nachhaltig umsetzen? Luftverkehr bleibt eine Wachstumsbranche, weil der Wunsch nach Mobilität weltweit weiter zunimmt. Das gilt besonders für Asien, Indien und andere stark wachsende Märkte. Die Frage ist, wie dieses Wachstum gestaltet wird. Nachhaltigkeit in der Luftfahrt entsteht nicht durch eine einzige Wundertechnologie. Sie entsteht durch ein Zusammenspiel aus modernen Flugzeugen, effizientem Betrieb, besserer Infrastruktur, nachhaltigen Flugkraftstoffen und einem politischen Rahmen, der Investitionen ermöglicht statt verhindert. Für die Lufthansa Group ist Flottenmodernisierung der wichtigste Hebel, den wir direkt steuern können. Wir treiben derzeit die größte Flottenmodernisierung unserer Unternehmensgeschichte voran. Dabei ersetzt ein neues Flugzeug meist ein älteres, ineffizienteres Muster. Gleichzeitig brauchen wir deutlich mehr Sustainable Aviation Fuels zu wettbewerbsfähigen Preisen. Hier liegt die Verantwortung nicht allein bei den Airlines. Ohne industrielle Skalierung, geeignete Fördermechanismen und internationale Wettbewerbsfähigkeit bleibt SAF knapp und teuer.

Wie wichtig ist die Luftverkehrsbranche für Deutschland? Luftverkehr ist kritische Infrastruktur. Für Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und als exportorientierte Volkswirtschaft ist internationale Anbindung kein Luxus, sondern Voraussetzung für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit. Der deutsche Luftverkehr sichert direkt und indirekt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze, bei Airlines, Flughäfen, Zulieferern, in der Logistik, im Tourismus und in vielen angrenzenden Industrien. Gerade deshalb muss Europa aufpassen, seine eigene Luftverkehrsinfrastruktur nicht strukturell zu schwächen. Hohe Standortkosten, zusätzliche nationale Belastungen und einseitige europäische Klimakosten treffen europäische Anbieter stärker als Wettbewerber aus anderen Weltregionen. Wir brauchen keinen Schutzraum für die Luftfahrt. Doch wer Konnektivität, Investitionen in neue Flotten und industrielle Stärke will, muss auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Sie haben schon früh den Pilotenschein gemacht. Welche Strecke ist für Sie die allerschönste? Ich habe das Fliegen immer geliebt, nicht nur als Technologie, sondern auch als Erlebnis. Eine der schönsten Perspektiven bleibt für mich der Flug über die Alpen. Wenn man über diese majestätische Landschaft fliegt, sieht man sehr unmittelbar, warum Luftfahrt Menschen seit jeher begeistert: die technische Leistung, die Weite, die Geschwindigkeit, aber auch die Schönheit der Welt aus einer anderen Perspektive.

Luftverkehr ist kritische Infrastruktur. Für Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und als exportorientierte Volkswirtschaft ist internationale Anbindung kein Luxus, sondern Voraussetzung für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.