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27. Jun 2025

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Wirtschaft

Deutschland und Europa im Umbruch – ein Beitrag von Dr. Peter Tschentscher

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Foto: Senatskanzlei Hamburg/Jan Pries

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und Schirmherr des EuroMinds Wirtschaftsgipfels 2025

Als Welthafenstadt und Zentrum für Wirtschaft, Forschung und Innovation ist Hamburg eng mit Europa verbunden und tritt in besonderer Weise für europäische Zusammenarbeit und Fortschritt ein. Wir sind überzeugt, dass die europäische Idee entscheidend zu Wohlstand, Demokratie und Freiheit beiträgt.

Angesichts geopolitischer Konflikte und eines wachsenden Wettbewerbs der Weltmächte muss sich die Europäische Union neu positionieren. Dabei geht es um die Stärkung der europäischen Wirtschaft und Industrie, eine klimafreundliche Energiewende, eine bessere Kooperation in Forschung und Innovation sowie umfassende Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und Energienetze.

Hamburg übernimmt dabei eine führende Rolle unter den deutschen Wirtschaftsmetropolen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Hansestadt das höchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer. Mit einem 100-MW-Elektrolyseur am Standort des früheren Kohlekraftwerks Moorburg steigt die Stadt in die Produktion von grünem Wasserstoff ein, der über ein eigenes Verteilnetz an Industriebetriebe im Hamburger Hafen geliefert werden soll. Mit dem ersten Importterminal Deutschlands für grünes Ammoniak beginnt die Hansestadt, im großen Umfang regenerative Energieträger zu importieren und der Industrie für die Dekarbonisierung ihrer Produktion zur Verfügung zu stellen.

Als Welthafenstadt und Zentrum für Wirtschaft, Forschung und Innovation ist Hamburg eng mit Europa verbunden und tritt in besonderer Weise für europäische Zusammenarbeit und Fortschritt ein.

Mit der „Science City Hamburg Bahrenfeld“ entsteht ein neuer Stadtteil, der Wissenschaft und Forschung gewidmet ist und beste Bedingungen bietet für wissenschaftliche Einrichtungen, Start-ups und innovative Unternehmen. Der Bau neuer S- und U-Bahnen, der Neubau der Köhlbrandbrücke und die Fertigstellung der A26-Ost sind Großprojekte, die einer modernen, klimafreundlichen Mobilität innerhalb Hamburgs dienen und die Anbindung des Wirtschaftsstandortes an die überregionalen Verkehrswege verbessern.

Der Wirtschaftsgipfel EuroMinds schafft ein Forum, um sich über grundlegende Fragen zu verständigen und die aktuellen Entwicklungen in Deutschland und Europa zu diskutieren. Er setzt damit wichtige Impulse in einer Zeit des Umbruchs.

2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.