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10. Mär 2021

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Business

Drei ExpertInnen über die digitale Zukunft

Journalist: Jörg Wernien

Marco Junk, Geschäftsführer Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V., Foto: BVDW/Presse

Sie kennen vielleicht den Satz „Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“. Dieser Satz hat nichts an Aktualität verloren. Allerdings muss man ergänzen: Entscheidend ist, von wem. Der deutsche Mittelstand muss dabei weniger auf sein Produkt achtgeben, als vielmehr auf sein Geschäftsmodell. Wir Deutschen bauen vermutlich weiterhin die weltbesten Maschinen, das Geld wird aber immer weniger damit, als daran verdient. So steht heute nicht mehr der Verkauf von Aufzügen im Mittelpunkt, sondern dessen Ausfallsicherheit – dass Sensoren noch vor Auftreten eines Problems dieses in die Cloud melden, vielleicht sogar eingebunden in ein Mobilitätskonzept über das Gebäude hinaus, das künftig Bestandteil Ihrer Warmmiete ist. Wir müssen auf-passen, nicht zum Hardware-Zulieferer der digitalen Welt zu werden. Wenn wir in 20 Jahren zurückblicken, werden wir feststellen, dass 2010 bis 2030 dafür die entscheidenden Jahre waren; vermutlich wird die Corona-Pandemie diese Zeit weiter verdichten. Die letzten Monate haben eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig die deutsche Wirtschaft ist, die sich, im Gegensatz zum öffentlichen Sektor, sehr schnell an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst hat. Darauf können wir stolz sein. Diesen Schwung, der weniger technologisch als kulturell herausfordernd ist, sollten wir nutzen. Dabei ist die Mindestvoraussetzung für jede Form von digitalen Geschäftsmodellen eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur. Hier ist der Staat gefordert. 

Dr. Oliver Grün, Präsident des Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi), Foto: Presse

In Deutschland haben wir bisher behäbig digitalisiert und hatten dabei stets die Bedenken im Blick. Zwar war der Abstand zu den digitalen Vorreitern bedenklich groß geworden, doch so wirklich zu sorgen schienen sich die Wenigsten. Die Corona-Krise hat diese Wahrnehmung grundlegend geändert: Unsere Digitalisierungs-Defizite scheinen so deutlich und bedrohlich wie nie. Angesichts des ersten Lockdowns im letzten Frühling musste es für die meisten Unternehmen schnell gehen – die wenigsten waren auf einen hauptsächlich digitalen Betrieb ihres Geschäfts vorbereitet. Erstaunlich schnell richteten sich Firmen und An-gestellte auf das Homeoffice ein. Es war gar von einer Digitalisierungswelle die Rede. 

Doch das ist tatsächlich zu weit gegriffen. Auch wenn viele Unternehmen vor allem im Mittelstand eine erstaunliche Flexibilität an den Tag legen, kann nur bei einigen von einer langfristigen Digitalisierung die Rede sein. Für einen echten digitalen Turnaround reicht es nicht aus, Kommunikation und bestehende Prozesse zu digitalisieren. Vielmehr ist es wichtig, das eigene Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen und auf sein digitales Potenzial hin zu prüfen: Wie kann ich neue Technologien integrieren? Wo entstehen Daten, die ich schon heute nutzen kann, um ein besseres oder vielleicht gänzlich anderes Produkt anzubieten? Nur mit einem ganzheitlichen, digitalen Ansatz, der den Wert von Daten versteht und zu nutzen weiß, können Unternehmen in der digitalen Zukunft bestehen. Spätestens jetzt ist die Zeit, darüber nachzudenken.

Dr. Cara Schwarz-Schilling, Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur- und Kommunikationsdienste, Foto: Presse

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung beflügelt, aber auch Defizite offengelegt. Das unmittelbare Erfordernis von Homeoffice hat die Entwicklung in Richtung neuer Arbeitswelten ein großes Stück vorangebracht. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben hierbei festgestellt, dass digitale Prozesse und mobil-flexibles Arbeiten sie widerstandsfähiger, agiler und attraktiver für Fachkräfte machen. Voraussetzung dafür ist eine hochqualitative Breitbandversorgung, auch in ländlichen Regionen und in den privaten Haushalten. Flächendeckende Gigabitnetze sind ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für die digitale Zukunft der Unternehmen. Daher muss ihr Ausbau entschlossener denn je vorangetrieben werden!

Im Mittelstand in Deutschland finden sich sowohl weltweit führende Hidden Champions als auch Digitalisierungsanfänger. Während fortgeschrittene Unternehmen den Weg vorzeichnen, benötigen noch viele der kleinen und mittleren Unternehmen erfolgreiche Digitalisierungsvorbilder. Traditionelle KMU haben vor allem bei digitalen Produkten, Innovationen und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter Aufholbedarf. Hilfreiche Unterstützung dazu bieten Förderprogramme wie Mittelstand-Digital und deren KI-Trainer, go-digital und die Digitalisierungsberater der Kammern. Mehr als die Hälfte der von Mittel-stand-Digital unterstützten KMU setzt anschließend Maßnahmen zur Digitalisierung im eigenen Betrieb um. Angesichts der 3,5 Mio. KMU, dem Fachkräftemangel und der Vielzahl an neuen Lösungen bleibt noch viel zu tun. Letztlich ist nicht weniger als ein mutiger kultureller Wandel erforderlich.

