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28. Jan 2026

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Business

Motivation jenseits des Gehaltszettels

Journalist: Christian Kolb

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Foto: Getty Images/unsplash, Jonas/unsplash, Felipe Ditadi/unsplash

In Zeiten des Fachkräftemangels hat sich das Machtgefüge in Teilen des Arbeitsmarkts verschoben.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist gespalten wie selten – in einigen Bereichen werden Arbeitsplätze abgebaut, doch in anderen Bereichen herrscht ungebrochen der Fachkräftemangel. Wer in diesen Bereichen Top-Talente gewinnen und langfristig binden möchte, muss nicht nur ein gutes Gehalt zahlen, sondern sich etwas einfallen lassen. Ein gut aufgesetztes strategisches Benefit-Management kann Bewerbende anziehen, die Motivation der Mitarbeitenden steigern und das Ganze für Arbeitnehmende und Arbeitgebende zudem auch steuerlich optimieren.

Die wichtigste Frage ist, welche Benefits in der einzelnen Branche und im Unternehmen besonders wirksam sind. So mag eine dynamische Event-Agentur mit Eintrittskarten für das Wacken Open Air für Begeisterung sorgen, während die Buchhaltung eines traditionellen Mittelständlers sich vielleicht mehr über geldwerte Gutscheine für die örtliche Gastronomie freuen. Und natürlich kommt es auch auf die einzelnen Menschen an: Je individueller ein Benefit-System aufgesetzt ist, umso besser funktioniert ist.

Ein steuerfreier Sachbezug für Mitarbeitende ist bis 50 Euro im Monat – also 600 Euro im Jahr – möglich. Dazu können Unternehmen ihren Mitarbeitenden z. B. Gutscheine zum Tanken, zum Kauf von Waren etc. überlassen oder diesen Zuschüsse für die Kantine zahlen. Um als Sachbezug zu gelten, muss die Zahl der Akzeptanzstellen oder kaufbaren Waren beschränkt sein. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kommt das Geld ohne Steuerabzug bei den Mitarbeitenden an. Neben materiellen Motivatoren sollten vorausschauende Unternehmen im Blick behalten, wie Arbeitsbedingungen und Strukturen auf die Motivation der Mitarbeitenden wirken.

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Die Mobilität als Erfolgsfaktor

Die Art und Weise, wie Mitarbeitende ihren Arbeitsweg gestalten und Dienstreisen absolvieren, hat sich grundlegend gewandelt. So bieten moderne Carsharing-Verträge Mitarbeitenden die Möglichkeit, Autos nicht nur für die nächste Dienstreise, sondern auch privat zu mieten. Auch beim Deutschland-Ticket können sich Arbeitgebende engagieren: Wenn der Arbeitgebende einen freiwilligen Zuschuss von mindestens 25 Prozent gibt, kostet das Ticket den Nutzenden ab Januar 2026 nur maximal 44,10 Euro im Monat. Und auch beim Leasing eines modernen Fahrrads oder E-Bikes können Arbeitgebende sich engagieren und Mitarbeitenden ermöglichen, ein Rad aus dem Bruttogehalt zu leasen. Wartung und Versicherung sind oft inbegriffen.

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Firmenfitness als Wettbewerbsvorteil

In einer Arbeitswelt, die zunehmend durch sitzende Tätigkeiten und psychische Belastungen geprägt ist, rückt die körperliche Gesundheit der Mitarbeitenden in das Zentrum der Unternehmens-Strategie. Ein modernes Gesundheitsangebot kann helfen, die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Mitarbeitenden zu denken. Aus Mitarbeitendensicht kann eine vergünstigte oder kostenlose Mitgliedschaft in einem örtlichen Fitnessstudio oder Sportverein für Motivation sorgen, in der Freizeit mehr für die eigene Gesundheit zu tun. Wer regelmäßig trainiert, tut nicht nur etwas für die eigene Gesundheit, sondern soll nach Erkenntnissen eines Trainingsanbieters auch besser mit Stress und dem im Arbeitsalltag geforderten Zeitmanagement umgehen können. Größere Firmen können natürlich auch direkt auf dem Firmengelände einen Fitnessraum einrichten. Für Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, die gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen, dürften Arbeitgebende pro Jahr und Person 600 Euro steuerfrei ausgeben.

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Das Büro zieht an den Strand

Bei einer „Workation“ übt man seinen Beruf an einem Ort aus, an dem man sonst Urlaub machen würde. „Workation“ – eine Kombination aus Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) – beschreibt ein Arbeitsmodell, bei dem der bewussten Ortswechsel in eine inspirierende Umgebung im Mittelpunkt steht. Dank digitaler Systeme – von der Dateiablage bis zur Videokonferenz – ist die physische Präsenz im Büro für Wissensarbeiter immer unwichtiger geworden. Das schafft die Möglichkeit, bei einer Workation tagsüber produktiv zu arbeiten und nach Feierabend in eine entspannte und inspirierende Urlaubsatmosphäre einzutauchen.

Laut Institut der Deutschen Wirtschaft bieten aktuell 15 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, mobil im Ausland zu arbeiten. Je größer das Unternehmen, so flexibler wird das Thema gehandhabt. Der Tapetenwechsel in ein Hotel oder eine Ferienwohnung zum Beispiel im Sonnengürtel Europas zwischen den Kanarischen Inseln und Griechenland bietet Unternehmen und Mitarbeitenden Vorteile. Wer gleich nach der Arbeit zum Surfen gehen oder sich an den Strand legen kann, ist in der Regel hoch motiviert, seine Arbeit gut zu machen. Und Mitarbeitende können ihre Freizeit an ihren Lieblingsorten verbringen und so eine bessere Work-Life-Balance genießen. Kreativer Input aus der jeweiligen Region inklusive.

Damit die „Workation“ gut funktioniert, muss man nicht nur auf eine mögliche Zeitverschiebung und die Verfügbarkeit von Mobilfunk und schnellem Internet achten, sondern auch auf die Formalitäten. Nachdem man die arbeits-, sozialversicherungs-, und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen im Gastland geprüft hat, weiß man, wie lange man bleiben darf und auch, ob über eine A1-Entsendebescheinigung des deutschen Arbeitgebenden hinaus noch etwas gebraucht wird.