24. Sep 2026
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Gesundheit
Journalist: Silja Ahlemeyer
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Foto: Sebastian Bahr, Chander R/unsplash
Gesund alt werden ist kein Zufall. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse erklärt, worauf Männer bei Bewegung, Vorsorge und Ernährung achten sollten.

Prof. Dr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler
Professor Froböse, wir werden zwar immer älter, aber nicht gesünder. Was läuft in unserer Gesellschaft falsch? Das Ziel war es bisher, einfach nur die Lebensspanne zu verlängern. Jetzt sehen wir, dass das nicht reicht. Die Volkskrankheiten haben dramatisch zugenommen, und wir haben uns leider daran gewöhnt. Viel zu viele Menschen nehmen Blutdruckmedikamente. Früher trat Diabetes Typ 2 überwiegend im höheren Lebensalter auf, heute betrifft die Erkrankung zunehmend auch jüngere Menschen. Und das nehmen wir einfach hin. Das muss sich ändern.
Es ist allgemein bekannt, dass Bewegung die beste Präventionsmaßnahme gegen Alterskrankheiten ist. Warum bewegen sich die Menschen trotzdem so wenig? Man redet sich ein, dass man sich genug bewegt. Daran haben auch die Medien Anteil. Immer heißt es, man soll 10.000 Schritte am Tag machen. Gesundheit ist aber auch eine Frage der Belastungsintensität. Beim gemütlichen Schlendern entsteht auch bei 10.000 Schritten kein Trainingsreiz. Wer fit bleiben will, muss regelmäßig Herz- und Atemfrequenz erhöhen.
Also reicht auch einfache Gartenarbeit, Hausarbeit oder Spazierengehen nicht aus, um gesund zu altern? Nein. Man sollte so trainieren, dass die Sauerstoffaufnahme richtig in Gang kommt. Faustregel: vier Schritte einatmen, vier Schritte ausatmen. Also etwas schneller als Spazierengehen. Aber bitte nicht sofort im Neonshirt mit Fitnesstracker den Weltrekord in Angriff nehmen. Das wäre auch typisch wir Männer, aber das bleibt bitte den Leistungssportlern vorbehalten.
Nur 34 Prozent der Männer gehen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Das muss besser werden.
Welche drei Gewohnheiten hätten aus Ihrer Sicht den größten Einfluss darauf, möglichst lange gesund und leistungsfähig zu bleiben? Erstens: dreimal pro Woche moderates Ausdauertraining. Zweitens: zweimal wöchentlich ergänzend Muskeltraining. Eine funktionierende Muskulatur sieht nicht nur besser aus, sondern senkt die Sturzgefahr. Außerdem gibt es Hinweise, dass sie das Risiko für Demenz und Alzheimer verringern kann. Krafttraining wirkt sich zudem günstig auf den Hormonhaushalt aus – Stichwort Testosteron. Das beeinflusst auch die sexuelle Leistungsfähigkeit. Drittens: Finger weg von Zigaretten und Alkohol.
Welche Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt sind für Männer wirklich wichtig? Prostata-Check ab 45, Darmkrebsvorsorge ab 50 und die einmalige Untersuchung der Bauchaorta ab 65 sind die Top 3. Zusätzlich halte ich eine Leistungsdiagnostik mit Bestimmung der VO₂max für sinnvoll. Dabei wird unter Belastung, etwa auf dem Ergometer, gemessen, wie viel Sauerstoff der Körper maximal aufnehmen und verwerten kann. Dieser Wert ist ein guter Indikator für die Ausdauerleistungsfähigkeit und steht in engem Zusammenhang mit der langfristigen Gesundheit.
Diese beginnt bereits im Kindesalter. Was müssen etwa Eltern von Teenagern ihren Jungs mitgeben, damit sie als Männer gesund alt werden? Am besten, möglichst früh Verantwortung für sich selbst zu übernehmen! Junge Menschen haben im Vergleich zu früheren Generationen ein um 168 Prozent höheres Risiko für Magen-Darm-Krebs. Das liegt zum Großteil daran, dass sie zu viele industriell verarbeitete Lebensmittel essen. Wir nehmen rund 1.000 Kilogramm Nahrung pro Jahr zu uns. Das muss guter Sprit sein. Weg mit Zuckerdrinks, her mit Bewegung.
Gesundheit ist aber auch eine Frage der Belastungsintensität. Beim gemütlichen Schlendern entsteht auch bei 10.000 Schritten kein Trainingsreiz.
Prof. Dr. Ingo Froböse war in den 80er-Jahren deutscher Vizemeister über 100 Meter und Hochschulmeister über 200 Meter. Ursprünglich kommt er jedoch aus dem Bobsport: Vor seiner Leichtathletik-Karriere war er dort als Anschieber unterwegs.