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24. Sep 2026

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Wirtschaft

Fischer-Tropsch: Alte Technologie, neue Perspektiven

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Ayush Kumar/unsplash

Schon vor mehr als 100 Jahren forschten zwei deutsche Chemiker an der Umwandlung von Kohle in flüssige Kraftstoffe. Diese Forschung erlebt auch im Zuge der Energiewende eine neue Bedeutung. Nachhaltige Kraftstoffe entstehen dabei jedoch nur, wenn erneuerbarer Strom sowie nachhaltig gewonnener Kohlenstoff und Wasserstoff eingesetzt werden.

Die Fischer-Tropsch-Synthese zählt zu den vielseitigsten chemischen Verfahren weltweit und ist bis heute für Wissenschaft und Industrie von großer Bedeutung. Vor rund 100 Jahren wurde das Verfahren von den deutschen Chemikern Franz Fischer und Hans Tropsch am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr entwickelt und 1929 patentiert.

Ursprünglich wurde die Fischer-Tropsch-Synthese entwickelt, um aus Kohle flüssige Kraftstoffe herzustellen. Später wurde das Verfahren auch für andere Ausgangsstoffe wie Erdgas eingesetzt. Besonders in den 1930er- und 1940er-Jahren gewann die Technologie an industrieller Bedeutung. Auch heute wird sie beispielsweise in Südafrika zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus Kohle genutzt.

Das Grundprinzip der Fischer-Tropsch-Synthese ist vergleichsweise einfach: Zunächst wird ein kohlenstoffhaltiger Ausgangsstoff wie Kohle, Erdgas oder Biomasse in sogenanntes Synthesegas umgewandelt. Dieses besteht hauptsächlich aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H₂). Das gereinigte Synthesegas wird anschließend in einem Reaktor über einen Metallkatalysator, meist auf Basis von Eisen oder Kobalt, geleitet. Bei Temperaturen von etwa 150 bis 350 Grad Celsius und moderaten Drücken werden die gasförmigen Ausgangsstoffe zu längerkettigen Kohlenwasserstoffen verbunden.

Dabei entsteht zunächst ein Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe. Durch weitere Verarbeitungsschritte wie Destillation, Cracken und Hydrierung können daraus Produkte mit bestimmten Eigenschaften gewonnen werden. Dazu gehören beispielsweise synthetischer Diesel, Kerosin und Benzin, aber auch Wachse und andere Ausgangsstoffe für die chemische Industrie.

Die Fischer-Tropsch-Synthese ist keine neue Erfindung der Energiewende, sondern ein seit rund einem Jahrhundert bekanntes und industriell erprobtes chemisches Verfahren.

Die Fischer-Tropsch-Synthese kann damit in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Im Straßenverkehr können die erzeugten Kraftstoffe als Alternative oder Beimischung zu herkömmlichen Dieselkraftstoffen dienen. In der Luftfahrt können daraus synthetische Kraftstoffe hergestellt werden, die als Bestandteil von Sustainable Aviation Fuel (SAF) eingesetzt werden können. Auch für die Schifffahrt sind synthetische Kohlenwasserstoffe interessant, insbesondere wenn sie aus erneuerbaren Rohstoffen oder mit erneuerbarem Wasserstoff hergestellt werden. Darüber hinaus können bestimmte Produkte der Fischer-Tropsch-Synthese, wie Kohlenwasserstoffe und Wachse, als Rohstoffe für die chemische Industrie genutzt werden.

Die Technologie ist allerdings mit erheblichem technischem und energetischem Aufwand verbunden. Bei den verschiedenen Umwandlungsschritten entstehen Wirkungsgradverluste, wodurch die Herstellung vergleichsweise teuer werden kann. Außerdem müssen die Ausgangsstoffe beziehungsweise das Synthesegas aufwendig gereinigt und die entstehenden Kohlenwasserstoffe anschließend weiterverarbeitet werden.

Die Fischer-Tropsch-Synthese ist keine neue Erfindung der Energiewende, sondern ein seit rund einem Jahrhundert bekanntes und industriell erprobtes chemisches Verfahren. Neu ist vor allem die Frage, welche Ausgangsstoffe künftig dafür genutzt werden. Werden Kohle oder Erdgas verwendet und stammen die benötigten Prozessenergien aus fossilen Quellen, können erhebliche CO₂-Emissionen entstehen, wird dagegen erneuerbarer Strom eingesetzt und stammen Kohlenstoff und Wasserstoff aus möglichst nachhaltigen Quellen, kann die Technologie weitaus klimafreundlicher betrieben werden.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.