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29. Sep 2026

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Wirtschaft

Regeln modernisieren – mit Urban Windelen, Geschäftsführer des Deutschen Speicherverbands BVES

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Presse, American Public Power Association/unsplash

Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet voran – doch für ein stabiles Energiesystem werden weitere Bausteine benötigt. Im Interview erklärt Urban Windelen, Geschäftsführer des Deutschen Speicherverbands BVES, welche Rolle Energiespeicher übernehmen und warum moderne Rahmenbedingungen entscheidend für ihre Nutzung sind.

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Urban Windelen, Geschäftsführer des Deutschen Speicherverbands BVES

Herr Windelen, der Ausbau von Wind- und Solarenergie kommt voran. Reicht das? Der Ausbau von Erneuerbaren ist die Grundlage – aber noch kein funktionierendes Energiesystem. Man kann es mit einem Orchester vergleichen: Die verschiedenen Instrumente müssen im richtigen Moment geordnet zusammenspielen, dann entsteht gute Musik. Die dirigierende Rolle im Energiesystem übernehmen Energiespeicher. Sie sorgen dafür, dass Energie genau dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird. So machen sie unser Energiesystem zuverlässig und flexibel.

Viele denken bei Speichern sofort an Batterien. Ist das nicht zu kurz gedacht? Absolut. Batterien sind als Stromspeicher ein wichtiger Teil der Lösung. Doch wenn wir unsere Energieversorgung kosteneffizient und sicher aufstellen wollen, müssen wir nicht nur den Stromsektor, sondern auch Wärme und Verkehr betrachten. Dabei rücken insbesondere thermische Speicher für Heizwärme, aber auch für Hochtemperaturanwendungen in der Industrie in den Fokus. Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern die Aufgabe: Energie flexibel bereitzustellen. Energiespeicher sind kein einzelnes Produkt, sondern eine ganze Werkzeugkiste für die verschiedenen Anforderungen einer modernen Energieversorgung.

Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern die Aufgabe: Energie flexibel bereitzustellen.

Welche Vorteile bieten Speicher in Co-Location? Co-Location verbindet Erzeugung und Speicher direkt an einem Standort. Überschüssiger Strom muss nicht abgeregelt werden, sondern kann zwischengespeichert und später genutzt werden. Das entlastet die Netze, erhöht die Auslastung bestehender Anschlüsse und macht erneuerbare Energien wirtschaftlicher. So holen wir mehr Nutzen aus der vorhandenen Infrastruktur, statt immer neue bauen zu müssen.

Brauchen Energiespeicher eigene Regeln? Ja. Speicher werden regulatorisch noch als Erzeuger und Verbraucher eingeordnet, obwohl sie weder das eine noch das andere tun. Speicher sind ein eigenes systemisches Element. Sie verschieben Energie auf der Zeitebene. Das war im alten Energiesystem wenig notwendig, wird aber zunehmend unverzichtbar. Wer die Chancen moderner Energiesysteme nutzen will, muss auch die Regeln modernisieren. Nur dann können Speicher ihr Potenzial für Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie und den Wirtschaftsstandort Deutschland voll entfalten.

Wer die Chancen moderner Energiesysteme nutzen will, muss auch die Regeln modernisieren.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.