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2. Jul 2026

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Gesellschaft

Europa im Kreuzfeuer – Im Interview mit Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Journalist: Christian Kolb

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Foto: DLR

Sicherheitsbehörden werden zunehmend mit hybriden Bedrohungen konfrontiert, gegen die klassische Sicherheitskonzepte wirkungslos sind.

Als Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla verantwortlich für 12.500 Mitarbeitende, die mit einem Gesamtbudget von mehr als 1,7 Milliarden Euro an Technologien in der Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr sowie Sicherheit und Verteidigung – aber auch zu Sicherheit und Verteidigung forschen.

Was macht hybride Bedrohungen aus – und so gefährlich? Es bleibt nicht bei Bedrohungen, es gibt tatsächliche Angriffe. Im Cyberraum ist das bekannt. Klassische Desinformationen gehören auch dazu. Das sind ganz viele Nadelstiche, verdeckt und systematisch, die die Resilienz unserer Gesellschaft auf die Probe stellen.

Welche Chancen und Risiken sind mit Drohnen verbunden? Drohnen bringen viele Vorteile. So bei Rettungsaktionen, bei denen Drohnen sehr schnell am Unfallort sind und Informationen liefern, die für Notfallteams und die Polizei eine gute Vorbereitung ermöglichen. Drohnen sind auch wichtig im Bereich der Lagebilder bei komplexen Schadensereignissen, etwa Überflutungen. Das ist eine Riesenchance, ein Riesengewinn. Die andere Seite sind unerlaubte Überflüge über unsere Flughäfen, Kasernen oder Unternehmen. Da werden Drohnen zum Sicherheitsrisiko.

Welche Abwehrsystems gibt es? Im ersten Schritt müssen Drohnen katalogisiert werden, um festzustellen, welche Art der Bedrohung von ihnen ausgeht, das heißt zu wissen, welche Nutzlast sie mitführen. Im konkreten Einsatzfall erfolgt als erstes die Detektion der Drohne. Und schon das kann über Leben und Tod entscheiden. Wenn es gelingt, eine Drohne rechtzeitig zu detektieren, bevor diese in ein Flughafengelände eindringt, ist das ein sehr hoher Mehrwert. Dann geht es darum, diese Drohnen zu tracken, sie zu verfolgen, um sie zu unschädlich zu machen. Es gibt softe Abwehrmethoden wie das Stören der Drohne mit elektronischen Mitteln und das Übernehmen der Drohne, um sie zur Landung zu zwingen. Und es gibt die harten Methoden, wie Jägerdrohnen mit Netzen oder der Einsatz von Lasern.

Im ersten Schritt müssen Drohnen katalogisiert werden, um festzustellen, welche Art der Bedrohung von ihnen ausgeht, das heißt zu wissen, welche Nutzlast sie mitführen.

Welche Rolle hat die Künstliche Intelligenz? Wir setzen künstliche Intelligenz im Rahmen unserer Forschung ein. Dazu zählen Methoden, die beispielsweise im Bereich der Erdbeobachtung mit Satelliten schon sehr intensiv angewandt werden. Hier werten wir derartige Massen an Informationen aus, dass eine zeitgerechte Datennutzung ohne KI gar nicht möglich wäre. Zudem hilft die KI bei vielfältigen Anwendungen, von der Landwirtschaft über die Städteplanung bis hin zur Klimamodellierung. Der Einsatz von KI bedeutet aber auch, dass Informationen durch Dritte schneller unrechtmäßig erlangt werden können.

Wer greift uns da an? Bei Cyberangriffen ist deutlich geworden, dass diese häufig aus Russland oder aus China kommen. Auch andere Staaten wie etwa der Iran sind in diesem Bereich aktiv. Ziel der Angreifer ist es unter anderem, unerlaubt Informationen abzugreifen oder mit falschen Informationen Angst zu schüren und damit im schlimmsten Fall unsere Gesellschaft zu spalten.

Wer ist verantwortlich, uns zu schützen? Das ist eine Frage der Gesetzeslage, die in Europa relativ komplex ist. Die Idee, die Bundeswehr müsse sich generell kümmern, ist Stand heute falsch. Auf den Flughäfen direkt ist die Bundespolizei zuständig. Für das Umfeld aber die Landespolizei. Übrigens besteht die Pflicht bei Schutz von kritischer Infrastruktur bei deren Betreibern selbst, die eigene Schutzkonzepte entwickeln müssen. Es gibt inzwischen aber auch Unternehmen, die sich als Dienstleister erfolgreich um diese Themen kümmern.

Was muss Europa tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Europa muss zusammenstehen. Das gilt für die Forschung, aber auch für industriepolitische Themen. Europa muss sich über die eigenen Stärken im Klaren sein. Aber auch darüber, wo wir mehr tun müssen. Es gibt eine Menge erfolgreicher europäischer Projekte. Doch oft wird nur über die geredet, bei denen es hakt. So ist die Ariane 6 Rakete ein beispielhafter europäischer Erfolg. Es gibt ganz viel, das Europa gemeinsam geschafft hat. Deswegen sind wir zuversichtlich, dass wir Europa und damit auch Deutschland auch in Zukunft gemeinsam voranbringen und schützen werden.

Europa muss sich über die eigenen Stärken im Klaren sein. Aber auch darüber, wo wir mehr tun müssen.

Factbox:

Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla hat ihre Heimat in Niedersachsen. Als sie an der Ruhr-Universität promovierte, wusste Sie noch nicht, dass sie ihr beruflicher Weg über die TU Wien und das Helmholz-Zentrum Berlin zum DLR führen würde. Für die erfahrene Wissenschaftsmanagerin sind Tage ohne Sport verlorene Tage.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!