6. Jul 2026
|
Anzeige
Journalist: Silja Ahlemeyer
|
Foto: Presse
HR-Spezialistin Dana Gielnik über neue Wege der Mitarbeitergewinnung, psychologische Sicherheit im Job und warum Stellenanzeigen heute out sind.

Dana Gielnik, Leiterin People, Culture & Places bei der Star Finanz GmbH
Liebe Dana, wie können sich Unternehmen heutzutage als attraktive Arbeitgeber positionieren? Dana Gielnik: Früher reichte es oft, Stellenanzeigen zu schalten und abzuwarten. Das funktioniert heute kaum noch. Unternehmen müssen sichtbar und erlebbar werden. Und was hier die letzten Jahre deutlich zugenommen hat, sind Messen, aber nicht nur diese typischen Karriere- und Recruitingmessen. Es ist wichtig, dass du als Unternehmen auf Fachmessen gehst.
Gerade in der Tech-Branche spielen diese, genau wie Festivals oder Hackathons, eine große Rolle. Dort zeigen Entwickler live, wie sie arbeiten und kommen mit anderen Fachleuten ins Gespräch. So wird sichtbar, wie ein Unternehmen tickt.
Wie wichtig ist dabei der direkte Einblick in den Arbeitsalltag? Sehr wichtig. Menschen möchten erleben, ob das, was eine Firma nach außen zeigt, auch tatsächlich gelebt wird. Diese Nähe schafft Vertrauen. Wer Mitarbeitenden Raum gibt, authentisch über ihre Arbeit zu sprechen, gewinnt Glaubwürdigkeit.
Und wie gelingt es, gute Mitarbeitende langfristig im Unternehmen zu halten? Der Begriff Mitarbeiterbindung verändert sich gerade stark. Viele Menschen möchten heute nicht mehr „gebunden“ werden. Viel wichtiger ist das Gefühl von VERbundenheit – mit den Kollegen, den Führungskräften oder dem Sinn der eigenen Arbeit. Menschen wollen verbunden sein mit anderen Menschen im Team. Auch das Thema Alumni wird intensiver. Also das, was heute mal gut geklappt hat, darf auch eine Verbindung sein für morgen oder übermorgen, um dann mal wieder zusammenzukommen.
Sollten Führende eher das Wohlbefinden oder die Fähigkeit zur Leistung in den Mittelpunkt stellen? Beides gehört zusammen. Menschen, die sich wohlfühlen und psychologische Sicherheit erleben, arbeiten leistungsfähiger. Langfristig gute Arbeit gelingt aber nur, wenn Menschen Kraftquellen haben und nicht dauerhaft überfordert werden.
Was können solche Kraftquellen sein? Vertrauen und Vereinbarkeit. Mitarbeitende müssen sagen können: „Im Moment bin ich privat stark eingespannt.“ Gleichzeitig braucht es das Vertrauen, dass sich Belastungen im Team wieder ausgleichen. Dieses gegenseitige Geben und Nehmen stärkt die Zusammenarbeit enorm.
Welche Rolle spielen Weiterbildung und lebenslanges Lernen? Eine sehr große. Weiterbildung braucht Zeit und finanzielle Mittel. Deshalb stellen wir bei Star Finanz gezielt Budgets und feste Zeitkontingente dafür zur Verfügung.
Wie fördert ihr bei Star Finanz darüber hinaus Entwicklung und Austausch? Wir fördern die Teilnahme an internationalen Konferenzen, Innovationsreisen oder organisieren interne Meet-ups. Oft entstehen die besten Ideen im Gespräch mit anderen, die ähnliche Herausforderungen haben.
Welche Rolle spielen gerade die Frauen in der Tech-Branche? Frauen bringen Stärke in Vernetzung und Organisation mit. Gleichzeitig erleben wir, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Unser Frauen-anteil liegt bei etwas über 30 Prozent, und wir möchten ihn weiter steigern. Deshalb geben wir Frauen in Tech-Berufen bewusst mehr Bühne, etwa auch auf unserer Webseite.
Gibt es auch Widerstand gegen solche Diversity-Initiativen? Ja, solche Stimmen gibt es durchaus. Trotzdem machen wir weiter. Gleichzeitig versuchen wir, auch Männer stärker einzubinden. Wir bieten beispielsweise Formate zu modernen Männerrollen oder Selbstführung an. Das Interesse daran ist groß.
Gab es dabei Erlebnisse, die dich besonders überrascht haben? Ja, etwa bei einer Veranstaltung zum Thema Frauengesundheit. Es fragten anschließend Männer nach einem Format für Männergesundheit, welches wir gern umgesetzt haben und großen Zuspruch fand.
Welche Themen gewinnen aus deiner Sicht im Arbeitsleben künftig weiter an Bedeutung? Achtsamkeit, Resilienz und Prävention. Früher galten solche Angebote eher als Privatsache. Heute sehen wir sie als Teil gesunder Arbeit. Programme zu Selbstführung oder Stressprävention finden großen Zuspruch, weil viele Unternehmen erkannt haben, dass Leistungsfähigkeit und Gesundheit eng zusammenhängen.