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16. Dez 2025

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Wirtschaft

Energieberatung – der stille Gewinnbringer

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Pavel Danilyuk/pexels

Unternehmen sparen Kosten und sichern sich Wettbewerbsvorteile, wenn sie Experten engagieren, die den Energieverbrauch analysieren und senken.

In Zeiten explodierender Energiekosten und wachsenden Drucks zur Nachhaltigkeit sitzen viele Unternehmen auf einer schlafenden Ressource: Effizienz. Um aber herauszufinden, wo mögliche Schwachstellen liegen, braucht es eine professionelle Energieberatung. Während Privathaushalte oft an Thermostate denken, geht es in der gewerblichen Energieberatung um strategische Wettbewerbsvorteile, die sich als sehr wichtig im Konkurrenzkampf mit Mitbewerbenden herausstellen können. Sie ist der systematische Schlüssel, um Betriebskosten dauerhaft zu senken und auch die Klimabilanz zu verbessern. Bei einer professionellen Energieberatung für Unternehmen handelt es sich um eine ganzheitliche Betriebsprüfung. Zertifizierte Berater analysieren nicht nur den Gebäudebestand, sondern vor allem die prozessorientierten Energieflüsse. Wo entweicht Wärme in der Produktion? Läuft die Druckluftanlage ineffizient? Wie kann Abwärme genutzt werden? Diese systemische Analyse identifiziert die größten „Kostenlecks“, die im hektischen Tagesgeschäft oft unsichtbar bleiben. Die Grundlage ist eine präzise Energieverbrauchsanalyse, die Lastprofile und Verbrauchsmuster transparent macht. Eine fundierte, professionelle und neutrale Energieberatung ist also eine echte strategische Analyse. Und wichtig ist: Alles hängt mit allem zusammen, nichts darf isoliert betrachtet werden.

Die Investition in eine Energieberatung rentiert sich mehrfach.

Eine professionelle Beratung folgt dabei einem klaren Prozess: Von der Initialberatung und detaillierten Ist-Analyse über die Entwicklung eines maßgeschneiderten Maßnahmenkatalogs bis hin zur Unterstützung bei der Umsetzung und Erfolgskontrolle. Die Priorität liegt auf wirtschaftlichen Investitionen mit einer kurzen Amortisationszeit. Oft sind es „Quick-Wins“ wie die Optimierung von Beleuchtung, Lüftung oder der Hydraulik im Heizsystem, die mit überschaubarem Aufwand fünfstellige Einsparungen pro Jahr bringen. Die Investition in eine Energieberatung rentiert sich mehrfach. Sie senkt nicht nur direkt und dauerhaft die Betriebskosten und steigert damit die Wettbewerbsfähigkeit, sondern erfüllt gleichzeitig die wachsenden ESG-Anforderungen (Environment, Social, Governance) und verbessert das Unternehmensimage. Zudem macht sie das Unternehmen unabhängiger von Energiepreisschocks. Staatliche Förderprogramme der BAFA und KfW reduzieren das finanzielle Risiko der Erstberatung und der folgenden Investitionen erheblich.

Für den Mittelstand ist die professionelle Energieberatung heute daher kein Luxus oder eine zu vernachlässigende Maßnahme mehr, sondern ein betriebswirtschaftliches Muss. Sie verwandelt den Faktor Energie vom reinen Kostenblock in eine steuerbare Größe. Während die Unsicherheiten für Unternehmen immer größer werden, bietet sie Planbarkeit – und ermöglicht es, frei werdende Mittel für das eigentliche Geschäft einzusetzen. Wer langfristig am Markt bestehen will, sollte daher seine Energieströme so genau kennen wie seine Finanzen. Die Energieberatung stellt somit keinen Kostenfaktor dar, sondern eine Investition. Das ist gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten für Unternehmen eine sehr interessante Aussicht.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.