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30. Okt 2026

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KI muss raus aus dem Testbetrieb – mit Thomas Götz

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Privat

Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft angekommen. Jetzt entscheidet sich, ob aus Pilotprojekten produktive Anwendungen werden.

Der Einsatz von KI nimmt rasant zu. Nach einer repräsentativen Bitkom-Erhebung vom März 2026 nutzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI. Ein Jahr zuvor waren es 17 Prozent. Weitere 48 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren darüber. Mehr als die Hälfte der KI-Nutzer berichtet bereits von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg.

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Thomas Götz, Head of Technology & Innovation bei Atos Deutschland, Österreich & Zentraleuropa

Doch der Sprung vom Versuch in den laufenden Betrieb ist anspruchsvoll. Anwendungen müssen sich in vorhandene IT-Landschaften einfügen und regulatorische Vorgaben erfüllen. Hinzu kommt stets die Frage, wie Unternehmen sensible Daten schützen und Spielraum für neue Anwendungen schaffen. Bei autonomen KI-Agenten wird das deutlich: Je eigenständiger Systeme Aufgaben übernehmen, desto wichtiger werden nachvollziehbare Entscheidungen, geregelte Zugriffsrechte und menschliche Kontrolle.

Wie sich agentenbasierte KI unter diesen Bedingungen skalieren lässt, erläutert Thomas Götz, Head of Technology & Innovation bei Atos Deutschland, Österreich & Zentraleuropa. Atos ist ein internationaler Technologieanbieter für digitale Transformation mit Schwerpunkten unter anderem auf Cloud, Cybersicherheit sowie Daten und KI.

Warum scheitert die KI-Skalierung in Unternehmen so oft? Es scheitert meistens an der Operationalisierung. Schön, wenn ein Pilot gut mit kleinem Team und wenigen Datenquellen im „Labor-Modus“ funktioniert. Im produktiven Betrieb kommen Altsysteme, Governance und Compliance hinzu. Zudem erfordert Skalierung auch Standardisierung und Prozesseinbettung. Das gelingt nur, wenn alle Anforderungen schon am Anfang mitgedacht werden. Das ist leider oft nicht der Fall.

Was machen die Atos Sovereign Agentic Studios anders als klassische KI-Projekte? Wir bieten eine produktionsreife Plattform für Konzeption, Aufbau, Betrieb und Governance agentenbasierter Systeme. Ausgangspunkt ist keine Technologie, sondern ein priorisierter Geschäftsprozess mit messbaren Ergebnissen. Anschließend entwickeln wir die gesamte Leistungskette: Datenaggregation, agentische Funktionalität, Prozessorchestrierung mit Governance sowie die souveräne Infrastruktur für Daten und KI. Erst wenn Nutzen, Sicherheit und Betriebsfähigkeit nachgewiesen sind, erfolgt eine weitere Skalierung in die Produktion.

Verändert „Services as Software“ die Unternehmensorganisation durch autonome KI-Agenten? Wir verfallen hier nicht dem Hype. Agentische KI übernimmt als unterstützendes System klar definierte Aufgaben und Workflow-Abschnitte dort, wo Geschwindigkeit, Qualität und Skalierbarkeit tatsächlich durch KI gesteigert werden können und wo probabilistisches Verhalten des Systems sinnvoll ist. Menschen wechseln von der operativen Ausführung zur Konzeption, Orchestrierung und verantwortlichen Steuerung agentenbasierter Systeme. Welches Level von Autonomie sinnvoll ist, bestimmen Risiko, Regulatorik und geschäftlicher Nutzen. Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll.

Wo liegen die Grenzen von Autonomie und Kosten bei Agentic AI? Autonomie braucht klare Leitplanken: Agentische KI arbeitet nicht deterministisch und kann durchaus Überraschungen erzeugen. Jeder Agent erhält eine definierte Identität, einen begrenzten Auftrag und von einem Menschen festgelegte Berechtigungen. Kritische Entscheidungen der Agenten laufen über Human-in-the-Loop-Freigaben. Alles wird auditierbar protokolliert; Rechte werden dynamisch vergeben oder zurückgezogen, Aktionen können unterbunden werden. Wir überwachen kontinuierlich Verhalten, Qualität, Kosten und Ergebnisse.

Erst wenn Nutzen, Sicherheit und Betriebsfähigkeit nachgewiesen sind, erfolgt eine weitere Skalierung in die Produktion.

Wie passt digitale Souveränität zu Offenheit und Innovation? IT-Souveränität bedeutet, kritische Abhängigkeiten bewusst zu managen. Unternehmen müssen entscheiden können, wo und wie ihre Daten, Modelle und Workloads betrieben werden, wer Zugriff erhält und welche kritischen Abhängigkeiten sie eingehen. Die Stärkung dieser Fähigkeit treibt die Schaffung neuer Optionen und eigener Innovationen voran, anstatt Innovation nur einzukaufen. Offene Standards und Open Source, interoperable Architekturen, Datenportabilität sowie ein passendes Spektrum effizient orchestrierter Clouds in einem Hybrid-Modell unterstützen dabei die Flexibilität und strategische Manövrierbarkeit.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.