24. Sep 2026
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Gesundheit
Journalist: Chan Sidki-Lundius
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Foto: Diana Light/unsplash
Was zunächst wie eine Mutprobe wirkt, ist für viele Menschen längst Teil ihrer Gesundheits- und Trainingsroutine: Kryotherapie boomt.
Der Atem stockt. Ein kurzer Moment des Zögerns, dann tauchen die Füße, dann der Rest des Körpers in das eiskalte Wasser. Die Haut brennt, der Körper ist angespannt, fordert den Rückzug. Doch nach den ersten Sekunden geschieht etwas Unerwartetes: Der Schock weicht einer ungewohnten Klarheit. Die Atmung wird ruhiger, der Kopf frei. Was früher allenfalls couragierten Winterschwimmern vorbehalten war, ist heute für viele Menschen zum festen Bestandteil ihrer Gesundheits-, Trainings- und Wellnessroutine geworden. Eisbaden ist angesagt wie nie, ob im Meer, See, Fluss oder in der heimischen Regentonne. Auch Wellnessstudios, Physiotherapiepraxen und Rehabilitationszentren sind auf den Trend aufgesprungen und bieten mittlerweile verschiedene Kälteanwendungen an.
Der Begriff Kryotherapie leitet sich vom griechischen Wort „kryos“ für Kälte ab. Die gezielte therapeutische Anwendung niedriger Temperaturen ist ein bereits seit Jahrzehnten erfolgreich verwendetes Mittel, um das Immunsystem und Wohlbefinden zu stärken, Entzündungsprozesse im Körper zu verlangsamen und Schmerzen, zum Beispiel chronische Gelenkschmerzen, zu lindern. Außerdem unterstützt Kälte den Abbau des Stresshormons Cortisol. Vor dem Schlafen steigert sie die Schlafqualität.
Kälte wirkt abschwellend, ist schmerzlindernd und entzündungshemmend. Und neueste Studien zeigen, dass das auch bei Lipödem-Patientinnen symptomatisch sehr hilfreich sein kann.
Studien zeigen außerdem, dass Kälte Muskelkater reduzieren und vorbeugen kann. Darüber hinaus hilft Kälte dabei, im Sport die Regeneration anzukurbeln und damit die Regenerationszeit zu verkürzen. Die Folge: bessere Wettkampf- und Trainingseinheiten. Daher verwundert es nicht, dass immer mehr Profis, Leistungssportler wie auch ambitionierte Freizeitsportler gezielt Kälteanwendungen nutzen, um das Beste aus ihrem Körper herauszuholen. Das Spektrum reicht von klassischen Eispackungen und Kältesprays über lokale Behandlungen einzelner Körperregionen wie der Bein- und Gesäßmuskulatur bis zur Ganzkörper-Kryotherapie in speziellen Kältekammern und Eisbädern. Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev vertraut auf ein spezielles Kühlgerät mit Kühlhose, das ganz ohne Eis funktioniert. Dieses nutzt er zur Regeneration und als festen Bestandteil seiner täglichen Trainingsroutine. „Meine Beine fühlen sich nach der Kühlung viel leichter und besser an, insgesamt bin ich danach auch frischer. Und wenn ich abends kühle, schlafe ich deutlich besser“, berichtet er. Praktisch: Das Kühlgerät steht bei ihm zu Hause, bei großen Turnieren hat er es im Hotel immer dabei.
Auch für den bei Leeds United spielenden Fußballer Anton Stach ist die Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten genauso wichtig wie das Training selbst. „Die Kühlung mit meinem Gerät und der dazugehörigen Kühlhose gibt mir das Gefühl eines Eisbades, nur deutlich entspannter und länger auszuhalten.“
Kälte, bewährt in Medizin und Rehabilitation Auch außerhalb des Sports ist Kryotherapie fest etabliert. Orthopäden und Physiotherapeuten setzen sie bei MS und Restless Legs, bei Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie im Rahmen der Rehabilitation nach Operationen ein. In der Dermatologie wird extreme Kälte genutzt, um Warzen oder Hautveränderungen zu entfernen. Die Physiotherapeutin Kerstin Waldvogel-Röcker setzt ebenfalls intensiv auf Kälte. „Kälte wirkt abschwellend, ist schmerzlindernd und entzündungshemmend. Und neueste Studien zeigen, dass das auch bei Lipödem-Patientinnen symptomatisch sehr hilfreich sein kann.“