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23. Jun 2026

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Gesellschaft

Eine Stimme für die Schwächsten – mit Malte Zierden, Tierschützer & Aktivist

Journalist: Silja Ahlemeyer

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Foto: Bettina Theuerkauf, Isabel Moreno

Malte Zierden (33) engagiert sich stark im Hundetierschutz, etwa in der Ukraine. Mehr als 1 Million Menschen folgen ihm dabei über die Sozialen Medien.

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Malte Zierden, Tierschützer & Aktivist

Malte, was ist dein persönlicher Grund, dich für Tiere in Krisengebieten einzusetzen? Ich weiß, wie sich Hilflosigkeit anfühlt. Ich habe selbst als Kind Ungerechtigkeit erlebt und verstanden, wie es sich anfühlt, allein gelassen zu werden. Mein Vater mochte mich nicht sehr. Dieses Gefühl vergisst man nicht. Und irgendwann entscheidet man sich, ob man daran zerbricht – oder ob man etwas Besseres daraus macht. Tiere sind die stillsten Opfer unserer Welt. Gerade in Krisengebieten sieht man das besonders deutlich: Wenn Menschen fliehen, bleiben Tiere zurück. Sie haben keine Stimme. Und kaum jemanden, der für sie einsteht. Deshalb versuche ich, der zu sein, der für sie spricht. Wie wir mit den Schwächsten umgehen, zeigt, wer wir als Gesellschaft wirklich sind. Und vielleicht ist das der eigentliche Grund: Ich hätte mir als Kind jemanden gewünscht, der für mich einsteht.

Welcher Fall bleibt dir bislang am meisten in Erinnerung? Taro. Ein blinder Akita aus einer rumänischen Tötungsstation. Der Leiter sagte, Taro sei bissig und gefährlich. Als er sich Taro näherte, wurde der Hund unruhig, bellte und schnappte nach ihm. Dann habe ich mich einfach vor Taro gesetzt und meine Hand ausgestreckt. Und plötzlich fing er an zu weinen. Er kam näher und gab sich mir komplett hin. Obwohl wir uns nie begegnet waren, hat er mir in diesem Moment sein Leben anvertraut. Das werde ich nie vergessen. Taro hat mir gezeigt: Ein blinder Hund braucht keine Augen, um zu erkennen, wer ein guter Mensch ist.

Wenn wir nun nach Deutschland gucken: Was sind aktuell die größten Probleme im Hundetierschutz hierzulande? Tatsächlich ist das ist der Auslandstierschutz. Viele Hunde werden aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt, ohne dass Menschen wirklich verstehen, was sie erwartet. Sie sehen ein Bild im Internet, verlieben sich und unterschätzen, dass ein Hund eine lebenslange Verantwortung ist. Die Folge: Viele dieser Tiere landen am Ende wieder in deutschen Tierheimen. Das ist so schlimm. Genau deshalb arbeite ich mit Organisationen wie der „Notpfote“ zusammen. Dort werden Tiere nicht einfach direkt vermittelt. Mensch und Tier lernen sich erst einmal kennen, bauen Vertrauen auf. Und erst dann wird entschieden, ob es wirklich passt. Das ist aufwendig. Aber genau so muss Tierschutz sein.

Viele Hunde werden aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt, ohne dass Menschen wirklich verstehen, was sie erwartet.

Was sind deine Ziele für die nächsten ein bis zwei Jahre? Wir werden Orte erschaffen, an denen Tiere in Frieden leben können. Es geht darum, neue Räume zu haben, in denen Tiere nicht mehr überleben müssen, sondern leben dürfen. In den nächsten Jahren werden wir genau daran arbeiten: Strukturen aufbauen und nachhaltige Orte schaffen, die zeigen, dass es auch anders geht.

Was müsste sich politisch ändern, um Tierschutz in Deutschland nachhaltig zu verbessern? Tierschutz darf kein Randthema mehr sein. Wir haben genug Gesetze, aber zu wenig Kontrolle. Warum behandelt die Politik Tiere wie Ware? Volle Tierheime sind kein Zufall, sondern ein Systemfehler.

Was kann jeder Einzelne im Privaten tun, damit es Tieren besser geht? Ganz einfach: Hinschauen. Wer das tut, trifft ganz automatisch andere Entscheidungen. Töte die Spinne zuhause nicht, bring sie lieber raus. Schmeiß' der Taube etwas zum Essen hin, anstelle sie zu verjagen und versuche, Tiere wirklich zu sehen.

Factbox:

Maltes Tierschutz-Engagement begann mit der Straßentaube Oßkar, der er 2023 ein Wohnzimmer auf seinem Fenstersims baute. Die Taube ist mittlerweile verstorben, aber noch heute wird Malte „der Taubenmann“ genannt. Er mag das, denn Oßkar hat ihn dazu gebracht, jedes Tier als Individuum zu sehen.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.