24. Sep 2026
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Gesundheit
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Presse, Getty Images/unsplash
Prof. Dr. med. Frank Sommer ist Universitätsprofessor für Männergesundheit in Hamburg. Sein klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik, Behandlung und Prävention von Erektionsstörungen sowie der Behandlung von Testosteronmangel und Hypogonadismus. Im Interview klärt er über Testosteron und Potenz auf.

Prof. Dr. med. Frank Sommer, Universitätsprofessor für Männergesundheit in Hamburg
Herr Professor Dr. Sommer, wie wichtig ist Testosteron für die Potenz? Je höher der Testosterongehalt, desto potenter? Nein, mehr Testosteron bedeutet keinesfalls mehr Potenz. Manche Männer mit niedrigem Testosteronspiegel haben gar keine Symptome, andere dagegen leiden an Abgeschlagenheit, Müdigkeit, verminderter Libido bis hin zu Erektionsstörungen – hier spielt Testosteron eine wichtige Rolle. Dann können eine Testosteronersatztherapie oder Maßnahmen, die die körpereigene Testosteronproduktion wieder anregen, sinnvoll sein. Ein niedriger Testosteronspiegel kommt übrigens in Industrienationen häufig vor. Hat ein Mann hingegen normale Testosteronwerte, fühlt sich leistungsfähig, leidet nicht unter Depressionen oder Ängstlichkeit und hat eine normale Libido sowie eine gute Erektionsfähigkeit, macht mehr Testosteron weder potenter noch leistungsfähiger.
Wie kann man seinen Testosterongehalt steigern? Durch gezielte Ernährung, körperliche Aktivität und mentale Fitness kann man seinen Testosteronspiegel um maximal 23 Prozent erhöhen, was unsere Studien mit der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit gezeigt haben. Wer also einen sehr niedrigen Testosteronspiegel samt Symptomen hat, braucht Unterstützung von außen. Dass Männer aus Industrienationen immer schlechtere Testosteronwerte haben, liegt vor allem an mangelnder Bewegung und immer schlechterer Ernährung. Das führt erstens dazu, dass die Hoden, in denen circa 95 Prozent des Testosterons produziert werden, schlecht durchblutet sind, und zweitens zu mehr Bauchfett. Dieses viszerale Bauchfett klaut dem Körper Testosteron – und verstoffwechselt es noch dazu in weibliche Hormone. Auch bei Siegern und Verlierern sportlicher Wettkämpfe ist der Unterschied sichtbar: Gewinner weisen deutlich erhöhte Testosteronwerte auf, und Verlierer stark gesunkene.
Die wichtigste Grundlage ist ein gesunder Lebensstil: eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, ungesunden Fetten und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Welche Faktoren haben weiterhin Einfluss auf die Potenz? Eine Erektion ist sehr komplex. Damit sie funktioniert, braucht der Mann gesunde Nerven, denn sie steuern die Erektion. Die Potenzmuskulatur – ein Teil der Beckenbodenmuskulatur – stabilisiert die Erektion, indem sie das Blut im Penis hält. Auch die Beschaffenheit des Penisgewebes ist wichtig. Sie wird im Alter schlechter; ein ungesunder Lebensstil beschleunigt diesen Prozess massiv.
Weiterhin muss ausreichend Blut in den Penis gelangen, sich gleichmäßig verteilen und dort gehalten werden. Sind die Blutgefäße verengt, kann das nicht nur Erektionsstörungen verursachen, sondern auch ein Hinweis auf einen viele Jahre später kommenden Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.
Wie kann Mann seine Potenz bis ins hohe Alter erhalten? Die wichtigste Grundlage ist ein gesunder Lebensstil: eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, ungesunden Fetten und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Dazu gehören auch regelmäßige Bewegung mit Kraft- und Ausdauertraining sowie ein guter Umgang mit Stress.
Gezielte Übungen für die Beckenboden- bzw. Potenzmuskulatur unterstützen bei den ersten Veränderungen. Auch bestimmte Lebensmittel wie Haferflocken, Nüsse und Kreuzblütler, etwa Brokkoli, können die Gefäßgesundheit positiv beeinflussen. Wesentlich ist jedoch die Suche nach der Ursache, denn nur wenn diese diagnostiziert ist, kann eine gezielte Behandlung erfolgen.
Wie steht es insgesamt um die Potenz der Männer in Deutschland? Alle fünf Jahre sehen wir eine starke Zunahme an Erektionsstörungen, in allen Altersgruppen, auch bei jungen Männern. Der Grund liegt vorrangig in schlechter Ernährung und mangelnder Bewegung.