2. Apr 2026

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Business

Daten als Fundament moderner Wertschöpfung – mit Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich

![Andreas Wagner Atelier Schulte 4 Kopie Onlinejpg.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Andreas_Wagner_Atelier_Schulte_4_Kopie_Onlinejpg_ba179e5e36.jpg) ``` Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich ``` Moderne Wertschöpfungsnetzwerke bestehen aus eng verknüpften Prozessen in Planung, Beschaffung, Produktion und Logistik. Um diese komplexen Systeme besser steuern zu können, setzen Unternehmen zunehmend auf Plattformen, die Anwendungen, Daten und Prozesse über Organisationsgrenzen hinweg miteinander verbinden. So entstehen gemeinsame Datenräume, in denen Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt und analysiert werden können. Zunehmend werden dafür standardisierte Datenprodukte aufgebaut, die Informationen strukturiert bereitstellen und für Analysen nutzbar machen. „Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild“, sagt Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich. Datenmodelle und analytische Systeme helfen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und mögliche Handlungsoptionen abzuleiten. „Die Herausforderung liegt heute weniger im Sammeln von Daten als darin, aus ihnen fundierte Entscheidungen zu entwickeln“, so Wagner. >Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild.

2. Apr 2026

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„Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“ – mit Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria

![Michael Rauhofer_Büro Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Michael_Rauhofer_Buero_Online_6096b75223.jpg) ``` Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria ``` In der Logistik zahlt sich Nachhaltigkeit für die Unternehmen immer dann aus, wenn sie Kosten stabilisiert, Risiken reduziert und die Effizienz erhöht. Wer Emissionen senkt, reduziert oft auch Energie und Mautkosten und macht seine Lieferketten robuster. Entscheidend ist, Nachhaltigkeit als Business Case zu denken: etwa durch intermodale Konzepte und kombinierte Verkehre, die wirtschaftlich sind und gleichzeitig CO₂ sparen. Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. >Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Für Unternehmen sind auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit drei Schritte entscheidend. Erstens Transparenz bei den Daten – etwa über Sendungen, Laufzeiten oder Emissionen. Zweitens eine klare Dekarbonisierungs Roadmap. Das umfasst Flotte, Modal Shift, aber auch die Einbindung von Partnern. Und drittens der verantwortungsvolle Einsatz von Digitalisierung und KI. Das heißt: saubere Daten, klar definierte Anwendungsfälle, geschulte Mitarbeitende und von Anfang an mitgedachte Compliance.

2. Apr 2026

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Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.

2. Apr 2026

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Arbeiten im Update-Modus

Die Spielregeln der Wirtschaft verändern sich rasant und mit ihnen die Frage, was Unternehmen heute wirklich erfolgreich macht: Neue Software wird eingeführt, Abläufe werden neu zugeschnitten, Entscheidungen stärker datenbasiert getroffen. Prioritäten verschieben sich spürbar im Tagesgeschäft, neue Produkt- und Serviceverständnisse entstehen und vertraute Routinen lösen sich auf. Hinzu kommen wachsende regulatorische Anforderungen: mehr Nachweise, klarere Regeln im Umgang mit Daten, Systemen und Verträgen. Was bislang informell funktionierte, muss nun sauber dokumentiert sein. Selbst scheinbar alltägliche Schritte im digitalen Raum können plötzlich Compliance-relevant sein. >Selbst scheinbar alltägliche Schritte im digitalen Raum können plötzlich Compliance-relevant sein. In dieser Verdichtung von Veränderungen wird deutlich, wie stark der Arbeitsalltag unter Druck steht. Nicht durch einen großen Umbruch, sondern vielmehr durch die vielen kleinen, kontinuierlichen Veränderungen, die parallel passieren. Und ja – ein großer Teil davon liegt auf den Schultern der Mitarbeitenden. Umso wichtiger ist es, dass klar wird, warum sich Dinge verändern und welche Rolle jede und jeder Einzelne dabei spielt. Erst dann entsteht aus vielen Maßnahmen ein stimmiges Gesamtbild. Wofür war noch gleich die nächste E-Learning-Schulung gut? Warum ist auch das nächste Compliance-Training wirklich wichtig? Die ehrliche Antwort: Weil Lernen heute einfach dazugehört. Nicht als Selbstzweck, sondern damit Orientierung entsteht, Sicherheit wächst und sich Arbeit eben nicht wie ein undurchdringlicher Regel-Dschungel anfühlt. Wenn Klarheit, Verantwortung und Wissen nicht bei Wenigen hängen bleiben, sondern von allen getragen werden, entsteht daraus etwas Positives: ein gemeinsames Verständnis und die Fähigkeit, Veränderungen nicht nur zu bewältigen, sondern aktiv mitzugestalten. >Wenn Klarheit, Verantwortung und Wissen nicht bei Wenigen hängen bleiben, sondern von allen getragen werden, entsteht daraus etwas Positives.