Diesen Artikel teilen:

24. Sep 2026

|

Gesundheit

Genuss ohne Verzicht

Journalist: Jakob Bratsch

|

Foto: Presse

Bewusste Ernährung muss kein Verzichtsprogramm sein. Gerade dort, wo Unverträglichkeiten oder sogar strikte medizinische Erfordernisse eine besondere Auswahl erfordern, zeigt sich, wie vielfältig Genuss heute sein kann.

Mehr als eine Frage des Speiseplans Was auf den Tisch kommt, ist heute individueller denn je. Gesundheitliche Bedürfnisse, persönliche Vorlieben, ethische Überzeugungen und der Wunsch nach guter und auch nachvollziehbarer Qualität prägen die tägliche Auswahl.

Bewusste Ernährung bedeutet dabei nicht, Genuss gegen Vernunft auszuspielen. Sie beginnt vielmehr mit der Frage, was zum eigenen Leben passt: eine ausgewogene Auswahl, hochwertige Zutaten, eine abwechslungsreiche Küche und Lebensmittel, die im Alltag auch und gerade bei besonderen Bedürfnissen verlässlich funktionieren.

Wenn Glutenfreiheit medizinisch notwendig ist Für Menschen mit Zöliakie ist glutenfreie Ernährung keine vorübergehende Mode und keine bloße Präferenz. Zöliakie ist keine Unverträglichkeit, sondern eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Reaktion des Immunsystems auslöst und die Dünndarmschleimhaut schwer schädigen kann. Deshalb muss Gluten dauerhaft und konsequent gemieden werden; bereits kleinste Spuren können eine Immunreaktion auslösen. Derzeit liegt die einzig wirksame Therapie in einer strikt glutenfreien Ernährung. Davon zu unterscheiden sind andere Gründe, aus denen Menschen auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten, etwa eine Weizenallergie. Auch gehört die sog. „Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität“ dazu, bei der Menschen nach dem Verzehr von glutenhaltigem Getreide Beschwerden beobachten, ohne von Zöliakie betroffen zu sein. Nicht jede Beschwerde nach dem Essen hat denselben Auslöser. Umso wichtiger ist es, medizinische Fragen fachlich abklären zu lassen.

Bewusste Ernährung bedeutet nicht Verzicht, sondern Genuss – vorausgesetzt, Qualität, Vielfalt und persönliche Bedürfnisse werden zusammengedacht.

Von der Spezialkost zum selbstverständlichen Genuss Betroffene wollen auch glutenfrei genießen können. Verträglichkeit allein genügt nicht. Backwaren sollen eine angenehme Textur haben und aromatisch sein. Auch Pasta soll beim gemeinsamen Essen selbstverständlich dazugehören. Durchdachte Rezepturen und sorgfältig ausgewählte Rohstoffe tragen dazu bei, dass glutenfreie Produkte heute vielfältiger und näher an vertrauten Essgewohnheiten sind.

Dabei lohnt ein genauer Blick auf das gesamte Produkt. Glutenfrei ist nicht automatisch gleichbedeutend mit ausgewogen oder hochwertig. Entscheidend sind Zutatenliste, Nährwert, Verarbeitung und Transparenz des Herstellers. Für Menschen mit Zöliakie kommt außerdem die sichere Vermeidung von Gluten-Kontamination hinzu. Qualität zeigt sich hier also nicht nur im Geschmack, sondern auch in Sorgfalt und Verlässlichkeit.

Bio-Qualität und Nachhaltigkeit mitdenken Für viele VerbraucherInnen gehört die Entscheidung für Bio zu einem bewussten Einkauf. Sie verbinden damit hochwertige Rohstoffe und Verantwortung für Mensch und Umwelt. Auch Nachhaltigkeit ist kein einzelnes Versprechen, sondern die Summe vieler bewusster Entscheidungen in den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales, die belegbar sein müssen.

Vielfalt, die im Alltag funktioniert Genuss entscheidet sich oft in kleinen, alltäglichen Situationen: beim Frühstück, beim gemeinsamen Abendessen oder wenn spontan Gäste kommen. Je größer die Auswahl an glutenfreien Broten, Brötchen, Gebäck, Pasta und weiteren Produkten ist, desto leichter lässt sich eine besondere Ernährungsweise in den normalen Tagesablauf integrieren. Das schafft Sicherheit – und Raum für das, was beim Essen im Mittelpunkt stehen sollte: Geschmack, Gemeinschaft und Freude.

Die moderne Ernährung bietet dafür mehr Möglichkeiten denn je. Bewusst zu essen bedeutet informiert zu wählen und dabei eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen. Auch glutenfreie Ernährung muss nicht auf ein Verzichtsprogramm beschränkt sein, sondern kann und soll ein selbstverständlicher Teil einer vielfältigen Esskultur werden.

24. Sep 2026

|

Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.