17. Jul 2026
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Journalist: Thomas Soltau
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Foto: LYCS Architecture/unsplash
Unternehmen sprechen häufig über Künstliche Intelligenz, doch im Alltag verändert sich wenig. Kassian Alexander Goukassian, Gründer und CEO von falkemedia, beobachtet im Mittelstand zu viel Perfektionismus und zu wenig Tempo. Warum KI-Transformation deshalb vor allem eine Führungsfrage ist, zeigt sich für ihn längst im operativen Alltag.

Kassian Alexander Goukassian, Gründer und CEO von falkemedia
Herr Goukassian, woran erkennt man, ob ein Unternehmen bei KI wirklich vorankommt? Nicht daran, dass überall über KI gesprochen wird. Entscheidend ist, ob sich Prozesse messbar verändert haben. Wer heute noch nicht sagen kann, welcher Workflow schneller, besser oder günstiger geworden ist, betreibt eher Aktionismus. Viele kaufen Lizenzen, aber verändern keine Abläufe. Reife beginnt erst dort, wo produktive Anwendungen im Alltag angekommen sind und ihr Wegfall auffallen würde.
Was fehlt dem Mittelstand derzeit am meisten? Unternehmen warten darauf, dass alle Fragen geklärt sind. Genau das funktioniert bei KI nicht mehr. Das Spielfeld verändert sich ständig. Wer erst startet, wenn alles perfekt erscheint, verliert Zeit. Gleichzeitig lähmt viele Firmen eine Schwarz-Weiß-Debatte beim Datenschutz. Natürlich müssen geistiges Eigentum und sensible Daten geschützt werden. Aber nicht jede Produktbeschreibung oder Marketingidee ist ein Hochsicherheitsfall. Wer alles gleichbehandelt, blockiert sich selbst.
Wo entstehen aktuell die schnellsten Effekte? Vor allem dort, wo hochqualifizierte Menschen viele repetitive Aufgaben erledigen. Recherche, Briefings, Übersetzungen oder Zusammenfassungen lassen sich heute deutlich effizienter organisieren. Das betrifft Marketing, Vertrieb, Kundenservice oder interne Kommunikation. Bei falkemedia haben wir etwa die Customer Journey unseres AirFryer Clubs mit KI-gestützten Prozessen neu aufgebaut. Der Mensch entscheidet weiterhin final, aber Geschwindigkeit und Skalierung haben sich massiv verändert. Dinge, für die früher Tage nötig waren, entstehen heute innerhalb weniger Stunden – mit deutlich höherer Schlagzahl und konstanter Qualität.
Unternehmen warten darauf, dass alle Fragen geklärt sind. Genau das funktioniert bei KI nicht mehr. Das Spielfeld verändert sich ständig. Wer erst startet, wenn alles perfekt erscheint, verliert Zeit.
Was war für Sie die wichtigste Erkenntnis in der Transformation? Dass Unternehmen lernen müssen, mit Unfertigkeit zu arbeiten. Viele warten auf die perfekte Lösung. Aber bei KI gibt es diesen perfekten Zeitpunkt nicht. Entscheidungen müssen früher getroffen und später angepasst werden. Gleichzeitig braucht Veränderung Verbindlichkeit. Wenn neue Prozesse sofort wieder verlassen werden, weil alte Gewohnheiten bequemer sind, verpufft jede Transformation.
Wie schafft man Akzeptanz bei Mitarbeitenden? Vor allem durch Ehrlichkeit. Wer behauptet, KI nehme nur langweilige Aufgaben ab, macht es sich zu einfach. Natürlich verändern sich Rollen und Arbeitsweisen. Entscheidend ist, wie Unternehmen damit umgehen. Wir haben früh klar kommuniziert, dass wir wegen KI keine Arbeitsplätze abbauen wollen. Unser Ziel ist Produktivität statt reiner Einsparung. Wir nennen das Workforce Amplification: Menschen sollen stärker werden, nicht ersetzt werden. Gleichzeitig verschweigen wir nicht, dass sich Teams verändern werden. Vertrauen entsteht nicht durch Beruhigung, sondern durch Transparenz.
Was bedeutet das für Führungskräfte? KI-Transformation ist keine Aufgabe, die man vollständig delegieren kann. Wer als CEO nie selbst mit diesen Werkzeugen arbeitet, wird weder Chancen noch Risiken wirklich verstehen. Deshalb sage ich vielen Vorständen: Wenn im Kalender keine feste Zeit für eigene KI-Arbeit steht, ist die Strategie meist noch nicht belastbar. KI wird nicht an der Software entschieden, sondern daran, ob Führungskräfte bereit sind, die eigene Routine infrage zu stellen und Entscheidungen früher zu treffen, als es ihnen lieb ist.