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16. Dez 2025

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Gesellschaft

Ladesäulen: „In vielen Städten passiert zu wenig“ – mit Hildegard Müller (VDA)

Journalist: Hauke Brost

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Foto: Presse

Drei von zehn Kommunen haben keine einzige Ladesäule. Das muss sich dringend ändern, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), im Interview.

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Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Frau Müller, geht der Ausbau der Lade-Infrastruktur in Deutschland schnell genug voran?

Die gute Nachricht zuerst: Es kommen immer mehr öffentlich zugängliche Ladepunkte dazu. Insbesondere bei den Schnellladepunkten geht es voran. Allerdings steigen auch die Zulassungen von E-Autos deutlich, was natürlich positiv ist. Dadurch verbessert sich das Verhältnis von öffentlichen Ladepunkten zu E-Autos praktisch kaum. Das zeigt eine aktuelle VDA-Auswertung, für die wir die Entwicklung der Ladeinfrastruktur zwischen dem Juli dieses Jahres und dem Vorjahresmonat untersucht haben. Sie verdeutlicht: Der politische Handlungsbedarf ist weiterhin da.

Wie ist der aktuelle Stand, also wie viele Ladesäulen gibt es bereits?

Es gibt in Deutschland mittlerweile etwa 180.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Davon sind gut 44.000 Schnellladepunkte. Unsere Untersuchung hat aber gezeigt, dass die regionalen Unterschiede oft groß sind. Es gibt Städte und Landkreise, da sieht es gut aus, in anderen ist bisher viel zu wenig passiert. Und: Gut drei von zehn Kommunen haben keinen öffentlich zugänglichen Ladepunkt, rund zwei Drittel keinen Schnellladepunkt. Aber das Vertrauen der Verbraucher, immer und überall einfach und schnell laden zu können, ist ganz zentral für die Akzeptanz der E-Mobilität. Dafür, die Menschen für den Umstieg zu begeistern. Deshalb ist das Thema so wichtig.

Man hat den Eindruck, dass es in Großstädten vielleicht ausreichend Ladesäulen gibt, auf dem Land aber nicht. Täuscht das, oder haben wir da ein Riesenproblem?

Da muss man jeweils genau hinschauen und auch die oft unterschiedlichen Wohnsituationen im Blick haben. Gerade in Städten leben besonders viele Menschen in Mietwohnungen ohne eigene Wallbox in der hauseigenen Garage, mit der sich ein E-Auto laden ließe. Sie sind also ganz besonders auf öffentlich zugängliche Ladepunkte auf Straßen und entlang der Autobahnen angewiesen. Selbstverständlich müssen aber auch die Möglichkeiten zum Laden für Pkw und Nutzfahrzeuge auf privaten Stellplätzen von Mehrfamilienhäusern und Tiefgaragen, beim Arbeitgeber, auf Betriebshöfen und im Einzelhandel konsequent ausgebaut werden.

Was muss noch getan werden, um die bestmögliche Infrastruktur zu gewährleisten?

Ein generelles Problem sind die Stromnetze. Sie müssen den Ausbau der Ladeinfrastruktur begleiten und dringend modernisiert und ausgebaut werden. Das wird umso klarer, wenn man auch an Nutzfahrzeuge denkt, auch dieser Bereich elektrifiziert sich ja zunehmend. Hier ist die Energiewirtschaft dringend gefordert.

Halten Sie das Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 eigentlich für realistisch?

Die deutsche Automobilindustrie steht zu den Pariser Klimazielen. Die Unternehmen haben bereits erheblich in die Transformation investiert, in die Umstellung der Produktion, neue Kapazitäten und in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten. Allein von 2025 bis 2029 werden sie 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren und weitere etwa 220 Milliarden Euro in Sachinvestitionen, insbesondere in die Werke. Bereits heute ist Deutschland der weltweit zweitgrößte Standort für die Produktion von E-Pkw, allein in diesem Jahr werden hierzulande voraussichtlich 1,7 Mio. E-Autos gefertigt – ein neuer Rekord. Doch unser klares Commitment für die E-Mobilität reicht allein nicht aus. Ihm stehen eine insgesamt zu schwache Nachfrage vor allem wegen unzureichender Rahmenbedingungen gegenüber – Stichwort Ladeinfrastruktur, Stichwort teurer Ladestrom.

Was schlägt die Automobil-Industrie stattdessen vor?

Brüssel muss reagieren. Denn um die Klimaziele zu erreichen, ist vor allem Flexibilität entscheidend, also die Fähigkeit und der Wille, sich einer veränderten Situation erfolgreich anzupassen. Wir sind überzeugt: Elektromobilität wird weit überwiegend der Antrieb der Zukunft sein, aber auch Plug-in-Hybride, Wasserstoff und erneuerbare Kraftstoffe müssen als Teil der Lösung anerkannt werden. In diesem Mix liegt eine Stärke, die weltweit dabei hilft, die Klimaziele zu erreichen. Deshalb ist jetzt die Politik gefordert. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen und technologieoffen denken und agieren. Fakt ist: Die Fahrzeuge sind da, bei den Pkw ebenso wie bei den Nutzfahrzeugen – und wir wollen sie erfolgreich auf die Straße bringen.

Über den Verband:

Im VDA sind die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer vertreten. Der 1901 als „Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller“ gegründete Verband vertritt die gesamte Automobilbranche gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die frühere Staatsministerin im Bundeskanzleramt Hildegard Müller ist seit 2020 VDA-Präsidentin.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!