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24. Sep 2026

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Wirtschaft

DIE INFRASTRUKTUR UNSERES WOHLSTANDES – Ein Beitrag von Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie

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Foto: VCI/Lohnes

Über die Zukunft spricht Deutschland leidenschaftlich gern. Über ihre Voraussetzungen deutlich seltener. Wir diskutieren über Windräder, Batterien, Halbleiter oder moderne Medikamente. Kaum gesprochen wird aber über das, was sie erst möglich macht: die Chemie. Sie ist die unsichtbare Infrastruktur unseres Wohlstands. Man sieht sie nicht. Aber die Lage wird dramatisch, wenn sie fehlt.

Die Zukunft der Chemie entscheidet sich längst nicht mehr nur im Labor oder in der Produktionsanlage. Sie entscheidet sich auch in der Wirtschaftspolitik. Denn der globale Wettbewerb wird heute nicht allein über Ideen geführt. Er wird über Investitionen entschieden. Über Geschwindigkeit. Und über die Frage, wo Innovation am Ende tatsächlich produziert wird.

Deutschland muss sich endlich dieser Realität stellen. Die geopolitischen Gewissheiten der vergangenen Jahrzehnte tragen nicht mehr. Staaten definieren wirtschaftliche Stärke wieder als Teil ihrer Sicherheitsarchitektur. Die USA fördern ihre Industrie mit enormer Entschlossenheit. China verfolgt seine industriepolitischen Ziele seit Jahren mit strategischer Konsequenz. Und inmitten dieser tektonischen Platten der Großmächte neigt Europa dazu, den Erfolg neuer Technologien vor allem regulatorisch begleiten zu wollen.

Wer die Chemie stärkt, stärkt deshalb weit mehr als eine Branche. Er sichert die unsichtbare Infrastruktur, auf der die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ruht.

Das funktioniert nicht mehr. Schon unser Verständnis von Transformation greift zu kurz. Lange wurde sie fast ausschließlich am Ziel der Klimaneutralität gemessen. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben eine zweite, ebenso wichtige Dimension sichtbar gemacht: Resilienz. Eine Volkswirtschaft, die Schlüsseltechnologien entwickelt, elementare Grundstoffe selbst herstellen kann und industrielle Wertschöpfung im eigenen Land hält, ist widerstandsfähiger. Sie gewinnt wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und geopolitische Souveränität.

Deshalb lautet der eigentliche Zielkonflikt unserer Zeit nicht Klima oder Industrie. Er lautet: Transformation mit Industrie oder Transformation ohne Industrie. Klimaneutralität ohne industrielle Stärke wäre ökologischer Ehrgeiz mit ökonomischem Totalschaden. Wer Produktion verliert, setzt die Zukunft aufs Spiel. Denn früher oder später verlieren wir auch das Wissen, das Kapital und die Innovationskraft, aus denen die nächste Generation von Technologien entsteht.

Dabei mangelt es Deutschland nicht an Ideen. Unsere Forschung genießt Weltruf. Unsere Unternehmen gehören in vielen Bereichen zur technologischen Spitze. Was fehlt, sind die Rahmenbedingungen, damit aus Erfindungen auch industrielle Erfolge werden. Während andere Standorte Investitionen anziehen, verteuern wir Energie, verlängern Verfahren und überziehen Unternehmen mit immer neuen Vorgaben. Regulierung soll Orientierung geben. Zu oft zersetzt sie inzwischen unternehmerische Gestaltung.

Noch ist nichts entschieden. Deutschland verfügt über alles, was ein führender Industriestandort braucht. Aber aus guten Voraussetzungen entsteht nicht zwangsläufig Erfolg. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen. Wer die Chemie stärkt, stärkt deshalb weit mehr als eine Branche. Er sichert die unsichtbare Infrastruktur, auf der die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ruht.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.