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29. Sep 2026

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Wärme aus der Tiefe – zuverlässig und nahezu überall möglich

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Privat

Der Ukrainekrieg hat deutlich gemacht, wie abhängig Deutschland und Europa von fossilen Energieimporten sind. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, die Energieversorgung zu dekarbonisieren und unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden.

Solar- und Windenergie leisten dabei bereits einen wichtigen Beitrag. Allerdings stellt ihre schwankende Verfügbarkeit eine He-rausforderung dar, insbesondere während längerer Phasen ohne Sonne und Wind. Wir brauchen daher zuverlässige und zugleich klimafreundliche Energiequellen, die sowohl die Strom- als auch die Wärmeversorgung unserer Energieversorgung sichern können. Eine vielversprechende Möglichkeit bietet dabei die Tiefengeothermie. Sie nutzt die im Untergrund vorhandene Wärme und stellt damit einen heimischen, kontinuierlich verfügbaren Energieträger dar. Welche Rolle sie künftig für eine unabhängige und klimafreundliche Energieversorgung spielen kann, soll im Folgenden betrachtet werden.

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Marco Becker, Geschäftsführer der Eavor GmbH

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Mark Fitzgerald, Präsident und CEO von Eavor Technologies Inc

Im Interview sprechen Marco Becker, Geschäftsführer der Eavor GmbH, und Mark Fitzgerald, Präsident und CEO von Eavor Technologies Inc., über die Closed-Loop-Technologie von Eavor und zeigen ihr Potenzial für die Energie- und Wärmewende auf.

Herr Becker, um eine stabile Wärmeversorgung zu sichern, haben Sie eine sehr spannende Idee realisiert. Wie genau funktioniert die Eavor Closed-Loop-Technologie – und was macht sie einzigartig? Unsere Technologie funktioniert wie ein riesiger, unterirdischer Wärmetauscher. Dabei wird zunächst eine Vertikalbohrung in mehreren Kilometern Tiefe vorgenommen, und von dort aus mehrere horizontale Bohrungen in das heiße Gestein geführt. Diese Horizontalbohrungen werden am Ende miteinander verbunden und bilden so mehrere Schleifen in einem geschlossenen Kreislauf. Nach Fertigstellung dieses Bohrsystems wird Wasser in den Kreislauf gegeben, das sich durch das heiße Gestein erwärmt und anschließend, aufgrund des natürlichen Dichteunterschieds zwischen kaltem und warmem Wasser, automatisch nach oben steigt. So kommt die Technologie ohne den Einsatz von Pumpen aus. Da das Wasser in einem geschlossenen System zirkuliert, ist der Wasserverbrauch zudem minimal. Anders als die konventionelle Geothermie ist unser geschlossenes Kreislaufsystem nicht auf natürliche Thermalwasservorkommen angewiesen. Dadurch ist die Technologie an deutlich mehr Standorten einsetzbar und eröffnet Kommunen und Industriebetrieben neue Möglichkeiten zur Dekarbonisierung.

Dabei verstehen wir uns ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur hydrothermalen Geothermie: Wo Thermalwasservorkommen vorhanden sind, sollten diese erschlossen werden. Wir konzentrieren uns auf die großen Bereiche des Untergrunds, in denen diese Voraussetzungen fehlen.

Wo kommt die Technologie bereits zum Einsatz und welches Potenzial bietet sie in Deutschland? Unser erstes kommerzielles Projekt entsteht in Geretsried am Starnberger See, wo wir den ersten von mehreren sogenannten „Eavor-Loops“ fertiggestellt haben. Dabei hat sich gezeigt, dass die Technologie auch im industriellen Maßstab funktioniert. Sie liefert nach dieser allerersten Ausbaustufe knapp zehn MW thermische Energie, die allerdings bis zum Aufbau des Geretsrieder Fernwärmenetzes übergangsweise in Strom umgewandelt werden. Unser wichtigster Markt ist Deutschland, insbesondere wegen der Dringlichkeit, die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren. Die Technologie stößt daher bei Stadtwerken und Investoren auf großes Interesse.

In Deutschland besteht ein enormes Potenzial für klimaneutrale Wärme aus Tiefengeothermie. Das LIAG-Institut geht davon aus, dass konventionelle Geothermie ein Viertel der deutschen Wärmeversorgung decken kann – mit unserer Closed-Loop-Technologie würde dieser Anteil künftig auf mindestens 50 Prozent steigen. Parallel arbeiten wir daran, ab etwa 2030 durch tiefere Bohrungen höhere Temperaturen zu erschließen und wirtschaftlich grundlastfähigen, klimaneutralen Strom zu erzeugen. Damit könnte Tiefengeothermie einen wichtigen Beitrag zu einem dekarbonisierten und unabhängigen Stromnetz leisten – und den Bedarf an zusätzlichen Gaskraftwerken reduzieren.

Herr Fitzgerald, wie wichtig ist der deutsche Markt für Eavor? Unser Vorzeigeprojekt in Geretsried schafft eine Blaupause für zukünftige Projekte. Deutschland ist für uns ein enorm wichtiger und attraktiver Markt: ambitionierte Dekarbonisierungsziele, eine starke Industrie, hohe Ingenieurskompetenz und ein wachsender Bedarf an zuverlässiger, lokal erzeugter Energie.

Wie profitieren Deutschland und Kanada voneinander? Kanada bringt führende Kompetenzen in Bohrtechnik und Untergrundengineering ein, Deutschland ein starkes industrielles Umfeld, Energiewende-Ziele und einen großen Markt für zuverlässige, CO₂-arme Energie. Beide Länder profitieren von mehr Energiesicherheit, wirtschaftlichem Wachstum und technologischer Entwicklung. Die Geothermie ist nur ein Beispiel für die enge Partnerschaft zwischen Kanada und Deutschland sowie für die Vorteile, die durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Innovation entstehen können.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.