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24. Sep 2026

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Wirtschaft

Deutschland braucht die Chemie

Journalist: Julia Butz

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Foto: Mihail Cioibica/unsplash

Viele Transformationen könnten ohne neue chemische Lösungen nicht umgesetzt werden. Die Industrie ist ein wesentlicher Enabler für Innovation.

Die Chemie steht häufig am Anfang von Wertschöpfungsketten. Von Basischemikalien über Zwischenprodukte, Polymere und Spezialchemikalien bis hin zu Pharmazeutika: Chemische Produkte und Verfahren spielen in vielen Branchen und Lebensbereichen eine wichtige Rolle, ob für Energie, Mobilität, Medizin, Bauwirtschaft oder Ernährungssicherheit.

Durch ihre enge Verflechtung mit anderen Wirtschaftsbereichen nimmt die Chemieindustrie damit eine Querschnittsfunktion ein, die weit über die eigenen Branchengrenzen hinausreicht. Ihre Innovationsfähigkeit beeinflusst nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Chemie selbst, sondern kann auch die Entwicklung und Leistungsfähigkeit nachgelagerter Industrien sowie zahlreicher Zukunftsmärkte bestimmen. Daraus ergibt sich eine doppelte Herausforderung: Die chemische Industrie muss sich selbst transformieren und ihre eigenen Produktionsprozesse und Rohstoffstrukturen grundlegend innovieren und gleichzeitig die Lösungen für die Transformation ihrer Kundenindustrien ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Umstellung auf erneuerbare Energien und alternative Rohstoffquellen, die Elektrifizierung und Effizienzsteigerung von Produktionsprozessen, der Aufbau einer leistungsfähigen Kreislaufwirtschaft sowie die Entwicklung neuer Verfahren zur Nutzung und Vermeidung von CO₂.

Die Sicherung der Chemiebranche ist eine Frage der industriellen Innovationskraft Deutschlands.

Die Sicherung der Chemiebranche ist damit gleichzeitig eine Frage der industriellen Innovationskraft und der Fähigkeit Deutschlands, technologische Lösungen für die Transformation zu entwickeln. Dafür müssen Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion eng miteinander verzahnt bleiben, Innovationen schneller in die kommerzielle Anwendung überführt werden und die dafür notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten am Standort Deutschland erhalten bleiben. Hohe Energie- und Produktionskosten, regulatorische Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren aber können die dazu notwendigen Investitionsentscheidungen zulasten des Standorts Deutschland beeinflussen. Eine schrittweise Verlagerung chemischer Produktion würde nicht nur Wertschöpfung und Arbeitsplätze betreffen, sondern auch den Verlust von Know-how und Innovationspotenzial. Aktuelle Erhebungen des VCI1 deuten auf eine zunehmende Verlagerung von Investitionsaktivitäten ins Ausland hin. Bereits 43 Prozent der befragten Unternehmen geben an, Investitionen teilweise oder deutlich ins Ausland zu verlagern, während die Investitionspläne für den Standort Deutschland deutlich zurückhaltender ausfallen. Entscheidend ist daher, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die chemische Industrie ihre Transformation am Standort Deutschland vorantreiben und ihre Funktion als technologischer Partner für andere Industrien weiterhin erfüllen kann. Mit der im März 2026 vorgelegten Nationalen Chemieagenda 20452 wurden hierfür zentrale Handlungsfelder identifiziert und konkrete Maßnahmen formuliert. Im Fokus stehen dabei insbesondere wettbewerbsfähige Energiepreise, der Abbau bürokratischer und regulatorischer Hürden sowie die Stärkung von Forschung, Innovation und Investitionen.

1 Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI) (2026): Standort Deutschland unter wachsendem Druck. VCI-Mitgliederumfrage zur Lage, Juni 2026. 2 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) & Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN): Chemieagenda 2026.

Fact box

Mit rund 480.000 Beschäftigten und über 200 Mrd. Euro Umsatz leisten die rund 2.000 Unternehmen aus der Chemie-, Pharma- und Biotechnologiebranche einen zentralen Beitrag zum Wachstum der deutschen Volkswirtschaft. Der VCI erwartet für 2026 einen Produktionsrückgang von 1,5 % bei Chemie und Pharma.