24. Sep 2026
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Gesundheit
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Getty Images/unsplash
Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten und zeigen sich bei Jungen und Männern häufig anders als bei Mädchen und Frauen. Wut, Reizbarkeit, exzessives Gaming, später auch übermäßige Arbeit oder Sportsucht können Ausdruck einer psychischen Erkrankung sein. Auch Bluthochdruck kann mit psychischem Stress und Depressionen zusammenhängen. Umso wichtiger ist es, diese oft weniger offensichtlichen Warnsignale ernst zu nehmen.
Depressionen können viele Ursachen haben, und manchmal liegen diese sogar noch vor der Geburt: Bereits starker und chronischer Stress der Mutter während der Schwangerschaft kann das Risiko für spätere psychische Belastungen des Kindes erhöhen. Dabei können Veränderungen der Gehirnentwicklung, epigenetische Prozesse und eine erhöhte Empfindlichkeit des Stressregulationssystems eine Rolle spielen.
Depressionen können bereits im Kindesalter auftreten und sich beispielsweise durch Spielunlust, schnelle Entmutigung und ein überwiegend trauriges oder „leeres“ Gesicht zeigen. Im Vorschulalter ist etwa eins von hundert Kindern betroffen, im Grundschulalter etwa zwei Prozent. Bei Jugendlichen erkranken etwa fünf bis zwölf Prozent an einer Depression. Häufig treten zusätzlich Angststörungen, Essstörungen oder ADHS auf.
Während der COVID-19-Pandemie haben depressive Symptome bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen, besonders oft wurden sie bei Mädchen diagnostiziert. Bei Jungen können sich Depressionen teilweise anders zeigen – sie reflektieren ihre Gefühle oft nicht gut und sprechen seltener über sie, sondern äußern ihre Belastung eher durch Reizbarkeit, Rückzug, aggressives Verhalten und übermäßiges Gaming. Da sich das Gehirn während der Pubertät neu vernetzt, sind Veränderungen bei Schlafbedürfnis und Verhalten zunächst normal, mehr als 20 Fehltage pro Halbjahr wegen Verschlafens, dauerhaft ausbleibende Hausaufgaben und Lernverweigerung oder starker sozialer Rückzug sollten Eltern jedoch aufmerksam machen. Auch häufige Bauchschmerzen können seelische Ursachen haben, sollten aber ebenso auf körperliche Ursachen untersucht werden.
Depressionen können bereits im Kindesalter auftreten und sich beispielsweise durch Spielunlust, schnelle Entmutigung und ein überwiegend trauriges oder „leeres“ Gesicht zeigen.
Männer haben statistisch gesehen seltener diagnostizierte Depressionen als Frauen, gleichzeitig ist ihre Suizidrate deutlich höher. Laut dem Robert Koch-Institut zeigten 2024 etwa 19 Prozent der erwachsenen Männer in Deutschland depressive Symptome; bei knapp sechs Prozent lagen mittelschwere bis schwere Symptome vor. Dabei handelt es sich um Ergebnisse eines Screenings und nicht um die Zahl ärztlich diagnostizierter Depressionen.
Depressive Männer zeigen nicht immer „klassische Traurigkeit“, sondern oftmals Reizbarkeit, Wutausbrüche, geringe Selbstkontrolle, Unzufriedenheit und eine extreme Arbeits- oder Sportbelastung. Auch zunehmender Alkoholkonsum, exzessives Kaufverhalten oder starke Risikobereitschaft sowie häufige Anfeindungen und Vorwürfe gegenüber der Partnerin können auf eine psychische Belastung hinweisen – und sind keineswegs „normale“ männliche Verhaltensweisen. Unbehandelt können Depressionen zu einer ausweglos erscheinenden Lage führen: 2024 haben sich in Deutschland 7.414 Männer das Leben genommen, das entspricht mehr als 71 Prozent aller Suizide. Jeder Selbstmord lässt im Durchschnitt mindestens zehn Betroffene zurück, die in vielen Fällen selbst psychologische Hilfe brauchen.
Wichtig zu wissen: Weder eine vorgeburtliche Belastung noch Traumata in der Kindheit sind ein unabänderliches Schicksal, das zu einer Depression führt. Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Schicksalsschläge wie den Tod nahestehender Menschen, Jobverlust, gesundheitliche Einschränkungen im Alter oder andere einschneidende Veränderungen. Es kann nur nicht jeder Mensch gleich gut damit umgehen – und das ist keine Schande. Manchmal braucht man psychologische Unterstützung, um wieder das Steuer über sein Leben in die Hand zu nehmen.
Wer spürt, dass er Hilfe braucht, kann hier anrufen: TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117 Stiftung Deutsche Depressionshilfe 0800 - 33 44 533 Die Nummer gegen Kummer ist für junge Menschen unter 116 111 erreichbar In akuten Notfallsituationen: 112 – oder sofort in die psychiatrische Notaufnahme fahren