28. Jan 2026
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Business
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Presse, Paris Bilal/unsplash
Joi Bella alias Joanne Glinka hat in ihrem Buch „Bye Bye, Toxic Leader“ ihre Erfahrungen vom Traumjob zum Albtraum verarbeitet. Was viele nicht vermuten: Auch in super coolen Start-ups gibt es schlechte Führung.

Joanne Glinka (@joi_bella), Content Creatorin
Joanne, in einem Start-up erwartet man neben viel Enthusiasmus vor allem eine lockere Arbeitskultur mit viel Spaß – oder? Bei vielen Start-ups ist das bestimmt auch genau so der Fall! Aber auch wenn alles so locker, jung und spaßig wirkt, gibt es immer zwei Seiten der Medaille: Neben der guten Stimmung und dem Teamspirit gehören oft auch viel Druck, Performance und ein extrem hoher Workload dazu. Der Spaß ist vordergründig durchaus vorhanden, enormer Stress aber ebenso.
Was hast du genau erfahren? Kurz gesagt: Ich habe in einem Start-up gearbeitet und dort eine ziemlich toxische Erfahrung gemacht, vor allem mit den Führungskräften. Das Hauptproblem war die schlechte Kommunikation: Das Unternehmen hatte andere Ziele als wir im Team, was extremen Leistungsdruck erzeugt hat. Meine eigenen Ziele konnte ich so nicht erreichen. Ich habe die Herausforderungen offen angesprochen, doch anstatt das ernst zu nehmen, kam noch mehr Druck. Positives Feedback von Kollegen wurde abgetan, meine Arbeit stark kontrolliert und am Ende wurde ich sogar kurzfristig in eine andere Abteilung versetzt. Insgesamt also viel Druck, wenig Verständnis und kaum echtes Zuhören.
Für mich ist bei Führungskräften offene und ehrliche Kommunikation das A und O. Herausforderungen sollen angesprochen und gemeinsam lösungsorientiert angegangen werden.
Warum hast du aus dieser Erfahrung ein Buch geschrieben? Ich habe meine Erfahrung auf Instagram geteilt, weil meine Community wusste, dass ich im Influencer-Marketing arbeite. Trotz meiner Angst vor Stigmatisierung bekam ich überwältigend positives Feedback. Viele fühlten sich verstanden und weniger allein.
Daraufhin teilte ich Tipps und griff das Thema öfter auf. Etliche meiner Follower hinterfragten dadurch ihren Job, etliche wechselten ihn sogar – und sind heute glücklicher. Dadurch sah ich, dass es echten Bedarf gibt. Um zu helfen, ohne mein Privatleben komplett offenzulegen, habe ich meine Erfahrungen in einem Sachbuch niedergeschrieben.
Was hättest du dir von Vorgesetzten gewünscht, um Höchstleistungen zu bringen? Für mich ist bei Führungskräften offene und ehrliche Kommunikation das A und O. Herausforderungen sollen angesprochen und gemeinsam lösungsorientiert angegangen werden. Vertrauen und Respekt gehören genauso dazu: ernst genommen werden, nicht nur eine Nummer sein, Gefühle äußern können. Bei Teammitgliedern ist es ähnlich: Offenheit, Austausch und ein starkes Teamgefühl stehen im Mittelpunkt. Die Chemie sollte stimmen: Man muss keine besten Freunde sein, aber ich könnte nirgends arbeiten, wo die Chemie gar nicht stimmt.
Was macht deine eigene GmbH so angenehm? Ich bin jetzt meine eigene Chefin und habe ein Unternehmen nach meinen Werten gegründet, und das fühlt sich richtig gut an! Natürlich bringt Selbstständigkeit neue Herausforderungen und viel Lernbedarf mit sich, aber für mich überwiegt klar das Positive. Eines meiner Unternehmen ist unsere Coffeebrand CAT BEANS CLUB, die jetzt seit fast einem Jahr besteht. Ich bin sehr dankbar, meine Träume so verwirklichen zu können und freue mich auf alles, was kommt.
Die Chemie sollte stimmen: Man muss keine besten Freunde sein, aber ich könnte nirgends arbeiten, wo die Chemie gar nicht stimmt.