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24. Sep 2026

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Wirtschaft

Kostenfaktor Wärmenutzung

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Getty Images/unsplash

Industrielle Prozesswärme ist ein wesentlicher Faktor für den Energieverbrauch der deutschen Industrie. In zahlreichen Branchen – insbesondere in der Lebensmittel-, Chemie-, Metall-, Papier- und Kunststoffindustrie – sind Produktionsprozesse auf eine konstante Wärmezufuhr angewiesen. Häufig kommt dabei Dampf als Wärmeträger zum Einsatz, da er Wärme gleichmäßig und effizient übertragen kann.

Doch wo viel Wärme eingesetzt wird, entsteht auch Wärme, die am Ende des Prozesses übrig bleibt. Lange Zeit wurde diese industrielle Abwärme über Kühlsysteme, Abluft oder Abwasser einfach an die Umgebung abgegeben. Heute sieht das anders aus. Steigende Energiekosten, ambitionierte Klimaziele und der Wunsch nach mehr Energieeffizienz machen Abwärme zu einem zunehmend wertvollen Rohstoff.

Denn die Wärme lässt sich weiterverwenden – im eigenen Betrieb, in benachbarten Unternehmen oder in kommunalen Wärmenetzen. Das spart Primärenergie, senkt Kosten und reduziert CO₂-Emissionen. Wie das funktionieren kann, zeigt Aurubis in Hamburg. Bei der Herstellung von Schwefelsäure im Zuge der Kupferraffination entstehen große Mengen Abwärme. Gemeinsam mit enercity und den Hamburger Energiewerken wurde eine Infrastruktur mit großem Wärmespeicher aufgebaut, die seit 2018 die HafenCity, inzwischen auch Rothenburgsort und Teile der Veddel mit Fernwärme beliefert. Mit der zweiten Ausbaustufe können jährlich bis zu 100.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Auch in Neuburg an der Donau wird industrielle Wärme zum Teil der städtischen Energieversorgung. Dort speist Rockwool die bei der Herstellung von Steinwolle entstehende Abwärme über eine sogenannte Wärmedrehscheibe in das Fernwärmenetz ein. Rund zwei Drittel der Haushalte können so mit Fernwärme versorgt werden.

Gerade in energieintensiven Branchen bieten Rückgewinnung und Weiterverwendung von Wärme die Chance, bestehende Prozesse effizienter zu machen, den Energiebedarf zu senken und gleichzeitig unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden.

Diese Beispiele zeigen: Abwärme muss nicht am Werkstor enden. Sie kann dort eingesetzt werden, wo Wärme ohnehin gebraucht wird – in benachbarten Unternehmen, in Produktionsprozessen oder in kommunalen Wärmenetzen. Besonders interessant wird das, wenn unterschiedliche Wärmebedarfe miteinander kombiniert werden. So können beispielsweise Betriebe mit kontinuierlich anfallender Abwärme und Unternehmen mit hohem Wärmebedarf voneinander profitieren.

Eine weitere Möglichkeit bietet die mechanische Brüden- beziehungsweise Dampfrückverdichtung (MVR). Dabei wird bereits vorhandener Prozessdampf verdichtet und dadurch auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Die darin enthaltene Energie kann anschließend erneut für den Produktionsprozess genutzt werden. Das Verfahren kommt unter anderem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie in der Chemie-, Papier-, Zellstoff- und Pharmaindustrie zum Einsatz.

Damit wird aus entstehender Wärme, die früher einfach verloren ging, ein wertvoller Energieträger. Gerade in energieintensiven Branchen bieten Rückgewinnung und Weiterverwendung von Wärme die Chance, bestehende Prozesse effizienter zu machen, den Energiebedarf zu senken und gleichzeitig unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden. Abwärmenutzung ist damit längst nicht mehr nur eine Frage des Klimaschutzes – sie wird zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor und zu einem wichtigen Baustein für eine wettbewerbsfähige Industrie.