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14. Dez 2020

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Wirtschaft

„Digitalisierung gehört zu unserer DNA.“

Journalist: Armin Fuhrer

Das Kosmetik-Unternehmen Babor betreibt mit viel Engagement die Digitalisierung seiner Abläufe,  erklärt Supply-Chain-Manager Rupert Freutsmiedl.

Rupert Freutsmiedl, Supply-Chain-Manager bei Babor, Foto: Presse

Babor ist international aufgestellt, produziert aber ausschließlich in Aachen. Was bedeutet das für die Logistik?

Tatsächlich ist das ungewöhnlich, denn viele Firmen haben ihre Logistik ausgelagert. Für Babor gehört die Logistik aber zum Kernstück des Unternehmens. Wir möchten alles in einer Hand behalten. Wir wachsen unheimlich schnell. Unser Ziel ist es, bei neuen Entwicklungen stets ganz vorne dabei zu sein. Inzwischen liefern wir in 70 Länder weltweit. Zusätzlich wird die Zahl der Vertriebskanäle immer größer und reicht inzwischen von unserem Herzstück, den Kosmetikinstituten, über Flughafen-Shops, und Apotheken bis hin zum Online-Vertrieb. Alle diese Bereiche haben unterschiedliche Anforderungen an die Logistik, die berücksichtigt werden müssen. 

Zum Beispiel?

Die meisten anderen Unternehmen liefern ihre Waren auf Paletten oder in Kartons aus. Das machen wir natürlich auch, wenn es um große Kunden geht. Aber bei uns kann eben auch jeder einzelne Kunde kaufen und das bedeutet, dass wir oft nur einen Lippenstift oder eine Ampulle verschicken. Das ist ein großer Aufwand mit einer hohen Komplexität und erfordert eine sehr große Flexibilität. Das gilt besonders für das Weihnachtsgeschäft.

Wie wirkt sich die Corona-Krise aus?

Kosmetikinstitute sind geschlossen und der Verkauf in Flughafen-Shops ist stark zurückgegangen, da die Zahl der Fluggäste deutlich gesunken ist. Das merken wir natürlich. Dafür ist unser Online-Verkauf explodiert. Darauf müssen wir natürlich möglichst schnell und umfassend auch in der Logistik reagieren. 

Hinzu kommt ein weiterer großer Aufwand, da auch die Rohstoffe und Verpackungsmaterialien angeliefert und gelagert werden müssen. Ist das nicht eine sehr große Herausforderung, diese beiden Prozesse gleichzeitig zu steuern?

Ja, das ist es. Bei uns kommen ständig Rohstoffe und Verpackungsmaterialien wie Tiegel und Flaschen rein, während Waren ausgeliefert werden. Unser Tagesgeschäft wird immer komplizierter und umfangreicher. Aber trotzdem ist es unser Ziel, dass wir – bei laufendem Tagesgeschäft – bei der Transformation zu digitalen Prozessen ganz vorne dabei sind. Wir haben insgesamt 21 Digitali-sierungsprozesse laufen oder bereits ab-geschlossen. Dazu gehört zum Beispiel ein Advanced Planning-System und ein Warehouse-Management-System. Jeder einzelne Prozess ist eine echte Herausforderung und dauert zwischen einem und fünf Jahre. Um das bewerkstelligen zu können, braucht man einen langen Atem. So etwas muss einfach zur DNA des Unternehmens gehören, sonst klappt das nicht. 

Zudem wachsen die Herausforderungen nicht nur in der Logistik, sondern auch beim Supply-Chain-Management ständig. Die Lieferketten werden immer komplexer und angreifbarer, zum Beispiel durch Naturkatastrophen, Zollbarrieren und rechtliche Änderungen. Und die Zollbestimmungen sind eine Wissenschaft für sich und ändern sich häufig. Auch hier helfen digitale Prozesse ungemein. 

Können Sie sich Logistik und Supply Chain Management ohne Digitalisierung überhaupt noch vorstellen?

Definitiv nicht. Ich wüsste nicht, wie das heute noch funktionieren sollte. Deshalb treiben wir den Prozess auch zielgerichtet immer weiter an.

2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.