29. Sep 2026
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Wirtschaft
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Benoît Deschasaux/unsplash , BEE/Rolf Schulten
Um unsere CO2-Emissionen weiter zu senken und die Energieversorgung im Land krisenfest aufzustellen, ist der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien ein wesentlicher Hebel. Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. (BEE) spricht über die Zukunft unserer Energieversorgung – und räumt dabei auch mit einigen verbreiteten Vorurteilen auf.

Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. (BEE)
Frau Heinen-Esser, welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um Deutschland unabhängiger von Energieimporten zu machen? Die hohe Dynamik der Energiewende muss beibehalten und die Marktintegration der Erneuerbaren durch mehr Flexibilitäten verbessert werden – das umfasst Netzertüchtigung in allen Formen genauso wie Speicher, Sektorenkopplung und flexible Arten von Nutzung und Betrieb. Der BEE hat gerade mit dem Fraunhofer-Institut eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass schon wenig Speicherkapazität die Flexibilität im Energiesystem deutlich erhöhen und viel Geld sparen würde. Auch die Biogasbranche könnte mit entsprechenden Modernisierungen deutlich mehr steuerbare Kapazitäten bereitstellen. Es gibt jetzt schon nachhaltige Lösungen, die schnell umsetzbar wären.
Wie lässt sich der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen, ohne Natur- und Artenschutz zu vernachlässigen? Erneuerbare und Natur- und Artenschutz sind kein Gegensatz. Windenergieanlagen zum Beispiel haben deutlich weniger Auswirkungen auf die Tierwelt, als oft behauptet wird. Das belegt eine Untersuchung vom Naturschutzbund Deutschland. Wir wissen auch, dass die Anzahl und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren deutlich ansteigt, wenn auf ehemaligen Ackerflächen ein Solarpark errichtet wird.
Die größte Gefahr für unsere Umwelt und die Artenvielfalt ist der fortschreitende Klimawandel. Diese Bedrohung unserer Lebensgrundlagen lässt sich nur aufhalten, indem wir uns von fossilen Energien lösen. Ein Windrad am Horizont mag bei manchen Menschen mehr Irritation auslösen als der Blick auf rauchende Schlote und Kühltürme eines Kraftwerks. Aber Fakt ist: Erneuerbare greifen weitaus weniger in die Natur ein als fossile Kraftwerke – und sie verlangsamen den Klimawandel.
Die größte Gefahr für unsere Umwelt und die Artenvielfalt ist der fortschreitende Klimawandel.
Wie sollte der zukünftige Energiemix in Deutschland aussehen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen gerecht zu werden und gleichzeitig eine zuverlässige, konstante und bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen? Der Energiemix der Zukunft ist erneuerbar. Die rasante Entwicklung von Speicherkapazitäten und smarter Netzsteuerung bietet viel Potenzial für ein nachhaltiges, resilientes und kostengünstiges Energiesystem. Zumal die Dürre des vergangenen Sommers gezeigt hat, dass die Zuverlässigkeit von Atom- und Kohlekraftwerken ihre Grenzen hat, wenn die Flüsse zu warm zum Kühlen oder die Pegel zu niedrig für den Kohletransport sind. Wer eine zuverlässige, konstante und bezahlbare Energieversorgung sichern will, wird das nur mit Erneuerbaren Energien erreichen.