Diesen Artikel teilen:

28. Jan 2026

|

Wirtschaft

Daten statt Bauchgefühl

Journalist: Luisa Riek

|

Foto: Getty Images/unsplash

Finanzielle Freiheit ist für die meisten Menschen ein großer Traum. Finanzentscheidungen sollten daher auf Basis von Daten und Fakten erfolgen und nicht durch ein Bauchgefühl.

Viele Menschen treffen finanzielle Entscheidungen immer noch aus dem Bauch heraus: ein spontaner Vertragsabschluss, ein Gefühl, dass „es schon passen wird“, oder die Annahme, dass man ungefähr weiß, wie viel am Monatsende übrigbleibt. Doch dieses Bauchgefühl kann sich in der Realität häufig aus trügerisch erweisen. Auch, wenn es manchmal nervig ist und finanzielle Entscheidungen und Planung Zeit benötigen, sollte man diese nicht vernachlässigen. Viele Menschen verdrängen gern, dass sie selbst Verantwortung für finanzielles Handeln übernehmen müssen und, dass sich finanzielle Freiheit häufig nur durch Arbeit und Planung erreichen lässt. Unser Alltag ist schnell und wir müssen ständig viele Entscheidungen treffen. Dabei kann nicht jede Entscheidung in Ruhe abgewogen werden. Beim Thema Geld allerdings kann eine Entscheidung auch schnell mal teuer werden. Daher gilt es, spontane oder emotionale Finanzentscheidung zu vermeiden und stattdessen lieber einer übergeordneten und langfristigen Strategie zu folgen.

Die meisten Menschen schätzen ihre eigenen Finanzen falsch ein. Durch eine genaue Analyse der Ein- und Ausgaben kann hierbei deutlich mehr Transparenz erzielt werden. Die Analyse ersetzt nicht das Denken, aber sie liefert Fakten, die man braucht, um langfristig gute finanzielle Entscheidungen zu treffen und sich nicht zu überschätzen. Das Tracken von Einnahmen und Ausgaben führt zum einen zu einem bewussteren Umgang mit Ausgaben und zu einer besseren Übersicht, wo unser Geld überhaupt hinfließt und was hierbei potenzielle Geldfresser sind, die wir gar nicht wirklich auf dem Schirm haben.

Die meisten Menschen schätzen ihre eigenen Finanzen falsch ein. Durch eine genaue Analyse der Ein- und Ausgaben kann hierbei deutlich mehr Transparenz erzielt werden.

In einer Welt, die immer komplexer wird, sind Daten ein wichtiges Tool, um den Überblick zu behalten. Statt mühselig einzelne Kontoauszüge durchzugehen und seine Ausgaben händisch aufzuschreiben, lassen sich hierbei auch digitale Unterstützer einsetzen, die uns diese Aufgabe abnehmen. Eine transparente und genaue Übersicht ermöglicht auch größere Ausgaben zu planen ohne finanzielle Probleme zu bekommen.

Mit kleinen Kniffen lassen sich Ausgaben verringern, ohne dass man wirklich mit Einschränkungen konfrontiert ist. Für größere Anschaffungen kann man individuelle Sparpläne einrichten, die auf die eigenen Bedürfnisse und Lebensumstände abgestimmt sind. Durch ein kontinuierliches Ansparen lassen sich Sparziele leichter erreichen. Ein gut überdachtes Budgetmanagement ist für jede und jeden zu empfehlen, hierbei ist auch die Höhe des Einkommens egal. Wer einen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben hat, ermöglicht sich selbst einen besseren Lebensstil.

Generell sollten Finanzentscheidungen nie leichtfertig getroffen werden. Und wohingegen wir bei vielen wichtigen Lebensentscheidungen auf unser Bauchgefühl hören sollten, ist es bei der Planung von Budgets eher ratsam, rationale, gut überdachte und mit Fakten hinterlegte Entscheidungen zu treffen. Wer aus dem Bauch heraus entscheidet, wählt häufig kurzfristige Finanzentscheidungen, die nicht immer auf lange Sicht gewinnbringend sind.

Am Ende ist es wie in vielen Lebensbereichen: Wer die Fakten kennt, trifft bessere Entscheidungen. Und gute Entscheidungen, sind der sicherste Weg um langfristig finanziell entspannt zu bleiben.

Wer die Fakten kennt, trifft bessere Entscheidungen. Und gute Entscheidungen, sind der sicherste Weg um langfristig finanziell entspannt zu bleiben.

Factbox:

Wer sein Geld für längere Zeit anlegen möchte (länger als 15 Jahre) und eher risikofreudig ist, für den gilt: 20 % kommen auf ein Tagesgeldkonto, 80 % in einen ETF-Sparplan. Für weniger Risiko sollten 60 % aufs Tagesgeldkonto und 40 % in einen weltweiten Aktien-ETF fließen.

28. Jan 2026

|

Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.